Pensionisten-Nahkampf und Apotheken-Rally in 10 Disziplinen

Trotz einiger Fehlstellen und noch überschaubarer Defekte am eigenen Luxuskörper, schafft man(n) es doch eine gewisse Zeit, den Besuch beim Arzt erfolgreich zu verschieben.

Irgendwann, ja irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr anders geht. Sich Dinge anschleichen, sich verschlimmern, oder „Geschichten“ auftauchen, mit denen man im Leben nicht gerechnet hätte.
Na gut, dann schleicht man(n) halt mal zum Doc. Man hat ihn ja eh schon ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen….

Montag Morgen, da scheint die Welt ja noch in Ordnung! Alle Termine verschoben, die Kollegen informiert – man rechnet ja schon mit so Einigem – das theoretische Plansoll erfüllt, gehts ab in die Praxis.

7:30, ja sie lesen richtig! Ich war um 7:30 bereits in der Ordination und stand staunend vor bzw. hinter ca. 20 Personen, die sich ebenfalls den Rat des weissen Mannes holen wollten.

Ein Blick in die versammelte Runde brachte nichts Gutes.

Pensionisten! Nicht dass ich etwas gegen Personen fortgeschrittenen Alters, die sich ein Leben lang für einen Hungerlohn abgerackert haben, etwas hätte, aber warum müssen die immer am frühen Morgen als Allererste eine Arztpraxis lahmlegen?
Könnten diese zeithabenden Damen und Herren nicht denjenigen den Vortritt lassen, die noch die Hoffnung haben, am gleichen Tag wieder zur Arbeit zu müssen/können/sollen/dürfen?

Nein, das geht natürlich nicht! Offenbar muss man als Rentnerin und Rentner schon um 3 Uhr morgens aus den Daunen hüpfen, sich die Restmenge an Haupthaar stylen, den neuesten Pesionistenfummel anziehen und zum Arzt traben.

Die Themen, die im Wartezimmer dann besprochen werden, bevor der Onkel Doc den Startschuss für den Krampfadern-TÜV gibt, sind auch nicht von schlechten Eltern – oder sollte man eher Großeltern schreiben.
Ausflüsse aus allen möglichen Körperregionen, Bestrahlungswünsche mit allen möglichen und unmöglichen Gerätschaften, Salben- und Crementhemen, Unverträglichkeiten samt Folgeerscheinungen sind dabei noch das Harmloseste.

Als „junger“ Mensch mit Mitte 40 hat man da echt schon Lust und Laune auf das Älterwerden!
Eine Halbglatze, Brille, Zahndefizite, knackende Gelenke, etc. habe ich ja schon an den Start gebracht, aber was man da zu hören bekommt, ist doch echt ein Ziel, auf das es sich zu warten lohnt!!!

Zurück zur Arztpraxis:
Wenn mans dann, dank vieler Stammgäste, die sich nur mehr die tägliche Dosis Droge geholt haben, zum Arzt geschafft hat, ist die Welt wieder in Ordnung! Man bekommt Hilfe, wird betreut, bekommt sein Rezept und alles passt!

Alles passt? Nein, nichts passt!
Keine 5 Minuten später hat man die gleiche Truppe wieder vor der Nase! Ja, Sie haben es richtig gelesen, die gleiche Truppe in fast gleicher Reihenfolge steht wieder vor einem….

…. in der Apotheke!

Es schein sich hierbei um eine Art Sportveranstaltung zu handeln!

  1. Disziplin:   möglichst schnell aus dem Bett
  2. Disziplin:   möglichst schnell zum Arzt
  3. Disziplin:   sei der Erste an der Tür der Ordination
  4. Disziplin:   Schmeisse möglichst mit Krankheiten und Diagnosen um dich
  5. Disziplin:   Ergattere das längste und umfangreichste Rezept
  6. Disziplin:   Renne, humple oder „rollatere“ möglichst schnell zur Apotheke
  7. Disziplin:   Erzähle möglichst laut und eindringlich von deinen Leiden, vergiss dabei bitte niemals die Nebenwirkungen! Auch die ungustiösen bitte nicht!
  8. Disziplin:   Verbrauche möglichst viel deiner dir noch verbliebenen Halbwertszeit mit dem Plaudern mit anderen Altersgenossinen und Genossen in der Apotheke.
  9. Disziplin:   Begib dich ins nächste Geschäft oder Kaffeehaus.
  10. Disziplin:   Beklage dich beim Einkauf möglichst laustark über die viele Zeit, die du heute schon verloren hast.

 Ich freue mich wirklich schon auf die vielen netten kleinen Dinge, die die kommenden Jahre meinem Körper noch so zu bieten haben.
Eines verspreche ich Ihnen aber jetzt schon! Ich werde mit unfairen Mittelchen kämpfen! Ich schrecke nicht davor zurück, meinen Rollator tiefer zu legen, zu motorisieren und auf Geschwindigkeit zu trimmen! Ich habe ja dann keine Zeit mehr!

Jetzt müsste ich ja arbeiten, dann habe ich aber keine Zeit mehr!

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