Tag 28 – noch 2 strahlende Tage

2 x Bestrahlung liegen noch vor meiner Frau.
2 x das Prozedere von dem man leider noch nicht sagen kann, ob es etwas gebracht hat, oder nicht.

Die Ärzte versprechen sich viel davon. Wir uns auch. Entfernen kann man die Metastasen leider nicht, aber eindämmen, schrumpfen lassen, bremsen, abtöten, wegbestrahlen, was auch immer…

Der nächste Schritt ist dann wieder die Chemotheraoie, die nächste Woche wieder stationär im Krankenhaus durchgeführt wird.

Heute gabs kurz vor der Bestrahlung noch eine kleine Blutkontrolle.
„Alles so weit sehr gut!“ hat es geheissen.
Was das für einen Arzt im aktuellen Fall bedeutet, muss aber nicht zwangsläufig der Traum für jeden gesunden Menschen sein. Keine Ahnung. Zumindest keine genaue.
Man kann sich hier nur auf die Aussagen und die Erfahrung der Ärzte verlassen.

Und natürlich hoffen!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Tag 27 – wieder ein bestrahlender Tag

So wie die ganze letzte Woche, gehts auch diese Woche weiter.

Der Kampf gegen die Metastasen geht weiter. Täglich eine Bestrahlung. Die Anfahrt zum Nuklearmedizinischen Zentrum war auch heute wieder sehr ruhig.
Wie wird es sein? So wie letzten Donnerstag? Wieder so schlimm? Oder wie am Freitag, wo es ganz locker wegzustecken war….
Gedanken über Gedanken!

Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass gerade das Denken an und über den Krebs, seine Auswirkungen und seine Macht, eines der schlimmsten Dinge überhaupt sind.

Wie lange habe ich noch? Habe ich eine Chance? Wie hoch ist diese Chance, wenn sie denn da ist. Ist das alles Schönrederei, ist die Behandlung eine echte Behandlung, oder nur ein Verzögern? – All das sind Fragen, die irgendwo herumkriechen und das Hirn zusätzlich belasten.
Kein Arzt, kein noch so guter Medizinmann wird sich darauf festnageln lassen, dass es 50:50 oder 70:30, 80:20 oder eventuell auch nur 10% Chancen sind, es zu überleben oder auch nur ein normales Leben führen zu können.
Normales Leben? Ja! Ein normales Leben ohne Schädigungen, Beeinträchtigungen, Einschränkungen,…. Leben!

Als Angehöriger, in desem Fall Ehemann, kann ich nur sagen, daß es nicht gerade einfach ist, die richtigen Worte zu finden. Belügen, ist der falsche Weg! Zu direkt zu sein, auch! Ich liebe diese Frau, besitze den Egoismus, sagen zu können, daß ich meine Frau behalten möchte! So wie sie ist! Mit oder ohne Krebs! Verdammt nochmal, ich will, dass Alles nur ein Traum ist, wir erwachen und alles wieder „gut“ ist.

Viele Fragen mich inzwischen, wie es mir denn geht!
Ich habe fast keine Antwort mehr parat! Ich funktioniere, ünterstütze, wo es nur geht, helfe, wo es schon fast zu viel für meine Frau ist, stehe besorgt im Vorraum, wenn sie im Bad länger als die gewohnte Zeit braucht, befürchte Dinge, die nicht da sind, kämpfe mit mir, dem Krebs meiner Frau, meinem Hirn, den Ängsten und dem Leben.

Nebenbei habe ich inzwischen Angst, wie es überhaupt  weitergehen soll.
Mein Pflegeurlaub ist aufgebraucht für dieses Kalenderjahr, mein kaputer Rücken hat mich diese Woche in den Krankenstand befördert, dann, dann, dann, dann…..

Ich kann nicht ewig Urlaub nehmen, der Arbeitgeber bezahlt mich ja fürs arbeiten, nicht fürs Herumsitzen und blöd aus der Wäsche zu schauen. Einen Job im Aussendienst zu haben, erleichtert die Sache hier gerade ganz und garnicht.  Noch ein Problem! – Danke, davon hab ich gerade genug.

Meine Frau kann den Alltag momentan einfach nicht alleine schaukeln! Es geht nicht! Zu schwach, zu unsicher auf den Beinen, zu wackelig, zu zittrig, zu krank….
Aber „fit und gesund“ genug, nicht im Krankenhaus liegen zu müssen! – Zmindest nicht diese Woche! Dann gehts ja wieder weiter mit der Chemo…. Ich hab noch keinen blassen Schimmer, wie es dann aussieht!
Erahnen kann ich es – Erahnen können wir es beide schon!

Stark sein ist schwer! Es ist wirklich schwer..

Aber wir hoffen! Wir hoffen verdammt nochmal!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 26 -Zeit zum Nachdenken

Alles läuft auf Sparflamme…
Der Blutdruck (meiner wohlgemerkt) ist etwas gesunken..
Der Körper fordert sein Recht ein, bedankt sich mit flotten Kreuzschmerzen, Müdigkeit, zeigt mir die Auswirkungen von Schlafmangel an.
Pause, Ruhe, ein 2 Schläfchen tagsüber….. Die Ringe unter den Augen sollen ja schliesslich nicht permanent bleiben.

Meine mir anvertraute Ehefrau braucht die Pause offenbar auch. Tiefe, entspannte Schlafpausen, sanfte Träume von allem Möglichen.
Gestern, gegen Abend z.B hat sie im Tiefschlaf etwas von „das wäre jetzt gut“ gemurmelt. OK, dachte ich mir, bin mal gespannt! Als sie 10 Minuten später wirklich wach wurde, hat sie mir von Zitroneneis und Erdbeeren erzählt.
Na ja, was macht man(n)? Ab ins Auto und zum Eisdealer des Vertrauens! Eis holen.

Gelinde gesagt, ist es mir und den Ärzten völlig egal, Was sie isst, Hauptsache sie isst!
Das Eis wurde verdrückt, als gäbe es nie mehr Eis!
Solche Dinge entlocken einem dann schon mal wieder ein Lächeln! Das hilft!!!!

Heute, Tag 26. Titel „Zeit zum Nachdenken“ war dann auch die Zeit für uns beide, über gewisse Dinge nachzudenken, zu reden und zu sinnieren.

„Wie war das bei deinem Vater? Da warens doch auch die Metastasen im Kopf, die dann endgültig das….?“
„Ja, aber da wurde das leider erst sehr spät erkannt!“
„Ach ja, kann mich da jetzt nicht so genau erinnern…  Hoffentlich ists bei mir nicht auch….“

Viele Sätze mit … am Schluss! Ja, diese Sätze haben ein Ende. Es ist nur kein Ende, das ausgesprochen wurde und wird. Man kennt das Ende leider nur zu gut.

„Was ist wenn? Wie hoch sind die Chancen? Prozente?“ Auch alles Fragen, die kommen, gestellt werden, aber nicht beantwortet werden können.

Auch nicht einfach!

Morgen gehts dann ab zum Ärztemaraton. Zuerst ich (mein Kreuz), dann meine Frau wieder zur Bestrahlung.

Die Angst steigt weider. „Hoffentlich wirds nicht wieder so schlimm wie am Donnerstag! Das schaff ich in der Art nicht lange!“

Ich hoffe, dass es das nicht wird!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 25 – erster Tag Pause

Samstag, Bestrahlungspause, Normalität, Ruhe, Zeit,….

Da am heutigen Samstag keine Bestrahlung angesetzt ist, startet der Tag ohne Druck unbedingt aus den Startlöchern kommen zu müssen. Ohne den Druck, die Schwindelgefühle, die Sehstörungen etc in den Griff bekommen zu müssen.

Der Tag startet mit der Einkaufplanung. Entgegen der gestrigen Aussage, dass meine Frau mich beim Einkauf begleiten will, stellen wir eine kleine Liste zusammen, die ich dann ohne sie holen soll.
Zusammengestellt wird sie gemeinsam, aufgeschrieben von mir. Schreiben klappt nicht! Man kann die Schrift nicht lesen….

Aktion „Wir kochen!“ ist das gemeinsame Projekt am späten Vormittag.
Ich koche nach ihrer Anleitung! Funktioniert super bis auf die Tatsache, dass ich dauernd nachfragen muss, da ich sie nicht verstehe. Ich steh in der Küche, meine Frau liegt im Wohnzimmer auf der Couch. Die Verständigung ist etwas schwierig. Sie wird sauer…. Es wird zu anstrenegend…. Pause, dann klappts wieder. Auch kein Thema.

Kurz nach Mittag. Besuch ist angesagt. Die Schwester meiner Frau samt Schwager kommt. Nette Gespräche, sehr entspannt, wie immer locker, easy… Bis auf die Tatsache, dass es nicht klappt, dabei sitzen zu bleiben. Das Gehirn dreht seine Kreise.. Schwindelanfälle, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen…. Pause, dann klappts wieder. Auch kein Thema.

Nach dem Besuch wird gegessen. Unkonventionelle Zeit, aber da halten wir es einfach pragmatisch. Gegessen wird, wenn Hunger da!

Pause, dann klappts wieder. Auch kein Thema.

Der Rest verläuft ruhig, entspannt, etwas nachdenklich, mit Gesprächen zwischen uns beiden. Worüber? Über das Sein, das Werden, das was kommt, das was ist, die Hoffnung…

Denn

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

Tag 23 – was kommt nach tief?

Was kommt nach einem Tief? Ein Hoch?
Himmelhoch jauchzend können wir natürlich nicht, aber heute gehts und gings meiner mir anvertrauten Ehefrau deutlich besser als gestern.

Der Start in den Tag klappte halbwegs gut. Der Kreislauf spielte halbwegs mit, die Schwindelgefühle hielten sich im Rahmen…

Die Anfahrt ins NUK-Zentrum war dann nicht gerade lustig, da der Körper etwas verrückt spielte. 4 Zwangspausen auf eine Strecke von ca 40 Minuten. Egal…

Die Bestrahlung verlief heute anscheinend gut, der Weg zum Auto musste trotzdem mit dem Rollstuhl angetreten werden.
Die Vermutung, dass gestern an der Bestrahlung etwas anders war, wurde uns von der netten Dame, die das durchführt, bestätigt… (Noch) keine Ahnung, warum das so war!

Die Rückfahrt klappte gut. Sehstörungen, Extreme Empfindlichkeit auf die Helligkeit, Schwindelgefühle, Konzentrationsstörungen etc. Wie immer….

Dann das obligatorische Schläfchen von ca 1,5 Std. Etwas essen (ja, sie hat freiwillig etwas gegessen!!!!) Dann nochmals ein Schläfchen von ca 1 Stunde.

Zwischenzeitlich habe ich den Rollator  abgeholt.
Falls er notwendig sein sollte, möchten wir einen verfügbar haben. Es steht ja nicht immer ein Rollstuhl zur Verfügung.

Plan für morgen Samstag: Einen kleinen gemeinsamen Einkauf (mit Rollator)

Hoffentlich klappts (würde dem Selbstbewusstsein guttun!)

Wir hoffen! Denn:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 22 – Ein ganz harter Tag

Der Kreislauf rotiert, die Hände zittern, die Beine schwach, so startet der Tag.

Ein kleines Frühstück, eine kleine Pause auf der Couch, schon geht’s besser.Duschen, anziehen, ab ins Strahlenzentrum. Das ist der Plan. Der jedoch wieder durch eine Pause unterbrochen werden muss.

Warten auf die Bestrahlung, plaudern mit anderen Patienten, warten, plaudern mit den Schwestern… Kurzbesprechung mit dem Arzt…

Warten, nachdenken über Alles und Jeden… Denken, denken, denken! Ob da etwas Vernünftiges herauskommt?

Was wird mit den „Kleinigkeiten “ die sich aktuell bemerkbar machen? Die verdrehten Worte, die vergessenen Worte, die Begriffe die ihr nicht einfallen, die Dinge, die Sie vergessen hat.

Es sind nicht die großen Dinge, die mir zu denken geben, es sind die vielen kleinen Dinge, die so im Alltag passieren. Es sind die Dinge, die man mit einem Partner erlebt, den man den ganzen Tag um sich hat.

Denken, denken, denken….

Denken über die aktuelle Situation, denken über die Zukunft, denken über das Werden, denken über ….

Nach der Bestrahlung ging heut nichts mehr! Heut hats voll zugeschlagen. Fix und fertig! Im Auto klagte sie über Schwindelgefühle, Magenprobleme, Sehstörungen und alles Mögliche… Schlaf war angesagt. Viel schlafen.

Irgendwann dann ging es wieder so halbwegs. Weils sein muss, hat sie eine Kleinigkeit gegessen… Schlafen..

Ich sitz hier und hab Zeit nachzudenken.

Denken über Angst, Liebe und Hoffnung!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!