Tag 27 – wieder ein bestrahlender Tag

So wie die ganze letzte Woche, gehts auch diese Woche weiter.

Der Kampf gegen die Metastasen geht weiter. Täglich eine Bestrahlung. Die Anfahrt zum Nuklearmedizinischen Zentrum war auch heute wieder sehr ruhig.
Wie wird es sein? So wie letzten Donnerstag? Wieder so schlimm? Oder wie am Freitag, wo es ganz locker wegzustecken war….
Gedanken über Gedanken!

Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass gerade das Denken an und über den Krebs, seine Auswirkungen und seine Macht, eines der schlimmsten Dinge überhaupt sind.

Wie lange habe ich noch? Habe ich eine Chance? Wie hoch ist diese Chance, wenn sie denn da ist. Ist das alles Schönrederei, ist die Behandlung eine echte Behandlung, oder nur ein Verzögern? – All das sind Fragen, die irgendwo herumkriechen und das Hirn zusätzlich belasten.
Kein Arzt, kein noch so guter Medizinmann wird sich darauf festnageln lassen, dass es 50:50 oder 70:30, 80:20 oder eventuell auch nur 10% Chancen sind, es zu überleben oder auch nur ein normales Leben führen zu können.
Normales Leben? Ja! Ein normales Leben ohne Schädigungen, Beeinträchtigungen, Einschränkungen,…. Leben!

Als Angehöriger, in desem Fall Ehemann, kann ich nur sagen, daß es nicht gerade einfach ist, die richtigen Worte zu finden. Belügen, ist der falsche Weg! Zu direkt zu sein, auch! Ich liebe diese Frau, besitze den Egoismus, sagen zu können, daß ich meine Frau behalten möchte! So wie sie ist! Mit oder ohne Krebs! Verdammt nochmal, ich will, dass Alles nur ein Traum ist, wir erwachen und alles wieder „gut“ ist.

Viele Fragen mich inzwischen, wie es mir denn geht!
Ich habe fast keine Antwort mehr parat! Ich funktioniere, ünterstütze, wo es nur geht, helfe, wo es schon fast zu viel für meine Frau ist, stehe besorgt im Vorraum, wenn sie im Bad länger als die gewohnte Zeit braucht, befürchte Dinge, die nicht da sind, kämpfe mit mir, dem Krebs meiner Frau, meinem Hirn, den Ängsten und dem Leben.

Nebenbei habe ich inzwischen Angst, wie es überhaupt  weitergehen soll.
Mein Pflegeurlaub ist aufgebraucht für dieses Kalenderjahr, mein kaputer Rücken hat mich diese Woche in den Krankenstand befördert, dann, dann, dann, dann…..

Ich kann nicht ewig Urlaub nehmen, der Arbeitgeber bezahlt mich ja fürs arbeiten, nicht fürs Herumsitzen und blöd aus der Wäsche zu schauen. Einen Job im Aussendienst zu haben, erleichtert die Sache hier gerade ganz und garnicht.  Noch ein Problem! – Danke, davon hab ich gerade genug.

Meine Frau kann den Alltag momentan einfach nicht alleine schaukeln! Es geht nicht! Zu schwach, zu unsicher auf den Beinen, zu wackelig, zu zittrig, zu krank….
Aber „fit und gesund“ genug, nicht im Krankenhaus liegen zu müssen! – Zmindest nicht diese Woche! Dann gehts ja wieder weiter mit der Chemo…. Ich hab noch keinen blassen Schimmer, wie es dann aussieht!
Erahnen kann ich es – Erahnen können wir es beide schon!

Stark sein ist schwer! Es ist wirklich schwer..

Aber wir hoffen! Wir hoffen verdammt nochmal!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

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