Hotel / Rezeption – Wie im Zoo!

Sollten Sie jemals die Chance haben, in einem Hotel die Rezeption und / oder den Frühstücksraum  über eine gewisse Zeit beobachten zu können, nutzen Sie diese!
Sie werden mit etwas Glück, die wunderbarsten Dinge erleben.

An einem einzigen Tag, gegen 8:00 Morgens, hatte ich die Chance, mehrere Besonderheiten erleben zu dürfen.

Gast Nr.1:
Der voll motivierte Vertreter (oder wie man jetzt sagt: Key-Account-Manager).
Der gute Mann konnte es, trotz mehrerer Personen, die auf das Auschecken warteten, nicht lassen, die Rezeptionistin über die Vorzüge der Schließbleche, die er anscheinend vertreibt, zu informieren. Langatmig und ausführlich noch dazu.
Gast Nr.2:
Der Topmanager aus dem asiatischen Raum.
Dieser hatte offenbar das erste Mal im Leben mit einem Kreditkartenterminal zu tun. Die Eingabe eines Pincodes, war offenbar derart fremd für ihn, dass er eine Denkpause von mehreren Minuten einlegen musste. Die Zwangspause der anderen Hotelgäste wurde immer länger und länger.

Gast Nr.3:
Der leicht verwirrte, deutsche Urlauber, samt dominanter Ehefrau.
Dank beiger, knielanger Hose, Sandalen mit ebenso furchterregend beiger Socken, einem T-Shirt-ähnlichen Oberteil in optisch nicht sehr ansprechender Farbe, konnte man den Herrn bereits ohne Probleme als typisch deutschen Touristen einstufen oder klassifizieren.
Die Ehefrau oder Domina des Herren zeichnete sich ebenfalls durch eine sportlich, beige Bekleidung aus, die auf ein vorzeitiges Absterben jeglicher Farbe im Leben hinwies. Frei nach dem Motto: Ab 40 trägt man nur noch gedeckte Beigetöne. Man beginnt ja optisch bereits zu sterben.
Ihr dominantes Verhalten, gepaart mit der druckvollen Ausgabe von Kommandos gegenüber ihres Ehemannes, deutete auf ein eingefleischtes Rollenspiel hin. Sie gibt die Befehle, der leicht überforderte Ehemann hat diese zu befolgen. Über die Auswirkungen wollte ich mir um diese Uhrzeit noch keine Gedanken machen. Auch jetzt, einige Zeit nachher, graut mir vor dem Gedanken, wie dieser Devotling die Konsequenzen eines Fehlverhaltens am Frühstücksbuffet zu spüren bekommen hat.
Die Kreditkarte hatte natürlich Mutti in der Tasche! Das Begleichen der Zimmerrechnung übernahm sie ebenfalls. Die Koffer waren dann wieder die Aufgabe vom devoten Vati, der brav hinterherdackelte. Schöne Reise noch!
Gast Nr.4:
Der Angestellte, der offenbar sehr selten seinen Firmensitz verlassen darf.
Auch dieser Typ Hotelgast kommt immer wieder vor. Das erste Mal an die Front geschickt, unerfahren in Sachen Hotel, unerfahren im Kampf um die weichgekochten Eier, den Frühstückskaffee und die besten Brötchen, hat er gegen die Übermacht an Erfahrung der Key-Account-Top-Management-Consulting-Gurus und den Außendienst-Kollegen der tatsächlich noch arbeitenden Klasse, keine Chance.
Geradezu verloren kämpft er sich durch den Frühstücksraum, ergattert einige Stücke fürs Tellerchen und kämpft sich anschließend ganz schüchtern zur Rezeption um sein hart kalkuliertes Reisebudget zu minimieren. Kein Fläschchen Wasser, kein Päckchen Erdnüssen, nichts davon darf die Reisekostenabrechnung belasten. Er würde ja sonst von Controller des Arbeitgebers gesteinigt, geteert und/oder gefedert werden.

Sie sehen, die Welt besteht aus immer den gleichen bunten Tierchen. Einerseits kann man diese im Zoo bewundern, andererseits auch an Orten und zu Zeiten, an die niemand glauben würde.

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