Tag 121 – 122 Viele bestrahlte Tage stehen an.

Die Bestrahlung des Lungenkrebses kann nicht so zielgerichtet wie die der Metastasen erfolgen.  Das ist Fakt. Fakt ist aber auch, daß bereits am zweiten Tag Nebenwirkungen aufgetaucht sind.
Die Speiseröhre macht die ersten Probleme. Ein Medikament das so ähnlich aussieht wie eins gegen Sodbrennen soll helfen.

Die ersten 3 Tage sind also geschafft.
Kommende Woche geht es dann weiter.
Insgesamt 25 lange Tage. 25 mal ins Krankenhaus, bestrahlen, wieder heim….
Beruhigend finde ich diesen Gedanken nicht….

Aber! Wie schon mehrfach erwähnt:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Die wundersame Welt der Bürokratie

Ist es nicht schön, für Alles und Jeden eine eigene Abteilung, ein Amt, entsprechende Formulare, Sachbearbeiter und Sachverständige zu haben.

NIcht dass ich auf die Menschen losgehen möchte, die dort ihre Arbeit verrichten, nein, es ist diese unglaublich aufgeblasene Bürokratie, die hinter allem steckt.

Einen Antrag stellen zu müssen, ist teilweise schon so kompliziert, dass man einen Sachbearbeiter bemühen muss, um es überhaupt zu schaffen. Schlimmer geht es natürlich immer! Für gewisse Anträge muss man Beratungsstellen aufsuchen, da selbst das zuständige Amt behauptet, dass man den Antrag ohnehin nicht ausfüllen könne. Da zu umständlich.

Sollte man es dann doch geschafft haben, sich durch ein total überkanditeltes Beamtendeutsch gewuselt, den Antrag vollständig ausgefüllt und an die richtige Abteilung geschickt zu haben, kommt erst die große Welle auf einen zu.

Die Welle der Antworten….  Sollte man überhaupt welche bekommen…

Beispiel aus dem echten Leben:

  • Antrag gestellt. Mit fachlich kompetenter Hilfe natürlich.
  • Antrag an die richtige Stelle gesandt.
  • 23 Tage warten! Ja, satte dreiundzwanzig Tage warten!
  • Bestätigung des EINGANGES des Antrages als Brief erhalten (nur die BESTÄTIGUNG, das der Antrag beim Amt überhaupt angekommen ist und irgendwann bearbeitet wird)
  • Weitere 18 Tage warten…
  • Die interessant formulierte Info per Brief erhalten, dass ein Sachverständiger ins Haus kommt, der vom Amt beauftragt wurde, gewisse Dinge einzuschätzen und zu beurteilen. (Ok, beurteilen klingt ja schon mal gut)
  • Weitere 16 Tage warten….
  • Ein Schreiben trudelt per Post ins Haus, in dem man aufgefordert wird, sich mit seiner Hausbank in Verbindung zu setzen, um ein ganz spezielles Konto einrichten zu lassen. Mehr nicht! Keine Info, worauf sich das Schreiben bezieht, keine Formulierung, anhand derer man erkennen könnte, dass ein positiver Bescheid vorliegt, jemand sich wohlwollen zu einem Antrag geäußert hätte, keine Infos zu Detail, keine Belehrungen, NICHTS.
    (Auf telefonische Rückfrage bei einem sehr unentspannten Sachbearbeiter gabs dann die Antwort, dass das Schreiben ja „selbsterklärend“ sei.) Danke, nö!
  • Auf zur Bank. Das Formular anfertigen, ausfüllen, unterschreiben und bestätigen lassen.
  • Das Formular zum Antrag nachreichen….
  • Warten ………

Sollten Sie hierbei keinen technisch versierten, halbwegs mobilen und kommunikativen Menschen an Ihrer Seite haben, verkacken Sie alleine schon bei den ersten beiden Punkten schon derart, dass Sie im Falle des Falles, blöd dastehen.

Sollten Sie weiters erwarten, dass diese Formulare „selbsterklärend“ sind, haben Sie noch nie versucht, das Telefonbuch von Timbuktu rückwärts zu lesen und auf Suaheli zu übersetzen.

Sollten Sie weiters darauf angewiesen sein, durch die Antragstellung zu dringend benötigter finanzieller Unterstützung (nein keine Almosen, sondern Dinge, die einem normalen Steuerzahler ganz offiziell zustehen) zu kommen, lassen Sie sich folgendes sagen: Sie haben sich geschnitten! Es wird nicht ab dem Datum der Antragsstellung bezahlt, sondern erst ab dem folgenden Monat nachdem alle Ämter, Behörden und zuständigen Sachbearbeiter einmal auf ein lustiges Formular gestempelt haben.

Fazit:
Sie verlieren eine Unmenge von Zeit, die Sie selbst vielleicht gar nicht mehr haben, Sie verlieren die Zeit derer, die Ihnen bei solchen Dingen unbedingt helfen müssen, Sie verlieren den Glauben an Alles und Jeden, von dem Sie per Antrag etwas erbeten haben, Sie verlieren aber eins sicher nicht: Geld! Denn das hatten Sie bei der Antragsstellung ja nicht. Was Sie nicht haben, können Sie also nicht verlieren.
Frühestens im Folgemonat nach erfolgter Einreichung sämtlicher, nachzureichender Dokumente, von deren Notwendigkeit Sie vorher natürlich NICHT informiert wurden.
Es ist ja alles „selbsterklärend“

Im Hintergrund hören Sie gerade einen Amtsschimmel wiehern…..

Tag 120 – Nuklearer Kampf gegen den Krebs! Leben ist das Ziel!

Ziele sind wichtig! Sie sind gesetzt!

Weihnachten, der Frühling, der Sommer, 10 Jahre,…… All das sind gesetzte Ziele!
Sie wurden gesetzt! So ist es! Sie sind wichtig!

Der nächste Schritt, diese Ziele zu erreichen, wurde heute, Montag, der 120te Tag nach Bekanntwerden der Diagnose, eingeleitet.

Nach vorherigen Untersuchungen und Erstellung von neuen, aktuellen Befunden, geht es an die Bestrahlung der Krebszellen in der Lunge.

Die chemotherapeutische Behandlung muss erst mal Pause machen, die Blutwerte sind nicht gut genug. Die weitere Bestrahlung der verbliebenen Metastasen im Kopf, muss auch Pause machen. Jetzt gehts eben an den Grundkrebs.

Ärzte, die Klartext reden, sind für Viele ja ein Gräuel, für meine mir Anvertraute und mich, sind diese, im Klartext gesprochenen Worte allerdings besser, als sinnlose Worthülsen und Geschwafel…

Auch bei den Nebenwirkungen.

Ich, als nicht selbst (ich hoffe, dass dies so bleiben wird) Betroffener, sehe das sicherlich alles anders. Mir ist nicht dauernd zum Kotzen, ich fühle mich nicht dauernd schwindelig, mir fallen nicht krankheitsbedingt die Haare aus, habe keine Probleme mich zu bücken und zu strecken, habe keine Angst vor der einen Treppe im Haus etc, aber ich sehe und spüre es.

Wie werden sie diesmal werden? Die Nebenwirkungen. Die Übelkeit. Die eventuell auftretenden Verbrennungen der Haut oder des Gewebes. Die Schwindelgefühle, die….
All das, was kommen wird oder kann. Wie wird es?

Keine Ahnung! Diese Frage kann niemand beantworten.

Ich habe Angst! Ich habe Angst um sie! Ich liebe sie!

Die Sache, der Strohhalm, an den ich mich aktuell klammern kann, ist die Hoffnung!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

Tag 114 – 119 Ordnung, Aufräumen, Mensch sein, Mensch bleiben

Mensch zu sein, Mensch zu bleiben, stand in diesen Tagen ganz oben auf der Prioritätenliste meiner Frau.

Die Krankheit ist da, lässt sich nicht verdrängen, hoffentlich stoppen, besiegen, aber sie ist leider da. Die Krankheit beeinträchtigt den Alltag. Ihren natürlich viel viel stärker als meinen. Ist sie es ja, die ständig die Frage nach dem Überleben im Hinterkopf hat.

Mich, als mehr oder weniger hilflos daneben stehenden Partner belastet die Tatsache, wirklich machtlos zu sein, am meisten. Nebenbei auch noch die Termine bei den Kunden. Diese Woche war es ein 2Tage-Termin am äussersten Eck von Deutschland. 2x ca. 7 Stunden Fahrt. 1 Tag hin, 2 Tage dort, 1 Tag zurück. Im Normalfall kein Problem, aber in einer solchen Situation wird dies zur inneren Zerreißprobe.
Klappt alles daheim? Braucht sie Hilfe? Was ist, wenn ja? …. Kopfsache….

Die Tage meiner Frau, verliefen offenbar besser ab, als meine.

Sie, als sehr starke Frau, lässt sich nicht unterkriegen, will sich ihre Selbständigkeit, ihr Leben, ihr Sein, nicht aus den Händen nehmen. Sie schafft es.

Ordnung schaffen, aufräumen, ausmisten, Mensch bleiben, das war die letzten Tage ihr gesetztes Ziel

Und Ja, sie hat es gemeistert. Alleine, auch ohne mich!

Meine Angst, es könnte etwas passieren, war unbegründet.

Die Kästen auszumisten, Klamotten auszusortieren, Dokumente zu sortieren, zu ordnen, diverse Dokumente bereitzulegen, den Haushalt zu schaukeln, die Katzen zu versorgen, all das war ihr Ziel, das sie auch geschafft hat.

Mit kleinen Schritten, vielen kleinen und größeren Pausen, aber sie hat ihr Ziel erreicht.
Ihr Ziel, ein Mensch zu bleiben. Selbstständig, eigenständig und Mensch zu sein. Auch und trotz der Krankheit.

Ich bin stolz auf meine mir Anvertraute. Ich liebe sie.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 113 – Es wird weiter bestrahlt…

Diesmal sind es nicht die Metastasen im Kopf, die bestrahlt werden sollen, nein der Lungenkrebs ist das Ziel ab kommender Woche.

Der Primär ist der Ansicht, dass der Lungenkrebs zwar derzeit Ruhe gibt, aber bestrahlt werden sollte. Man will in Ausschalten!

Wie das werden wird, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind, all das beschäftigt meine Frau und mich derzeit massiv.

Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Es tut weh….

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 110 – 112 Ablenkung ist angesagt

Da niemand genau sagen kann, was das Gespräch mit dem Arzt am Montag bringen wird, hängt Vieles in der Luft.

Angst, Hoffnung, Verzweiflung,…

Ablenkung ist angesagt. Aus- Um – Hin- und Herräumen, sind die Alternativen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Äpfel – Tripper – Birnen – Lattenrost: Vorschläge der Hölle

Aus dem Land der Amazonen kennt mans ja. Algorithmen, anhand derer man Produkte vorgeschlagen bekommt, die man laut Idee eines Systems kaufen soll.
Manchmal triffts ja, manchmal eben nicht. Lustige Ergebnisse sind vorprogrammiert.

Als gelegentlicher Nutzer von Twitter, war ich dort heute mal wieder zu Besuch. Nette Leute dort! Kann man so sagen.

Aber….

Die Vorschläge, die mir dort unterbreitet wurden, finde ich dann doch etwas eigenwillig.
Ich solle/könne mich doch zwischen Tripper, Lattenrost, Äpfel, Birnen oder doch folgenden Personen folgen:

Ein Österreichischer Politiker der obersten Kaste bzw der obersten Gehaltsklasse. Sowie einem völlig und über aller Vernunft bezahlter Fußballer, der gelegentlich auch noch das Tor trifft.

Wie lustig! Ich darf mich zwischen einem hochgepuschten, übergalaktisch bezahlten Typen, der angeblich Österreich vertritt und einem Mann, der gelegentlich gegen einen Ball tritt und dabei eine gut gepflegte Wiese ruiniert, entscheiden.

Ich frage mich gerade, was mir diese beiden sagen könnten!

„Alles ist super! Zahl mehr Steuern! Erwarte Nichts, aber zahle! Verarscht, mit Werbung, heißer Luft und einer gewissen Massenhysterie verkackeiern wir dirch beide!“

Habe mich gegen beide entschieden, dankend abgelehnt, Vorschläge gelöscht.