Tag 123 – 126 Die Nebenwirkungen schlagen voll zu. Ablenkung ist gefragt.

Die ersten Tage der Bestrahlung des Grundkrebses sind ja vorbei. Aber leider erst die ersten Tage.
Die Nebenwirkungen sind jetzt schon erschreckend massiv. Magenschmerzen, extreme Übelkeit, das essen schmerzt, die Speiseröhre brennt, alles verkrampft sich. An schlafen ist nur bedingt zu denken. Der Kopf spielt auch seine Rolle. Die Psyche schlägt Kapriolen.

Ablenkung muss her. Anscheinend hilft das.

Zusammenräumen, Aufräumen, alles ordnen…..

Einerseits ist es der Wunsch, die Wohnung auf Vordermann zu bringen, andererseits und somit eigentlich bedrückender, ist es, dass dies auch ein Ordnen, ein zusammenräumen der eigenen Sachen ist. Ein paratlegen aller Dinge und ordnen aller Angelegenheiten für den Fall der Fälle.

Es ist gut. Es ist gut, wenn man bedenkt, dass diese Tätigkeiten von den Nebenwirkungen ablenkt, von den Schmerzen, von den Kapriolen, die der Kopf schlägt.

Es ist gut. Es ist gut, wenn man bedenkt, dass diese Arbeiten eine Tätigkeiten die vorhandene Selbstständigkeit zeigen, das „nicht abhängig sein“, das „alles noch selbst regeln zu können“.

Es ist nicht gut. Es ist nicht gut, wenn man daneben steht, nur helfen kann, nur zusehen kann, nichts machen kann, nur blöd daneben stehen kann,…… Es tut weh, meine Frau zu sehen, wie sie Schmerzen hat, sich die Seele aus dem Leib kotzt und sich dazu auch noch versteckt um mich nicht damit zu belasten. Es ist unglaublich! Diese Stärke, mit der sie dasteht, alles verdrängt und sich ums Essen, die Wäsche und die Wohnung kümmert.

Es tut weh.  Ich habe Angst vor dem, was kommt. Egal was. Der Weg alleine ist schon schlimm genug.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

2 Kommentare zu „Tag 123 – 126 Die Nebenwirkungen schlagen voll zu. Ablenkung ist gefragt.“

  1. Hallo Peter,
    wow, deine Angetraute ist wirklich stark, ich habe es ja bei meiner Freundin hautnah erlebt, wie krass die Beschwerden zuschlagen, sie hatte selbst bei Arztbesuchen ausserhalb der Klinik immer die Brechschale dabei, oft musste sie auch ins KH zurück, ertrug zuhause die Beschwerden nicht mehr.
    Mein Bruder reagierte ähnlich wie deine Liebste, so lange er konnte, ging er nach einer Behandlung zur Garage und holte entweder Rasenmäher heraus, oder säuberte den Pool, den er längst selbst nicht mehr nutzen konnte….er blieb aktiv, so lange es nur irgendwie möglich war, schraubte an seinen Oldtimern herum, obwohl er da schon wusste, er wird sie nie wieder fahren.
    Nur zum Flugplatz fuhr er bald nicht mehr, er war Pilot und flog privat sehr oft mit seiner kleinen Maschine, er fühlte sich nur über den Wolken richtig frei und ohne Angst, auch schon VOR seiner Erkrankung.
    Ich hoffe, es ist ok, wenn ich schreibe, dass er es nicht geschafft hat….ich weiss nicht mehr, woher ich die Kraft nahm, nicht laut zu weinen und zusammenzubrechen, als einer seiner Flugfreunde dann genau in dem Moment mit einer Maschine über das Gebäude flog, in dem die Abschiedsfeier stattfand, als Reinhard Mey sang…“Über den Wolken“…….und oben der Pilot wackelte *ciao* sagend mehrmals mit den Flügeln, was wir durch grosse Glasfenster sehen konnten, dann zog er die Maschine steil hoch in den Himmel……ich hoffe, genauso FREI fühlte sich mein Bruder endlich auch.
    Wenn der Eintrag nicht ok ist und zu unsensibel im momentanen Zustand, dann entschuldige bitte von Herzen und stelle ihn gar nicht frei.
    Ich wünsche euch BEIDEN, dass es weiterhin viele gute Momente gibt, ich denke sehr oft an euch,
    Andrea

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    1. Sie ist stark!! Sehr stark sogar! Ich bewundere sie dafür tagtäglich!

      Dein Eintrag ist natürlich ok. Ich freue mich über offene Worte.

      Danke auch für die Wünsche! Mir fehlt momentan jeder Moment an dem ich nicht in ihrer Nähe sein kann. Aber ich muss auch arbeiten…
      Danke sehr!
      LG Peter

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