Von Brüll-Radlern, Rotz-Rennradlern und Einheitsbauten.

In einer touristisch stark geprägten oder gar schon versauten Region zu leben, kann zu gewissen Jahreszeiten schon zur Geduldsprobe werden.
Unmengen von Tages- oder im Winter eben Skitouristen, wälzen sich vormittags in die eine, abends wieder in die andere Richtung durch die gebirgige, mit vielen Seen
angereicherte Landschaft.
Alles bestens, da ja viele davon ihren Unterhalt bestreiten. Das Verkehrsaufkommen ist, wie schon erwähnt, zu Spitzenzeiten etwas lästig, aber nun ja.
Irendwo ist man ja selbst auch nur Tourist.

Eine besondere Gattung Tourist, sind jedoch die Rad-Touristen, die man mit gut gemachten Tourenkarten durch die Gegend schickt, ihnen Locations, Fotopunkte,
angeblich interessante Orte und Sehenswürdigkeiten zu verschiedenen geschchtlichen Themen präsentiert. Dazwischen darf gestrampelt werden.
Interessant an dieser Form des sportlichen urlaubens ist es jedoch, dass man beim Radfahren anscheinend brüllen muss, um sich untereinander verständigen zu können.
Mutti schreit zu Vati, Kind zu Omi, Omi zu Opi, Opi dann zu Tante Hilde, der verschwitze Onkel widerum zu Mutti, und so weiter.
Jeder kleine Baum, jeder Strauch, der eine Nachricht würdig zu sein scheint, wird gruppentechnisch laut zwischen allen Velozipeten durchkommuniziert.
Laut versteht sich. Das, ach da gibts ja keins, Motorgeräusch machts ja notwendig. Oder so? … grübel…

Gerade vor wenigen Stunden, kamen hier an meinem offenen Bürofenster wieder einige Trettouristen vorbei.
Man musste die Schönheit der farbigen Mülltonen in der radelnden Gruppe besprechen. Lautstark natürlich!

Die nächste Gruppe war mit besonderer Intelligenz gestraft. Eine Dame aus der tretenden Gruppe vermutete, nach dem sie bereits 4 fast gleich aussehende Häuser
aus einem alten Siedlungsteil gesehen hatte, dass der ganze Ort aus solchen Häusern bestehen würde.
Ja natürlich liebe Hilde! Du wilde du!
Wir leben hier alle im gleichen Typ Haus, färbeln es nur unterschiedlich an. Sonst sieht alles gleich aus! Der ganze Ort. Über 8000 Einwohner leben nur zwecks
touristischer Belustigung im geleichen Haustyp. Dass dies nur eine Ansammlung von ca 6, vor über 120 Jahren gebauten Häusern ist, verschweigen wir dir
und deinen Mittretern natürlich.
Im Normalfall laufen wir natüüüürlich auch alle mit Lederhose und Hut rum, schwingen die Äxte und platteln an unseren Schuhen rum. Und wohnen alle im gleichen Typ Haus…. Ach das hab ich ja schon erwähnt.

Hilde, so wurde sie wirklich vom Horst, ihrem Mittreter gerufen, schliff sich dann nach Haus Nr.4 ein, schwang ihr sportliches Täschchen vom sportlichen Leihrad, entriss dem Behältnis die Kamera
und schoss Bilder der vermeintlichen Einheitssiedlung und dem coolen Berg, wie sie es nannte. Übrigens Berge haben wir hier derartig viele, dass wir diese schon vor Millionen von Jahren im Panorama aufgestellt haben. Sonst hätten wir keinen Platz dafür.

Hilde und Horst, die beiden Treter aus dem hohen Norden, verfielen sofort nach dem Aufsteigen aufs Fahrrad, erneut in ein lautstarkes, hochdeutsches Geplaudergebrüll und fuhren von dannen nach hinnen oder so.

Viel Spaß, gut Tritt und immer eine flotte Prise Rückenwind!

Von den Rennrad-Vollprofis, die sich ultrasportlich durch die Straßen bewegen, dabei elegant und cool das Rotz seitlich aus der Nase schiessen, schreibe ich das nächste mal! Dann, wenn ich mir den Gartenschlauch zur Straße verlegt habe!

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