Von der Wiege bis zur Bahre! Formulare, Formulare!

Wie ich leider in der Vergangenheit bei einigen meiner Ahnen miterleben musste, dreht das Leben gehörig an diversen Rädern, sobald jemand verstirbt.
Konten werden gesperrt, Bescheide, Anträge, Formulare, Bestätigungen werden fällig, die eigentlich der verstorbene hätte ausfüllen müssen. Beiträge werdeen rückwirkend eingefordert obwohl die Konten bis zur Nachlassverwaltung gesperrt sind, Schreiben müssen verfasst werden, Dinge müssen organisiert werden, etc. Gebühren prasseln auf einen ein, Behördengänge werden zum Alltag.
Dinge und Angelegenheiten, mit denen man bis zu diesem Ereignis meist noch nie zu tun hatte.

Gerade so verhält es sich bei einem Freund und ehemaligen Arbeitskollegen, dessen Mutter vor wenigen Tagen verstorben ist.
Allein das Bezahlen der gemeinsamen Mietwohnung wird zum Thema. Das Konto der Hauptmieterin wurde ja gesperrt. Ein automatisches Abbuchen daher verweigert. Die Strom- und Gaszahlungen werden gestoppt, die ersten Anrufe trudeln ein. All dies in der ersten Woche nach dem Ableben.
Vom Bestatter, der bereits seinen Kostenvoranschlag für das Erdmöbel und den Blumschmuck präsentiert hat, sprechen wir mal lieber nicht. Der möchte ja auch seine Dienste bezahlt wissen. Vieles davon sind Fixkosten, die man nicht mal verhindern kann.

Hier auf die gute Stunde, einen schönen Tag oder auf Verständnis von Ämtern und Behörden zu hoffen, ist oftmals völlig vergebene Mühe.
Die Trauer, die man in sich trägt, ist für dies alles eher eine Belastung, die man addieren muss.

Die Androhung einer Mietvertagskündigung bei Nichtzahlung kommt zeitgleich mit dem Androhen einer Strom- und Gasabschaltung und so weiter. Hier keinen Notgroschen oder gar ein eigenes, gedecktes Konto aufweisen zu können, kann schnell existenzbedrohend werden. Sollte dann auch noch ein Erbe da sein, um das es sich im familiären Umfeld streiten lässt, wirds bunter als bunt.
Der Notar, der die Verlassenschaft abwickeln darf, erfreut sich auch seiner Fähigkeit, Rechnungen ausstellen zu können.

Den Versuch, dies alles vorher zu regeln, sollte man wirklich machen. Auch mit professioneller Hilfe. Man glaubt nicht, was da alles zu beachten ist. Der Fiskus alleine frisst sonst Vieles weg. Vom Rest sollte man erst garnircht sprechen.

Das wirklich Schlimme daran? Sie haben einen Menschen verloren! Für immer! Sie trauern, klagen über den Verlust, fallen in ein Loch, haben verloren. Sie vermissen, Sie trauern!

Über solche Dinge nachzudenken, sich daran zu erinnern oder im näheren Umfeld zu erleben, ist eine ganz eigene Sache.

3 Kommentare zu „Von der Wiege bis zur Bahre! Formulare, Formulare!“

  1. Ja, der Alltag zerrt unablässig an einem weiter. So etwas wie menschliches Mitgefühl, welches in Verständnis/Nachsicht mündet, scheint es selbst hier nicht mehr zu geben. Was mir die Frage aufdrängt, was, wenn dies Dinge allen nicht mehr von Menschen gesteuert werden? Wie erkläre ich der KI, dass Trauer und Verlust die Regeln des Alltags außer Kraft setzen?
    Herzliches Beileid und viel Kraft an Unbekannt. Liebe Grüße, Kerstin

    Gefällt 1 Person

    1. Künstliche Intelligenz ist nicht mehr so schrecklich, wenn man sich bewusst wird, wie wenig menschliche Intelligenz inzwischen unterwegs ist. Von Bauchgefühl und Menschlichkeit ganz zu schweigen. Inzwischen klappts nur mehr mit dem richtigen Formular. Hirn, Gefühl und Co gibts offenbar immer weniger. Leider

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