Tag 513-517 Gut, besser, Wumms! Von Scherben, Beulen und Tränen

Letzter Freitag. Die Chemo verlief anscheinend gut. Nur geringe Probleme mit Übelkeit und Co. Die Haare verabschiedeten sich zu Großteil innerhalb weniger Stunden.

Der Abend verlief ruhig. In den eigenen vier Wänden wohlgemerkt.

Samstag. Der Vormittag war ruhig, meine mir Anvertraute war etwas müde, aber sonst gut drauf. Ich erledigte den Einkauf, kochte und schmiss den Haushalt.

Nachmittags hielt sie ein Schläfchen, ich schnitt die Sträucher im Garten. Nichts ungewöhnliches.
Abendprogramm: Fernsehen und plaudern. Unspektakulär.

Bis, ja bis zu dem einen Moment. Es wurde Zeit ins Bett zu gehen.
Ein Schritt, die Beine versagten, Aufschlag. Mit dem Kopf voran, ungebremst auf den Boden. Die Brille flog in Teilen. Blut.
Die kleine Platzwunde am Kopf blutete kurz aber stark.  Desinfizieren, aufstehen, auf die Bank setzen, all das klappte noch.
Am Weg ins Bett musste ich sie stützen. Die Beine hielten noch stand.
Ich kehrte nochmals ins Wohnzimmer zurück um die Lichter auszuschalten. Als ich wieder ins Schlafzimmer kam, lag meine mir Anvertraute am Boden. Sie wollte sich offenbar umdrehen, stürzte dabei jedoch aus dem Bett.
Ich musste sie stützen, mithelfen um sie wieder ins Bett zu bringen.

Sie schlief ein.

Irgendwann so gegen 1 Uhr Nachts weckte mich ein Geräusch, dass ich nie wieder vergessen werde.

Ein Klirren, ein Krachen, ein Stöhnen, ein dumpfer Ton, schmerverzerrtes Stöhnen….

Sie war am Weg zur Toilette gestürzt, mit dem Kopf gegen den Glaseinsatz einer Tür gestürzt, dieser brach und verursachte viele kleine Schnitte am Hinterkopf. Die Schulter wurde blau vom Aufschlag am Boden, der Arm blau vom Aufschlag am Heizkörper.
Blut, es floss wieder Blut.
Ich versorgte sie so schnell und gut es ging, musste aber feststellen, dass ich es nicht schaffte, sie auf die Beine zu bringen.

Dinge müssen sein, passieren. Man muss dies dann bestmöglich schaukeln.
Aber, ich kam an meine Grenzen. Grenzen die schneller da sind, als man denkt.
Versuchen sie mal, einen erwachsenen Menschen, dessen Motorik nicht mehr ganz so gut funktioniert, auf die Beine zu stellen. Sie werden feststellen, das dies nicht möglich ist. So fest Sie auch daran glauben, die Realität wird es Ihnen zeigen! Sehr direkt sogar.

Verzweiflung, Angst, Wut, Zorn, alles kommt dann hoch. Es klappt trotdem nichts mehr so, wie es sein sollte, wie man es gewohnt ist, wie man glaubt, dass es sein sollte.

Kälte, Verzweiflung, der Gedanke ans Abschalten, ans Aufgeben, alles kam in dieser Zeit hoch. Es machte sich alles breit. Jeder auch noch so graue Gedanke.
Verzweiflung…. Angst….

Irgendwie, fragen Sie bitte nicht wie, brachte ich es zustande, meine mir Anvertraute ins Bad zu bugsieren. Dort haben wir eine Fussbodenheizung. Ihr Körper kühlte schnell ab.

Pause, aufwärmen, Kräfte sammeln, Tränen trocknen, dem Kopf Zeit geben, rasten.
Irgendwann gings dann wieder. Der Pflegehocker war dann die rettende Sache. Sie saß wieder.
Irgendwann schafften wir es gemeinsam auf die Couch. Unter die Decke gepackt, warteten wir dann auf die Rettung.
Ab ins Krankenhaus….

Ergebnis: Nichts gebrochen, Schnitte geklebt, alles versorgt.
Heute, große Kontrolle…..
Warum, wieso, weshalb? Keine Ahnung. Alle Werte im Rahmen, die erneuten Untersuchungen zeigten zwar keine Verbesserung, aber auch keine Verschlechterung.

Wir hoffen. Wir hoffen. Wir hoffen.

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

6 Kommentare zu „Tag 513-517 Gut, besser, Wumms! Von Scherben, Beulen und Tränen“

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