Fragen, Fragen, Fragen, Fragen,….. Antworten sind schwierig

Es gibt Fragen, die man nicht, schlecht, unhöflich, unfreundlich, sehr direkt oder nur schwer beantworten kann! Das ist Fakt!

Einige Beispiele? Gerne!

  • — Wie geht es dir?
    Jemanden, an einer Krankheit leidenden, die in dieser Form als uheilbar und zu 100% tödlich gilt, zu fragen, wie es ihm geht, kann fast nur mit einem einigen Wort beantwortet werden! „Beschissen!“ Jede weitere Formulierung kann eventuell  als höfliche Umschreibung dienen. Sollte der Erkrankte Ihnen Details nennen, wird er es tun, weil er oder sie aktuell etwas am Herzen hat, dass er oder sie genau jetzt loswerden will. Seien Sie also auf eine Antwort gefasst, die Ihnen eventuell schwer im Magen liegen wird. Sollten Sie das nicht wollen, fragen Sie diese Frage bitte nicht.
  • — Wie geht es euch?
    Mögliche Antworten: Dem oder der Erkrankten? Beschissen, er oder sie wird sterben! Langsam aber sicher wird der Körper schwächer und schwächer, diverse Funktionen des Körpers spielen verrückt, stehen, gehen, laufen, alles wird immer schwerer. Details dazu ersparen wir uns jetzt alle….
    Dem Partner? Dem gehts  blendend! Er muss nur zusehen, wie der oder die Erkrankte ganz langsam und elendig an einer unheilbaren Krankheit sterben wird. Dazu kommen noch die Nebenwirkungen der Behandlung. Und der normale Alltag, nebst Job und eventuell auch noch Familie. Also alles toll oder?
  • — Gehts dir gut?
    Man könnte glauben, es wäre die gleiche Frage wie ganz oben. Ist es aber nicht!
    Hier möchten viele der Fragenden offenbar eine kürzere, knappere Antwort haben. Die gibts dann auch meist! Es stehen dazu eigentlich nur 2 Optionen zur Auswahl:
    Lügen und JA sagen, ehrlich sein und NEIN sagen. Mehr und besser wirds nicht werden.
  • — Hast du schon Dies oder Jenes probiert? (Das hat auch der Tante Hilde geholfen!)
    Liebe Leute: Es gibt natürlich viele gutgemeinte Ideen, Rat- und Vorschläge, Mittelchen, Drogen, Säfte und Tinkturen. Diese haben auch sicher irgendwann mal irgendwem geholfen. Seid aber bitte so nett und erkundigt euch erstmal, ob die Krankheit von Tante Hilde genau die Gleiche, wie die desjenigen sind, dem ihr gerade gegenübersteht! Tante Hilde, der das Supersäftchen geholfen hat, ist vielleicht 85 Jahre, hat einen kleinen Hautkrebs an der linken Arschbacke, und Ihre gebt den Tip mit dem Supersäftchen an jemanden weiter, der an einem kleinzelligen Lungenkrebs it Metastasen im Kopf, den Knochen und anderen Auswüchsen des Krebs leidet. Vorher denken, fragen, nochmals denken, kann Wunder wirken. Es ist klar, dass ihr nur helfen wollt, aber bitte….
  • — Kann ich dir/euch helfen?
    Ja natürlich! Gerne! Nur wie und wann, kann dir oder Ihnen keiner sagen!
    Es kann um 1Uhr Nachts sein, wenn der oder die Erkrankte heulend am Boden liegt, die Strecke zur Toilette nicht mehr geschafft hat und sich in Grund und Boden schämt. Es kann um 13:47 am Nachmittag sein, wenn der oder die Erkrankte es nicht schafft, sich ein Glas Wasser für die Anti-Kotz-Pille zu holen. Es kann 7:58 morgens sein, wenn der Weg ins Bad zur Tortur wird. Vielleicht um 11:35 wenn der Hunger kommt, aber nichts zuhause ist, was irgendwie im Körper geschweige denn im Magen bleiben will.
    Es gibt immer Momente, an denen man helfen kann und muss. Aber den zu erwischen ist sehr sehr schwer. Planbare Hilfestellungen sind da schons selten. Dann ist aber oft keiner erreichbar, da gerade Arbeit angesagt ist. Es ist nicht leicht, aber bitte Hilfe anbieten! Irgendwann ist sie notwendig und der Zeitpunkt passt! Dann bitte kommen, schnell!
  • — Wenn ihr was braucht, meldet euch?!
    Frage, Aussage und Antwort zugleich. Ja, ich/wir brauchen etwas. Alles was zu den Öffnungszeiten von Läden zu haben ist, kann man irgendwann kaufen. Normale Dinge. Absonderlichkeiten, die man im Normalfall nicht zuhause hat, sind da etwas schwieriger zu managen. Oft kann mans bestellen, sich liefern lassen. Oft auch nicht. Dann, gerade dann wird euch jemand anrufen und darum bitten! Wann, das kann niemand sagen. Es kann um 0:35 nachst, am frühen Morgen oder am späten Abend sein. Irgendwann.

Natürlich ist jeder nur höflich, möchte wirklich helfen, möchte wirklich wissen, wie es geht, möchte auch ehrlich sein, aber diese Fragen schmerzen öfter, als sie helfen.
Es werden sehr schnell Schamgrenzen überschritten, man kommt sehr schnell in den wirklich kleinsten Bereich, den ein kranker Mensch (noch) hat.
Durch „Hilfe“, auch wenn diese wirklich ehrlich und gut gemeint ist, dringt man leider sehr schnell in diese letzte, noch verbliebene Zone ein.

Weiters ist es so, da muss ich mich als nächster Angehöriger selbst bei der Nase nehmen, dass man glaubt, keine Hilfe zu benötigen! Das wird irgendwann zum Fehler. Das rächt sich irgendwann.
Man versucht und macht solange alles nur erdenkliche, bis man an seine eigenen Grenzen stößt. Der Haushalt leidet schon daran, beim Job darf das nicht passieren. Die Katzen müssen versort werden, der Einkauf erledigt sein, die Wäsche kommt auch noch, und so weiter.
Abgeben könnte man Einiges, aber möchte Sie wirklich selbst, dass jemand „fremdes“ dauern in Ihrer Schmutzwäsche herumwühlt? Möchte Sie, dass ständig jemand „fremdes“ bei Ihnen im Haushalt „herumkramt“?
Ich vermute mal, dass sie Antwort eher in die Richtung „Nein“ gehen wird.

Man versucht und macht und tut einfach alles, nur um den „normalen“ Ablauf, den „normalen“ Tag, das „normale“ Leben am laufen zu halten.

Die Fragen, die wirklich, sicherlich gutgemeinten Fragen, können das Alles nicht ändern.
Schon gar nicht, wenn man diese jeden einzelnen Tag x-mal hört… Irgendwann will man sie nicht mehr hören. So gut sie auch gemeint sind.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man ganz laut schreit! Dann ist Hilfe angesagt! Genau dann. Ich hoffe, der Moment ist noch weit weg.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

4 Kommentare zu „Fragen, Fragen, Fragen, Fragen,….. Antworten sind schwierig“

  1. Ich verstehe Sie sehr gut, aber .. nehmen Sie Hilfe an, die gemeinsame Zeit und Ihre Energie sind zu kostbar! Sich helfen zu lassen ist nicht einfach, aber Ihre Ihnen Anvertraute hat dort schon viel mehr Hürden überwinden müssen, nehmen Sie Hilfe sich selber und ihr zuliebe an. Dazu sind Freunde da und tun es gerne; sie sind froh, wenn Ihnen klare, konkrete Anweisungen gegeben werden, wo sie helfen können. Es mag auch Ihre Ihnen Anvertraute entlasten, wenn sie sieht und fühlt, dass nicht alles auf Ihnen allein lastet, Sie „eingebettet“ sind.
    Wenn Sie jetzt Freundschaftsdienste – die ganz vielfältig sein können und nicht zwangsläufig an der Würde rütteln müssen – annehmen, sinkt die Hemmschwelle, im Notfall nachts um 2:27 anzurufen.
    Ich wünsche Ihnen beiden von ganzem Herzen viel Kraft und auch Momente, in denen Sie mal nicht stark sein müssen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich habe diese Antwort freigegeben und natürlich auch mit enem „Stern“ für „gefällt mir“ markiert. Dies ist so. Sie gefällt mir wirklich. Ich vermute, Sie wissen wovon Sie schreiben!
      Man hat Energie, hat Willen, hat, hat, hat, braucht aber irgendwann selbst Luft, Raum und Zeit.
      Ich/wir nehmen Hilfe an, ich nehme Hilfe an. Es wird auch der Zeitpunkt kommen, an dem die Hilfe kommen muss. Ob man will oder nicht und ob diese dann Grenzen überschreitet oder nicht!
      Danke für Ihre Wünsche! Kraft kann „man“ gebrauchen! Immer!

      Liken

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