Begriffe für’n Arsch: Nachhaltigkeit

Es gibt Begriffe, die sich ungefähr so verhalten wie Hundescheisse oder ein Kaugummi.
Wenn man reintritt, wirds lange sehr lästig, man bekommt die Sache nicht mehr weg, sie sind so nötig wie ein Pickel auf der Nase oder an einer anderen, ungünstigen Stelle.
Diese Begriffe treten als aktuell offenbar moderne Schlagworte auf, die man unbedingt verwenden muss! Ja muss! Sonst ist man entweder nicht modern, nicht in, völlig daneben, ein Sünder vor dem Herrn, oder einfach nur hinten dran am Hintern der aktuell getrimmten Gesellschaft.
Mal ein Beispiel:
(Details siehe Wörterbuch, Wikipedia oder sonstige, glaubwürdige Quellen)

  • Nachhaltigkeit, etwas ist Nachhaltig:
    Unternehmen, Industriekonzerne, Ämter, Behörden, Menschen, Institutionen, alle verwenden dieses Wort, als gäbe es nichts anderes. Phrasendrescherei in Reinkultur.
    Jede blöde Seife, jeder zweite Artikel, jede Handlung, jeder Schritt, Alles muss mit diesem Wort behaftet sein. Nirgendwo darf es fehlen. Keiner kommt mehr ohne dieses Wort rüber.
    In der Werbung, in den Medien, überall wird dieses Wort als Weichmacher verwendet. Jeder Typ, der sich ein Mikrofon unter die Nase und eine Kamera vor die Nüstern drücken lässt, muss mindestens einmal pro Minute dieses Wort ablassen. Als Strafe würde man sonst aus dem Kreis der hippen Menschen asugeschlossen werden?
    Phrasendrescherei hoch 10!
    Alle X Jahre kommt etwas neues, das angeblich toll ist für die Zukunft. Irgendwann war es mal die Ölheizung, dann die Elektroheizung, das Dieselauto, die Gasheizung, die Pelletsheizung, die Hackschnitzelheizung, und noch Vieles mehr.
    Gepusht von der Industrie, kamen diese Dinge natürlich schnell auf den Markt, wurden mit Unsummen gefördert, vertrieben und dem Volk schmackhaft gemacht.
    Dann?
    Kaum hatten alle oder zumindest sehr Viele die Produkte am Start, gings los! Alles böse, alles schlecht! Alles zerstört die Umwelt, heizt die Erde auf, macht die Finger schmutzig und ist so und so nur bäh!
    Toll! Nachhaltig! Als dieses Wort aus den Tiefen der Wörterbücher hervorgeholt wurde, gings weiter!
    Staubsauger, die mehr als 1000W Leistung haben, wurden verboten, Glüh- Halogen und Leuchtstofflampen ebenso wie viele andere Dinge. Dinge, die natürlich eines auslösen: Man muss sich Dinge neu kaufen, die man eigentlich noch hätte, aber nicht mehr verwenden  kann, da sie nicht mehr zusammenpassen.
    Toll!
    Lampen mussten gewechselt werden, Geräte wurden nicht mehr repariert, sondern gleich getauscht und so weiter.
    „Der Energieverbrauch der Haushalte muss sinken! Aber Tempo bitte!“ hörte man aus allen Ecken und Enden! Wo bitte, bleibt da die Nachhaltigkeit?
    Was ist jetzt? Jetzt wird an allen Ecken und Enden der Welt Energie verbraten, nur um in Mitteleuropa den goldenen Maxi zu markieren und gut da zu stehen.
    Toll!
    Wir senken mit unglaublichem Aufwand den Energieverbrauch, kämpfen dabei eigentlich gegen die Thematik der schlecht ausgebauten Versorgungsnetze, und donnern natürlich gleich den nächsten Superwahn raus!
    Elektroautos!
    Kein Mensch hat Ahnung, wie man mit den Dingern umgeht, wenns mal kracht, die Dinger brennen, oder irgendwann einfach entsorgt werden müssen. Kein Mensch denkt auch nur im Geringsten daran, dass die Dinger genau so rosten, defekt werden, verrecken, wie alle anderen Fahrzeuge.
    (Egal, Altfahrzeuge werden ohnehin nach Afrika oder dem Ostblock verschickt)
    Nebenbei kommt der Strom ja brav aus der blutenweißen Steckdose, an der natürlich kein Dreck haftet!
    Reden wir immer noch von Nachhaltig?
    Offenbar schon! Ein abgehalfteter Schauspieler und Ex-Politiker lässt sich (nur als Beispiel gesehen) einen tollen E-Kübel schenken, gurkt damt herum. Toll!
    Die Firma, die den produziert, ist natürlich daran die Welt zu retten, nachhaltig zu werkeln, nachhaltig zu produzieren, nachhaltig zu wirtschaften…
    Hoppala! Nachhaltig zu wirtschaften?
    Ja natürlich! Die Industrie, die Autobauer etc haben natürlich Interesse dran, Dinge auf den Markt zu bringen, die jeder haben muss/will bzw die jeder finanziell gefördert haben muss/will, bis es alle haben.
    Dann kehrt sich die Sache wieder um.
    Dann kommen wieder die Erfahrungswerte beim Entsorgen, Vernichten, Reparieren und so weiter. Dann kommt wieder die große Erleuchtung, dass es doch nicht so Nachhaltig ist oder war.
    Was war bitte beim Atomstrom, bei den Dieselautos, bei den Ölheizungen, bei den wasserverdünnbaren Lösungmitteln, den wasserverdünbaren Lacken, der Plastik-statt-Papier-Tüte?
    Nix wars mit Nachhaltig.
    Richtig gelesen! Wir hatten vor ca 30 Jahren (geschätzt), die Zeit, in der PLastiktüten beworben und als tolle Sache hingestellt wurden, weil sie Holz einsparen würden!
    Da wars nix mit Nachhaltig.

Wie man sieht, empfinde ich gewisse Worte und Begriffe als Werbeträger um Neues verkaufen zu können. Die Idee hinter den Begriffen wird ausgenutzt um Geld zu machen. Und das nachhaltig!

Bitte entschuldigen Sie die etwas direkte und unmissverständliche Formulierungen, aber medial gesehen, geht mir dieses Thema gehörig auf die Nerven! Und zwar Nachhaltig!

2 Kommentare zu „Begriffe für’n Arsch: Nachhaltigkeit“

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