Tag 605 – 608 Negative Entscheidungen, negative Werte, intensive Gespräche, klare Worte, viel Schlaf und eine harte Realität

Fast ruhig vergingen die letzten Tage. Zumindest für meine mir Anvertraute.

Die Untersuchungen vom vergangenen Freitag haben die nächsten Tiefschläge mit sich gebracht.

Keine Chemo da sie die Blutplättchen verabschieden! Langsam aber sicher, wandern die Werte tiefer und tiefer. Bei einem untersten Sollwert von 150, sind aktuelle Werte von 49 eine Katastrophe!
Darum Müdigkeit, darum die Schwäche, darum das oftmalige Nasenbluten und die vielen blauen Flecken, etc.

Müde, schlapp und kraftlos gings am Freitag Nachmittag schon wieder ab nachhause.

Der Rest vom Wochenende bestand für mich daraus, meine mir Anvertraute zu pflegen, sie mit Essen zu versorgen und den Haushalt zu schmeissen. Sie sollte, wollte und musste schlafen. Sehr viel schlafen.

Einige Gespräche wurden geführt bzw mussten sehr direkt, sehr offen geführt werden.
So direkt und offen reden zu müssen bzw es zu können, ist einerseits bedrückend, andererseits sehr befreiend. Es müssen in näherer Zukunft womöglich Entscheidungen getroffen werden, die sehr wichtig und enstcheidend sind. Ich kann und möchte nicht erst dann darüber sprechen. Jetzt klappt noch alles so, wie man es kennt. Aber was ist dann?

Die Ärzte – man möge es nicht glauben – sehen es immer noch als Möglichkeit an, noch eine weitere Chemo zu verabreichen, noch mehr Chemo in meine mir Anvertraute hineinzuschütten, noch mehr mit der Chemo zu versuchen, zu versuchen, zu versuchen,….

Die Palliativbetreuung spricht offen. Sehr direkt und offen! Das ist hart, aber sehr gut!
Die Palliativbetreuung spricht aus Erfahrung anders! Geht anders damit um. Spricht vom Unsinn, der irgendwann gemacht wird. Spricht davon, dass der Körper offenbar bereits beginnt, auf Sparflamme zu schalten, den Bedarf an Essen einzugrenzen, davon das sich die Werte langsam aber sicher alle verabschieden, davon dass der Körper nicht mehr kann und/oder auch nicht mehr mag.

Es wird kommen. Das war und ist uns beiden schon länger klar, aber es scheint jetzt harte Realität zu werden. Die Frage nach dem „Nutzen“ einer weiteren Chemotherapie, stellen wir uns beide schon einige Zeit. Jetzt jedoch, um so deutlicher.

Die nächste Zeit wird einiges bringen. Möge es Gutes sein!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

6 Kommentare zu „Tag 605 – 608 Negative Entscheidungen, negative Werte, intensive Gespräche, klare Worte, viel Schlaf und eine harte Realität“

  1. Sch…e
    Ärzte sind auch nur Menschen und es gibt leider viele, die das Heil in der Anwendung der Möglichkeiten sehen und die Menschlichkeit und Vernunft abschalten, zugunsten der Therapien. Es ist ein schmaler Grad zwischen Hoffnung, hyp.Eid und austherapiert.

    So schwer schon für die ausgebildeten Fachleute, noch schwerer für den Patienten und seine Angehörigen einen Entschluss, bzw. einen gemeinsamen Entschluss zu fassen, wie der Weg weiter geht. Redet, entscheidet gemeinsam, denn auch Entscheidungen können Last abnehmen, euch beiden.

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    1. Es scheint wirklich so zu sein, dass die Ärzte wirklich immer weiter Zeug in einen Menschen kippen wollen oder sollen. Irgendwann wird es zu viel.
      Wir reden, meine mir Anvertraute entscheidet. Sie kann es nur selbst entscheiden! Ich stimme ihrer Entscheidung zu. Egal welche Entscheidung sie in den nächsten Tagen fällen wird. Ich kann nur helfen. Sie kann (noch) selbst entscheiden! Sie wird es auch tun.
      Reden hilft wirklich!

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      1. Ja, irgendwann wird es zuviel. Ja, sie kann nur selbst entscheiden, aber dein da sein, dein Mittragen, deine Akzeptanz, euer gemeinsames Reden ist so unendlich wichtig für euch beide. Auch wenn es für dich selbstverständlich ist, dass du da bist, es erfordert Mut und Liebe: Chapeau.

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      2. Ich empfinde es als selbstverständlich, alles zu tun und zu versuchen. Die Erkenntnis, nicht alles machen und lösen zu können, irgendwann nicht (mehr) helfen zu können, wurde auch mir leider schon schmerzlich bewusst gemacht. Aber man hat es zumindest versucht.
        Die letzte Entscheidung kann nur meine mir Anvertraute fällen. Wie du richtig schreibst, kann ich diese Entscheidung nur mittragen! Übrigens eine sehr schöne Formulierung: es mittragen.
        Danke sehr!

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