Die Rentner- und Kranken-Rally! Und ich mitten drin! Rennsport am Weg zum Arzt!

Die Tatsache, an einem Donnerstag Abend, dem Medicus des Vertrauens, einen Besuch abstatten zu dürfen, berechtigt inzwischen offenbar umgehend dazu, Teilnehmer der der örtlichen Rentner- und Kranken-Rally zu werden.

Gesagt, getan, trabte ich heute zum Hausarzt. Zur Tante Doc wohlgemerkt. Da die Ordination in einem älteren Teil meiner Heimatgemeinde liegt,  muss man sich mindestens 100 Meter bewegen können, um den Eingang ins Gebäude zu erreichen.
Auf diesen geschätzt 100 Metern, spielen sich teilweise unglaubliche Szenen ab! Brutaler, spannender und nervenaufreibender als bei der Formel 1 und dem Moto GP zusammen.
OK, die Schräglagen in den Kurven halten sich in Grenzen, aber sonst fehlen nur mehr die Helme samt Schutzkleidung!

Es mischen sich Menschen mit Rollatoren, Krücken, Gehstöcken mit denen, die entweder den Arm den Kopf oder sonstige Körperteile in der Schlinge tragen. Wieder andere grippieren, schnupfen, niesen, rotzen so vor sich hin. Eine weitere Gruppe der Teilnehmerrunde sind die, so wie ich an diesem Abend, die „nur“ kleine, von Aussen nicht so sichtbare Wehwehchen haben.
Die „optisch Anonymen“ oder „getarnten Doktorgeher“ sozusagen.
Manche schleichen sich auch nur für eine Bestätigung zum Doc! Das sind die ganz Schlimmen!

Auf den angesprochenen 100 Metern passiert es dann! Alle, wirklich alle, kommen zu einer bestimmten Zeit in dieser Gasse zusammen. Sobald Frau Doktor mit dem Schlüssel der Oridinationstüre scheppert, gehts los! Das ist sozusagen der Startschuss für die Rentner- und Krankenrally im Sprintmodus! Hardcore!

Jeder Patient, jeder der es noch werden will und jeder Bestätigungsjäger tritt gegen den anderen an. Aus allen Ecken und Richtungen strömen sie herbei und wollen, man glaubt es kaum, der Erste an der Pflaster- Infusions- und Pillenfront sein!

Wie im Rennsport geht es zu! Jeder und Jede will und muss der oder die Erste am Schalter sein! Der Schalter der Empfangsdame ist das Ziel.

Es werden Geschwindigkeiten, besondere Geh- und Humpeltechniken entwickelt, Kurven geschnitten und Überholvorgänge eingeleitet, die einem Strategen und einem Rennfahrer gleichkommen!

Gerempelt wird dann ab der Einganstüre auch noch! Der Teil mit den Kehren, den Steigungen und Hindernissen beginnt an der Türe, dort wo es zur Stiege geht.

Die erste Steigung, die Stiege wird zur entscheidenden Zone! Dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Dort trennt sich die laufende Truppe von der rollenden Fraktion.

Nicht dass sie glauben, die Läufer und Humpler wären im Vorteil! Nein, die Rollatorracer haben den Vorteil der Breite! Sie bremsen die anderen Teilnehmer des Arztrennens an der ersten Stufe schon mit den tiefergelegten Rollatoren und Gehhilfen aus. Ein Überholen ist nicht mehr möglich!

Wie im Gänsemarsch treffen sie dann ein. Die Zielgerade, den Empfangsschalter schon im Blick, gehts dann fast schon intim zu! Der Körperkontakt wird gesucht. Es wird gerempelt, gestossen und abgedrängt! All Das, nur um als vermeintlich Erster die Ziellinie zu erreichen!

„Ich war zuerst dran! Ich habs eilig!“ ist die erste Meldung, der erste Schlachtruf, der zu hören ist, bis….

Ja bis die Frau Doktor kommt, sich den verschwitzten, verschmitzt grinsenden Haufen ansieht und ganz entspannt Alles umdreht.
Sie entscheidet beinhart nach der Dringlichkeit, nicht nach der Reihenfolge.

Und so geht ein spannender Abend der Renngeschichte zu Ende!
Ich ertränke mich nun im Gewinnerchampus! Nicht dass ich der Erste gewesen wäre, nein! Aber einer der Schnellsten beim Verlassen des Tempels des Medicus!

 

4 Kommentare zu „Die Rentner- und Kranken-Rally! Und ich mitten drin! Rennsport am Weg zum Arzt!“

  1. Der Arzt meines Vertrauens hat seine Ordination gleich dem Seniorenheim angeschlossen. Hier gibt es zwar kein Rennen um den ersten Platz, allerdings eine Bank vor der Praxis, die die Senioren belegen und jeden der Richtung Arzt geht, begutachten bzw. nach offensichtlichen oder eben verborgenen Beschwerden fragen. Diagnosen werden gestellt und gleich kommentiert. Man erfährt dann immer auch gleich die Laune des Arztes, der Sprechstundenhilfe und die durchschnittliche Verweildauer in der Ordination.
    Verlässt man die Praxis dann wieder, wird auch das kommentiert und es werden Empfehlungen abgegeben.
    So wird der Besuch beim Arzt doch gleich viel amüsanter. Oder mühsamer.

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