Tag 627 – 629: Von Marillenkäfigen, unruhigen Nächten und zu großen Ringen. Die Sozialbetreuung noch nebenbei.

Die ersten Tage auf der Palliativstation verliefen ruhig und unruhig zugleich. Der Schlaf und die Ruhe, wurden die wichtigsten Dinge für meine mir Anvertraute.

Es wird umsorgt, gemacht, getan, unterstützt, vor Schmerzen bewahrt, gekümmert. Es wird auf dieser Station einfach alles unternommen, einen Menschen entweder wieder auf die Beine zu bringen, oder ihn in Würde gehen zu lassen. Je nach dem…

Ein kleines Gespräch mit dem Oberarzt am gestrigen Sonntag, brachte die Info, dass die Nacht von Samstag auf Sonntag, wohl nicht die ruhigste war. Meine mir Anvertraute wurde sogar samt Bett von Ihrem, in ein Überwachungszimmer gebracht. Sie war derart unruhig, dass dies als notwendig angesehen wurde. Der Sonntag war dann eher ein Schlaftag für sie.

Marillenkäfige gab es am Samstag angeblich zu Mittag.
Geradezu amüsant umschrieb meine mir Anvertraute am Samstag die Tatsache, dass sie es einfach um 13:30 am Nachmittag bereits vergessen hatte, was es zu Mittag gab. Es fehlten einfach die Begriffe. Sie waren weg.
Gegen 14:00 wurde sie vom Pflegepersonal sehr liebevoll daran erinnert, dass sie das Mittagessen bisher verweigert hatte und doch jetzt essen solle.
Sie hatte es vergessen. Warum das Wort „Marillenkäfige“ als Antwort kam, konnte sich weder selbst, noch mir sagen.
Macht aber nichts. Sie aß dann eben um 14:00 ihren Rinderbraten. Auch OK!

„Wenn ich dann wieder zuhause bin, muss ich meine Ringe kleiner machen lassen. Meine Finger sind so dünn, ich verliere alle Ringe!“
Kam zwischen zwei kurzen Schlafpausen plötzlich aus ihr herausgeschossen.
Ohne auf eine Antwort von mir warten zu können, schlief sie wieder ein.

„Hast du auch den Postkasten geleert? War zwischen den nächsten beiden Schlafpausen zu hören. Ich schaffte nur eine kurze Antwort, bevor es wieder ins Land der Träume ging.

Schlafen und Ruhe, sind momentan die wichtigsten Dinge.

„ich bin so unglaublich müde!“ war auchnoch ein Thema.

Ein weiteres Thema ist die grundlegende, weitere Versorgung. Die Sozialmedizinische Versorgung bat mich um einen Termin für ein Gespräch.
Plan: Mittwoch direkt auf der Station. Gespräch über die weitere Versorgung und Pflege meiner mir Anvertrauten.
Umsetzung offen!

Die erstaunte Aussage, dass ich persönlich ja arbeiten würde, erstaunte mich! Wie sollte ich denn sonst das Geld herbeischaffen, das wir zum Lebensunterhalt benötigen. Natürlich gehe ich arbeiten, natürlich kümmere ich mich um alles so ganz „nebenbei“! Natürlich muss das alles so funktionieren..
Wie stellen sich den alle das so vor???

Irgendwann wird man alleine wegen solcher Fragen schon hilflos.

Ich habe keinen blassen Schimmer, was die Zukunft so bringt, wie es mit meiner mir Anvertrauten weitergeht, soll mich nebenbei dann auch noch um die Bürokratie kümmern. Dies ist wieder einer der Momente, an denen aus einer schwierigen Situation, eine noch schwierigere wird.

Die Hoffnung bleibt!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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