Tag 636: Wenn sich Alles bewegt, verändert und verschiebt.

Es ist irgendwie schön zu hören, dass es meiner mir Anvertrauten gut geht.

Sie hatte nachmittags Besuch von Ihrem Bruder. Dieser hat mir natürlich sofort telefonisch Bersicht erstattet, was los ist. Ich konnte ja erst Abends wieder zu ihr.

Ein halbes Brot mit Wurst als spätes Mittagessen. Sie ist dabei sogar wieder gesessen. Im Bett wohlgemerkt, aber gesessen. Dass sie dabei immer wieder zur Seite gekippt ist, hab ich dann später erfahren.

Am Abend war ich bei ihr. Der Corona-Virus und dessen Auswirkungen, haben den Zutritt ins Krankenhaus bis auf die Palliativ-Station unmöglich gemacht. Kontrollen werden durchgeführt. Das Opfer dieser Kontrollen, war gestern ein kleiner Strauß Blumen, den ich noch schnell im Supermarkt ergattert hatte. Es sei nicht möglich, diesen zu desinfiszieren. Was solls, dann eben ohne Blumen.

Meiner mir Anvertrauten gings besser als die Tage zuvor. Sie hatte keine Schmerzen, bekam auch laut ihrer Aussage keine besonderen Medikamente oder Schmerzmittel.

Dass sie direkt an denKrebsgeschwüren am Hals 2 Morphiumpflaster kleben hatte, eine Spritze früh morgens und eine zu Mittag bekommen hatte, hatte sie vergessen. Auch die Sache mit den Pillen am Vormittag, war weg. Einfach weg.
Macht aber nichts, hauptsache Schmerzfrei, satt und zufrieden.

Es war einfach ein Tag, an dem es offensichtlich mal besser lief, als an den vorangegangenen Tagen.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Die Sache mit dem Virus, den Sperren, den Kranken, all den ganzen Mist, der gerade so passiert, all das, hat sie zwar irgendwie gehört, kann es aber nicht im Detail verfolgen.
Die Technik wäre da! Das Multimedia-Touch-Dings am Bett, das Handy daneben.
Alles nett, aber sie kann es nicht mehr lesen, sich nicht mehr konzentrieren, es nicht mehr bedienen. Es ist zu schwer. All das wurde zu schwer für sie.
Eine starke Frau, die sich perfekt zwischen Handy, Android, Mac und Windows bewegt hat, verzweifelt an der Bedienung eines tabletartigen Monitors am Bett.
NIcht nur das Können ist verschwunden, auch das wollen. Sie will diverse Dinge einfach nicht mehr hören, sie blendet es aus, reduziert sich auf das Notwendige. Sie reduziert die Einflüsse von Aussen. Sie kümmert sich um sich selbst.
Und das ist gut so.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

4 Kommentare zu „Tag 636: Wenn sich Alles bewegt, verändert und verschiebt.“

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