Tag 640: Die handwerklich angeblich begabten Oberärzte und die verstorbene Bettnachbarin.

Für einen Außenstehenden, muss es sich unglaubwürdig und lächerlich anhören, was ich digital zu Papier bringe, aber es ist leider wenig humorvolle Realität.

Die Bettnachbarin meiner mir Anvertrauten, ist leider letzte Nacht verstorben. Sie wurde noch in ein anderes Zimmer verlegt, erlag dort jedoch ihren Gehirnblutungen.

Die beiden kannten sich nicht, waren nur 2 – 3 Tage im gleichen Zimmer. Eine Unterhaltung war auch nicht möglich.
Das Tragische an der Sache ist allerdings, dass der Tod so nahe ist. In vielerlei Form.

Auf andere Fragen, die ich meiner mir Anvertrauten gestellt habe, wurde ruppig reagiert. Einerseits bemerkte sie, dass ich sie ablenken und auch etwas herausfordern wollte. Herausfordern in der Art, dass ich wissen wollte, ob und was sie vergessen hat.

Sie hat mich aufgedeckt, nahms aber dann mit Humor.

Mit Humor hab ich dann den restlichen Teil genommen.

Sie hätte (um 13:00 wohlgemerkt) nichts zu essen bekommen, habe daher Hunger. Als ich sie darauf hinwies, dass sie sogar noch die Suppe samt Nachspeise am Tischchen sthen hätte, verwies sie mich darauf, es einfach her zu geben und ihr zu helfen. Kurz und knapp.

Eine halbe Stunde später berichtete sie mir vom Lärm um 4Uhr früh!
Der Oberarzt der Palliativstation wäre mit seinem „Grubenwagen wieder durch die Station gefahren, er bräuchte den ja für seine Arbeit! OK, ich verbiss mir ein Lächeln gerade noch so!

Kurz bevor ich dann gehen wollte, fragte ich, ob das Nachtkästen so gut und passend stehen würde. Ich hatte es ja verschoben. Ja, passt, angenommen.
Ich platzierte noch das Lieblingsgetränk auf dem Tisch so, dass sie es vom Bett aus greifen kann.
In diesem Moment, kam die Aussage, bei der ich fast wieder laut losgelacht hätte!
„Diesen Tisch hat der Oberarzt XYZ gebaut!!!“ kam es fast schon stolz aus meiner mir Anvertrauten geschossen!

Zur Erklärung: Der Oberarzt XYZ ist der Oberchemotherapie-Guru auf der Station, auf der meine mir Anvertraute von Anfang an betreut wurde. Dieser hat nichts mit der Palliativ-Station und auch sicher nichts mit dem Hersteller von Krankenhausnachtkästchen zu tun.

Der Oberarzt der Palliativ ist weder nebenbei im Bergbau noch im Schienenverkehr tätig.
Das Rumpeln, dass sie um 4 Uhr Früh gehört und offenbar gestört hat, war nichts anderes als das Bett der Nachbarin, als diese zum Sterben in ein anderes Zimmer gebracht wurde.

Sich auf die Aussagen meiner mir Anvertrauten zu verlassen, ist leider nicht mehr möglich. Dies wurde mir heute wieder bewusst.
Der Mensch, der da in diesem Krankenbet liegt, verlässt geistig langsam aber sicher die Realität. Leider.
Und das tut weh.

Aber so lange es keine Ängste oder Schmerzen auslöst, oder sie welche erleiden muss, ist alles Ok.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

6 Kommentare zu „Tag 640: Die handwerklich angeblich begabten Oberärzte und die verstorbene Bettnachbarin.“

  1. Ich hab fast das gleiche mit meinem Papa durch vor 20 Jahren. Er war damals 45 und hatte in dr Situation sein Talent zum obstverkäufer entdeckt. Bananen,Orangen usw. Es war anfangs gruselig. Aber er war glücklich und schmerzfrei. Das ist die Hauptsache.

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  2. Ich erinnere mich aus dieser Zeit heute adhoc nur noch an diese traurig/liebevoll/lustigen-Momente. Manchmal konnten wir gemeinsam über den Quark lachen, weil mein Mund immer mal wieder schneller war als ich und ich auf diese „neuen Realitäten“ einfach eingestiegen bin. schwer zu beschreiben, aber ich hab dann geneckt. Ich finde es „schön“, dass wenn der Weg so gehen muss, dass er schmerzfrei und mit Fantasie gegangen werden darf.

    Fühl dich gedrückt.

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