Tag 641: Der Fritatt als neuer Mitbewohner, Hunger und andere Dinge

Eigentlich gibt es nur bedingt Neuigkeiten zu vermelden. Meiner mir Anvertrauten geht es den Umständen entsprechend gut. Soweit man von gut sprechen kann.

Es schmerzt der ganze Körper irgendwie immer wieder mal. Einerseits vom Liegen, andererseits melden sich der Krebs, die Metastasen, die Geschwüre etc gelegentlich deutlich.

Die Veränderung des Menschen scheint unaufhörlich fort zu schreiten. Eine, wie schon gesagt und geschrieben, schreckliche Sache. Von einem Gedankengang zum nächsten, Ein Hüpfer hierhin, der nächste in eine ganz andere Richtung.

Hunger, ist ein Thema. Um 12:00, als das Mittagessen kam, hatte sie tief und fest geschlafen. Als ich um 13:00 zu meiner mir Anvertrauten kam, beschwerte sie sich lautstark über die Tatsache, dass sie ja noch nichts bekommen hätte. Stimmt ja, aber nicht weil alle so schrecklich böse sind, sondern eben weil die Schwestern auf den Schlaf Rücksicht nahmen.
Das Thema „Ich bekomme nichts zu essen!“ baut sich in den letzten Tagen immer weiter auf.

Als dann das Essen um kurz nach 13:00 geracht wurde, stellte meine mir Anvertraute fest, dass in den Spalten der Schranktüren ein kleiner „Fritatt“ wohnen würde.  Er wäre so ca 4-5cm groß, sei friedlich und würde nichts anstellen.

Ich bewundere das Pflegepersonal. Die gehen mit solchen Aussagen und Erscheinungen völlig normal und selbstverständlich um. Sie gehen darauf ein, sprechen mit dem Patienten ganz normal weiter, als wäre nichts passiert. Auch der kleine, friedliche „Fritatt“, was auch immer das sein mag, löste keine besondere Verwunderung aus. Die Krankheit spielt eben anscheinend so ihre Stücke.

Mich selbst, verwundert es immer wieder. Täglich. Es wundert, erschreckt und amüsiert mich immer wieder aufs Neue, zu sehen, was in einem Kopf passiert.

Das kleine Vögelchen, der Maulwuf und all die anderen Dinge, die in den letzten Tagen vermehrt und immer wieder auftauchten, bestärken meine Befürchtung, meine mir Anvertraute langsam aber sicher geistig zu verlieren.

Ein täglich vom Leben und von den Ärzten leider auch bestätigter Fakt, der mir leider die Angst nicht nimmt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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