Tag 644: Von verschwundenen Jahren, den Eltern, Lügnern und dicken Tränen.

Gestern, Tag 644. Die Schwester meine mir Anvertrauten kam zu Besuch.
Irgendwann im Gespräch, kam meine mir Anvertraute wieder auf ihre Eltern zu sprechen. Sie meinte, dass diese doch schon irgendwo hier im Krankenhaus wären und noch „herumgeistern“ würden.

Die Aussage, dass die Eltern der beiden doch schon viele Jahre tot wären, regte meine mir Anvertraute auf. Sie stempelte ihre Schwester als Lügnerin ab.

Als ich dann, wieder gegen Abend, ins Krankenhaus kam, ratterte dieses Thema offenbar immer noch im Kopf meiner mir Anvertrauten herum.

Sie erzählte mir davon, dass ihre Schwester sie blöd angelogen hätte, eine dreiste und geradezu dumme Lügen erzählt hätte und so weiter.

Ich konnte sie irgendwann beruhigen, die dicken Krokodilstränen wegwischen und ihr erzählen, dass es stimmt. Die beiden sind bereits seit über 10 Jahren nicht mehr auf dieser Welt.
Meine kurzen Erzählungen über die vielen, vielen Fahrten ins Krankenhaus zu ihrer Mutter damals, dann die Besuche bei ihrem Vater etc, nahm sie hin. Sie nahm sie für 5 Minuten hin. Dann wurde auch ich zuerst als Lügner, dann als noch so einiges bezeichnet.

Meine mir Anvertraute hat offenbar vieles vergessen, verdrängt oder einfach fallen gelassen. Es sind Dinge einfach so „aus dem Kopf gefallen“, wie sie es dann noch bezeichnete. Tränen folgten. Viele Tränen.

Sie dann so da liegen zu sehen, ist nicht einfach. Es verschwindet so Vieles. Sie verschwindet…

Der Transport ins Hospiz musste jedenfalls von gestern auf den heutigen Tag verschoben werden. Der verpflichtende  Corona-Viren-Test war unbrauchbar und musste nochmals durchgeführt werden.

Heute, Tag 645, soll es soweit sein…..

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

6 Kommentare zu „Tag 644: Von verschwundenen Jahren, den Eltern, Lügnern und dicken Tränen.“

    1. Jemanden zu verlieren, der einem sehr sehr viel bedeutet, ist schon schwer. Auch nur der Gedanke daran. Aber das, was hier gerade abgeht, steigt von Tag zu Tag. Jeden Tag lerne ich einen neuen, anderen Menschen kennen. Es ist bedrückend anzusehen, wie sich meine mir Anvertraute geradezu im Nichts auflöst.

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