Tag 648: Wortlose Gespräche, Schmerzen und neue Besucher

Stille, fast keine Worte mehr. Wenn dann nur kurz und knapp.
Meine mir Anvertraute spricht immer weniger. Nicht nur die Tatsache, dass sich das Erlebte im Krankenhaus in Grenzen hält, auch das Vermögen, Dinge zu verarbeiten schwindet immer mehr.
Weniger, alles wird weniger, kürzer, knapper. Antworten auch Fragen oder generelle Aussagen von mir, werden fast nur mehr mit Ja, Nein oder mit 2-3 Worten beantwortet

Schmerzen spielen eine Rolle. Meine mir Anvertraute wird zwar sehr gut versorgt, die Tatsache, dass der Krebs teilweise starke Schmerzen im Körper verursacht, machts offenbar nicht gerade leichter. Zu viele Schmerzmittel möchte sie nicht nehmen. Es würde sie nur betäuben, meint sie.
Die Schmerzen zu ertragen, kann sie teilweise nicht. Es muss ein Mittelweg gefunden und gehalten werden.

Die ganze Situation mit Corona und Co, stellt nebenbei auch Alles und Alle auf die Probe. Schutzkleidung, Einschränkungen der möglichen Besucher und der Dauer der Besuche, sind das Eine. Die leider dadurch auch sehr umständliche und eingeschränkte Art der Betreuung der Patienten, wirkt sich ebenfalls aus.
Schutzkleidung, anziehen, Patienten kurz und schnell betreuen, raus aus dem Zimmer. Mehr ist auch für das Krankenhauspersonal nicht möglich.

Die speziellen Besucher, die sich in letzter Zeit bei meiner mir Anvertrauten eingestellt haben, sind auch eine Sache für sich. Der Kopf spielt Stücke. Eigenartige Stücke.

Aktuell ist es ein grüner Grashüpfer mit 10cm Körperlänge, der angeblich im Zimmer sein friedliches Dasein fristet. Er komme gelegentlich raus, würde sich umsehen und dann wieder irgendwo verschwinden.
Erzählt hatte meine mir dies meine mir Anvertraute mit sehr sehr wenigen, teils fast unverständlichen Worten.

Die Zeit, die ich bei meiner mir Anvetrauten verbringen darf, läuft meist nach einer Stunde ab. Einerseits ist es die Einschränkung durch die momentan vorherrschenden Einschränkungen durch Corona, andererseits ist dies so ziemlich die maximale Zeit, die sie so halbwegs durchhält. Mit längeren Schlafpausen wohlgemerkt.

De Kräfte schwinden immer mehr. Täglich ist irgend eine Änderung zu erkennen. Mal ist es mehr der streikende Körper, mal der Geist, der Probleme macht. Oft auch beides.

Oft sitze ich nur da, halte ihre Hand. Versuche, sie nicht zu streicheln. Auch das verursacht Schmerzen.

Wortlose Gespräche laufen ab. Blicke, Gesten, Gedanken. Mehr ist nicht….

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

8 Kommentare zu „Tag 648: Wortlose Gespräche, Schmerzen und neue Besucher“

  1. Wichtig ist das gemeinsame Beisammensein. Auch wenn deine dir Anvertraute nicht immer best gelaunt ist oder keine Antworten geben möchte. Sie spürt das Du da bist, das weiss ich ;). Bin zwar körperlich nicht da aber immer im Gedanken, Ich glaub das weiss du auch, Haben ja öfters Kontakt. und ich werd auch immer da sein um zu Unterstützen, reden, auffangen, trösten und alles was sonst noch dazu gehört.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s