Die Erotik der Baumärkte. Von 50 Shades of Latexfarbe, Kabelbinder, Seil und Tieflochbohrern

Von der viral bedingten Zwangspause mal abgesehen, hat der Erstbesuch in einem Baumarkt doch immer etwas magisch erotisches an sich.

Entweder ist es der erste Besuch nach langer Enthaltsamkeit, in diesem Jahr sicherlich die Sperre durch den Virus, oder Sperre durch den langen, trostlosen Winter, der einen entspannten Ausflug in den Baumarkt nicht wirklich zum ultimativen Erlebnis machte.

Schon beim betreten der heiligen Hallen des Baumarktes geht es los!

Die ersten, meist schön drapierten Geräte, Dekoartikel, Griller, Liegen, etc. lassen einem echten Kerl oder einer hartgesottenen Frau, die Drüsen schwellen.
Die Optik, die olfaktorischen Eindrücke, die Gerüche also! Ein Traum!

Düfte und optische Eindrücke, mischen sich mit dem bereits angespannten Gefühl, endlich loslegen zu dürfen! Der (innere) Druck ist meist schon so hoch, dass der Kampf um den Einkaufswagen und das sich öffnen der Schiebetüren, schon zu einem ersten Ausbruch der Hormone führt.

Dann, ja dann kommt es hart auf hart! 50 Shades of Regalmeter prasseln auf einen ein!  Ketten, Fessel…. äh Seile, Regalbretter in allen Längen und Breiten, die Latten sprechen Bände! Latexfarbe neben Gummihandschuhen und Atemmaske, Vollkörperschutzanzug neben reißfestem Klebeband!

Die Erotik lässt sich schon spüren! Die Durchblutung wird angeregt. Der Druck steigt!

Dann knallt es meist erst richtig in die Venen!

Die Haptik kommt dazu!

Was die Optik begann, der Geruchssinn fortgeführt hat, wird durch die Haptik ins Extatische geschossen! Die Hände dürfen mit ins Spiel der Shoppingerotik!

Man darf die Rundungen, die weichen Polsterungen, die Ganzkörperanzüge, die Seile, Ketten, die latexbeschichteten Teile alle angreifen, sie fühlen und streicheln! Sogar die harten, langen Latten, wenn man dies möchte! Auch die Schlitzfräsen, die Mauernutfräsen dürfen gestreichelt werden.
Man(n) und natürlich auch Frau darf ran an die Sachen! So richtig! Mit vollem Einsatz des eigenen Körpers!

Der Kampf mit den Gelüsten hat beim Betreten des Heimwerker-Clubs ja schon begonnen, jetzt wird es erst richtig zum Kampf mit den anatomisch und ergonomisch geformten Details, der harten, tief und tiefer bohrenden, stemmenden, sägenden oder auch so richtig brutal mischenden Geräten!

Lack! Der Duft von Lack, liegt in der Luft! Die heißgliebte Latexfarbe, die Dispersionen, die Emulsionen, die vielen Dosen, die Sprays, die dicken, festen und noch so streichelweichen Rollen, liegen in der Farbabteilung bereits flach. Gönnen sich geradezu pornös die Blicke der Vorbeigehenden.

All dies, spielt sich neben Menschengruppen ab, die sich eng an eng, Haut an Haut durch die Gänge schieben. Sie drängen sich an den glory Holes der Baumarktbranche, den Gitterboxen mit dem kleinen, feinen Spielzeugen, vorbei. Sie lassen sich von meist in Unform gekleidetem Personal dominant durch die Gänge treiben und erfreuen sich des kommenden Abschlusses.

Der Abschluss wird kommen! Er wird schon so sehnlich herbeigezittert! Der Druck!
Der Druck steigt! Immer höher wird der Level getrieben! getrieben von den körperlichen, den optischen, akustischen und haptischen Reizen!
Das Fühlen, das Angreifen, das Befühlen, das Berühren, all das steigert ihn! Den Druck!

Aber nein! Er, der Druck, darf sich noch nicht entladen! Es wäre noch zu früh!
Es wäre noch viel zu früh zu kommen! Zur abschliessenden Erfüllung zu kommen!

Erst wenn auch der letzte Meter des Heim- und Handwerkertempel durchtreift, erforscht, befühlt, gestreichelt und entdeckt wurde, darf und kann man kommen!

Erst dann darf man(n) und natürlich auch Frau, kommen!

Der aufgestaute Druck, das Schieben, das Schieben des schweren Wagens, der Schweiß, der Druck! Wirklich Alles! Alles darf sich jetzt entladen!

Die Muskeln zittern! Die Körper beben! Die Hände zittern! Die Drüsen arbeiten mit 1000 Volt! Bis…..  Ja bis es aus einem heraus darf!

Noch 2 Minuten durchhalten, durchhalten, sich zurückhalten, noch ein Bisschen!

Jetzt! Jetzt! Jaaaaa, jetzt ist es soweit! Man steht davor, der Point of NO return ist da!

Es will raus! Es muss raus! Jaaaaa!

Das Geld schiesst förmlich aus der Hose, strömt hin zur Kasse! verschwindet im tiefen Leib der stahlharten Dose, der Schlitz des Kartenterminals glüht. Alles bebt!

Nach dem aller letzten Stöhnen, dem letzten Schieben des Wagens, kommen sie dann!

Sie kommen! Die letzten, erlösenden Worte, eines geradezu pornös in Szene gesetzten Ausfluges in den heiligen Club der Heimwerker-Erotik werden jetzt gesprochen!

Danke für Ihren Einkauf! Beehren Sie uns bald wieder!

4 Kommentare zu „Die Erotik der Baumärkte. Von 50 Shades of Latexfarbe, Kabelbinder, Seil und Tieflochbohrern“

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