651+ / Vom Ausräumen und Weggeben. Der Kampf mit den Schränken, den Erinnerungen, Allem

Irgendwie gehört es zur Trauer auch dazu, mit dem Alltag umzugehen. Dazu gehört auch, die Dinge zu ordnen, die meine mir Anvertraute mir bzw uns hinterlassen hat.

Zu diesen Hinterlassenschaften gehören auch Kleidung. Schuhe, Jacken, T-Shirts, Hosen, eben Alles. Kleines wie Großes.

Was damit anstellen?

Ich stehe da, die Schranktüren weit geöffnet, den Blick auf die Blusen, Jacken, Hosen, etc gerichtet. Tränen.
Alles, jedes einzelne Ding erinnert mich an sie. Ich kann sagen, wann und wo sie welche Bluse trug, welche Jacke sie anhatte, welche Hose sie mit welchen Schuhen trug, wo die Handtasche dazu ist. Tränen.

Aber wa soll ich mit all diesen Dingen machen? Aufheben? Sie mir Tag für Tag ansehen? Soll ich sie mir als Erinnerung an schönere Tage aufheben?
Das macht keinen Sinn.

Ich hebe mir Dinge auf. Natürlich! Aber nicht alles.

Kleidung. Es gibt jemanden, der diese haben möchte, sie aus finanziellen Gründen nicht so leicht kaufen kann, sie brauchen kann, dem ich sie auch gönne. Auf den Müll zu schmeißen, fände ich nicht gut. Solange es jemanden gibt, der das Alles brauchen und verwenden kann, bitte gerne.

Aussortieren, ausräumen, zusammenpacken, in Schachteln und Kisten packen.
Ein schrecklicher Moment. Tränen. Ich kann sie nicht verhindern. Ich will es auch nicht.

Kleidersäcke, Schachtel, Kisten. Alles steht da. Gepackt, fertig für den Abtransport.

Leer! Die Schränke sind, bis auf wenige Stücke, leer. Tränen.

Banale Dinge, die Kleidung, all dies macht ein Leben aus. Es ist da, jeder verwendet es, benutzt es, zieht es an, hängt es hier und dort hin.

Alles weg. Leer. Tränen.

Ich stelle mir schon zum xten mal die Frage, ob ich diese Sachen nicht doch aufheben soll. Aber wozu? Was sollte ich damit tun? Tränen.

Alles verschwindet.

Die letzten Alltäglichkeiten verschwinden in Säcken, Kisten, Schachteln.

Alles verschwindet. Fast alles!

Gewisse Stücke bleiben, ich behalte sie, will und kann mich nicht davon trennen.

Tränen.

Erinnerung…..

16 Kommentare zu „651+ / Vom Ausräumen und Weggeben. Der Kampf mit den Schränken, den Erinnerungen, Allem“

  1. Alles, aber auch alles hast Du so erzählt wie ich es erlebte. Und Du hast es genauso gemacht – eben nicht alles „entsorgt“. Das ist völlig normal und das ist auch gut so. Es muss immer DIR dabei gut gehen. Was andere ggf. dazu meinen…. lass sie reden, sie haben keine Ahnung wie das ist. Ich habe heute noch in unserem Kleiderschrank die „Abteilung meiner Frau“, trotz Ausräumen, Umzug usw. Und auch ihr Kulturbeutel im Bad – er steht „da wo er eben hingehört“. Spinnerei? Mag sein aber mir völlig egal. Mir geht es dabei gut und das ist es was zählt – eben auch bei dem was Du im Moment erlebst.

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    1. Es ist einfach sehr schwer, die Sachen „zu verräumen“! Aber auheben, das hat einfach bei den meisten Kleidungsstücken keinen Sinn. Gewisse Stücke – so wie du beschreibst – haben ihren Platz, gehören dort und da hin, bleiben es auch!
      Aber es ist in Summe ein beschissenes Gefühl. Es stimmt traurig. Sehr sogar. Es macht einem bewußt, dass sie wirklich nicht wiederkommt….

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  2. Da hatten wir doch die Gleiche Aufgabe. Ich musste die riesigen Kleiderschränke meiner Mutter aussortieren. Einiges kann ich selber auftragen, einiges ist im Keller und das meiste wurde gespendet zur Wiederverwendung durch bedürftige Leute. Wegschmeißen hätte ich auch nicht gekonnt, schon das Spenden fühlt sich seltsam an.

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    1. Ich hätte auch ein mieses Gefühl beim wegschmeissen. So wie es jetzt läuft, gehen die Kleidungsstücke noch durch verschiedene Hände. Irgendwer kanns sicher brauchen. Alles was dann übrigbleibt, kann dann wirklich weg. Das ist gut so.
      Meine mir Anvertraute selbst, hat den Weg noch so vereinbart.
      Aber, das egenartige Gefühl bleibt bestehen.

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      1. Ich fühle/fühlte mich auch seltsam dabei, aber zu versuchen alle Einzelteile einzeln zu verkaufen, wäre eine sehr belastende Lebensaufgabe gewesen. Ich denke es ist ok für Sie, wenn die Sachen von Leuten weiterverwendet werden, die es sich sonst nicht leisten können. Ich fühle mich deswegen auch noch etwas schuldig, aber ich habe mich für mich entschieden und mein Leben, meine Trauer ist auch ohne ihre gesamten Sachen bei mir groß genug.

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      2. Irgend jemand kann es gebrauchen, kann es verwenden. Das ist gut so. Die Sachen zu verkaufen, versuche ich erst garnicht. Meine mir Anvertraute hatte es sogar gewollt, dass ich die Kleidung so vergebe.
        Das erleichtert mir die Sache aber nur ein kleines Bisschen.
        Das Problem ist, das ausräumen der Schränke. Irgendwie habe und hatte ich das Gefühl, ich würde meine mir Anvertraute „wegpacken, verräumen, aus dem Haus befördern“. Klingt eigenartig, aber irgendwie sind dies alles Dinge von ihr.
        Bis jetzt hätte sie bei der Tür reinkommen können und einfach hier weiterleben. Jetzt?
        Sie wird es nie wieder tun, aber in Gedanken, in meinen Gedanken bleibt sie….

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      3. So ging es mir auch, deswegen nannte ich das Ausräumen auch Umzug/Auszug meiner Mutter aus der Wohnung. Hat weh getan, denn es ist loslassen, ihren Platz räumen, wissend dass sie nicht zurückkommt.😭 Aber es ist auch Balast den man los lässt, sie wird nie verschwinden solange ich lebe. Es gibt soviel Erinnerung an sie, die soviel wertvoller ist, da kann die Kleidung gehen.

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