Vatertag und Muttertag. Ein erotisches Lustspiel in 10 Akten

Es ist zwar jetzt schon einige Tage her, aber irgendwie hat sich das ältere Paar aus dem gegenüberliegenden Bungalow während meines Sommerurlaubes bei mir geradezu eingebrannt.

Klassisch, typisch Deutsch. Streng strukturiert, unflexibel, überkorrekt. Er, ehemaliger Oberüberdrüberberichsdirektor von Irgendwas, sie jahrzehntelang Chefhausdomina in einem Büro oder irgendsowas. Beide natürlich pünktlich.

Uuuund lustig anzusehen!

Nicht die Gestalten sind oder waren lustig, eher die immer (fast) gleich ablaufenden Rituale.

Gerade der Ritus, bzw die Zeremonie, die allabendlich zelebriert wurde, war schon als bühnenreif zu titulieren.

Sie drapierte mit einer Eselsgeduld die Messerchen, Tellerchen, Gäbelchen und Gläschen auf dem kleinen Tisch auf Terrassien, umhegte liebevoll den Salat, bereitete die frisch im Supermarkt erlegten Speisen zu.
Er wartete brav, bis seine Aufgaben dran waren, bzw malträtierte den Griller.
Er entkorkte die Picoloflasche Wein, die täglich (gemeinsam) vernichtet wurde.

Irgendwann, nachdem auch noch das Tischdeckchen zum fünften mal geradegerückt wurde, begannen die beiden dann zu essen. Vornehm, zaghaft natürlich.
Als Begleitung den Wein.

Nach dem Essen, folgte das gemeinsame Abräumen des Tischchens. Der kleine Abwasch wurde von der Dame des Hauses erledigt, während ER sich der Kaffeemaschine widmete.
Für jeden der beiden gab es dann einen kleinen Kaffee und den Rest der kleinen Flasche wein.

Danach war ein ca 10 minütiges Pläuschchen angesagt. Man ließ den Tag revuepassieren.

Dies alles, folgte einem Zeitplan, nach dem man die Uhr hätte stellen können. Nichts davon dauerte unterschiedlich lange wie am Vortag. Streng reglementiert.

Nach dem 10 Minutengespräch, folgte jedoch die tägliche Abwechslung.

Einmal war Vatertag, am nächsten Tag war Muttertag, dann wieder Vatertag, dann wieder Muttertag.

Tagtäglich wurde, eben nach dem Essen, dem Weinchen, dem Kaffeechen, dem Pläuschchen, ein kleines Bumserchen veranstaltet.

Täglich!
Natürlich zeitgerecht und pünktlich.

Die große Abwechslung (man hat ja Urlaub und kann mal die Sau rauslassen) war dabei eben die Sache mit Vatertag und Muttertag.

An den Vatertagen hörte man den Herrn des Hauses verhalten stöhnen, an den Muttertagen, war die Dame des Hauses leise zu hören.

Das ganze natürlich im täglichen Wechsel. Man will ja nicht zu flexibel werden und eventuell gemeinsam zum stöhnen kommen.

Bei 10 Tagen Urlaub im Bungalow ergibt sich rein rechnerisch daher eine ausgwogene Rate von 50 zu 50! Sie hatte 5 mal Muttertag, er hatte 5 mal Vatertag. 5 mal stöhnt sie, 5 mal er.

Die direkten Bungalownachbarn der beiden Herrschaften haben dann schon auf die Uhr gesehen.

10 Minuten dauerte es, bis die Terrassentüre wieder aufging, beide frisch frisiert wieder auf Terrassien verweilten und noch eine kleine Picoloflasche Wein vernichteten.

Ach wie schön ist es doch, mal so richtig flexibel zu sein…..

15 Kommentare zu „Vatertag und Muttertag. Ein erotisches Lustspiel in 10 Akten“

  1. Schmunzel, irgendwie süß, wenn auch nicht meins. Aber wenn die direkten Nachbarn auf die Uhr gesehen haben, dann haben die in dem Moment doch auch irgendwas gemacht, was sie in den Tagen jeden Abend gemacht haben oder?

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