Kleidungsmischmaschine oder Klamottenshaker

Vergangene Woche durfte ich in einer Landeshauptstadt Österreichs verweilen. Dienstlich wohlgemerkt. An den Abenden hab ich versucht, die Großstadt auf mich wirken zu lassen, Eindrücke zu sammeln, etwas zu essen zu ergattern und mir entspannte Feierabende zu machen.

Mitten im Zentrum, im alten, weit um bekannten Kern der Altstadt hatte ich ein lauschiges Plätzchen samt sehr gutem Essen gefunden. Ich hing dort ab, chillte meine Base, wie es so schön auf neudeutsch heißt, und sah mir die Menschen an, die sich dort aufhielten.

Ein geschäfftsiges Treiben, wie man es aus den Zentren, den schönen, alten Altstadtbereichen kennt. In diesem Fall ist es auch eine Universitätsstadt und eine touristisch sehr bekannte Stadt. Es treffen daher noch mehr Dinge aufeinander.

Kulturkreise, Ansichten, Einsichten, Gewohnheiten, Lebensweisen, Religionen und auch die Mode.

Gerade die Mode unterliegt ja einer gewissen geografisch, kulturellen, dem Anlass entsprechenden, oder auch geschmacklichen Sache.

Das Wetter, die Temperatur, die Empfindlichkeit und so manch anderer Faktor ist natürlich auch dabei.

Es scheint jedoch, als würden manche Menschen irgendwie eine gewisse Kapitulation vor dem Kleiderschrank eingegangen zu sein. Ein Resignation vor den vielen Stücken, die ein Kleiderschrank zu bieten hat. Die Auswahl, die Masse, all die Farben.

Bei so manchen Menschen, hat man das Gefühl, die Kleidung würde mittels Zufallsprinzip gewählt werden.

Ok, ich bin auch eher der legere Typ in Sachen Kleidung. Ich unterscheide jedoch zwischen sportlich, festlich, elegant und auch zwischen Sommer und Winter.

Hier kamen jedoch optische Eindrücke zusammen, die nicht nur mich, sondern auch andere Zaungäste des modischen Schaulaufens in Staunen versetzten.

Eine dick gefütterte, abgesteppte Daunenjacke in Gold, mischt sich mit High-Heels der Marke „Verdammt-wie-hoch“ und einer Hotpants, die Einblicke gewährt, die sonst meist nur Gynäkologen oder aktiven Sexualpartnern vorbehalten sind.
Der, die oder auch das Nächste, läuft bauchfrei, in Anzughose, aber mit Gummistiefeln durch die City. Taschen werden dekorativ an das geschmückte Ärmchen gehängt, die eine 3 wöchige Antarktisreise möglich machen würden.

Turnschuhe mit 10cm dicker Sohle paaren sich optisch am gleichen Körper mit Filzkappen, die aussehen, als hätte man das Fell eines toten Jacks mit dem eines bunten Einhorns vermischt. Begleitet wird dies Alles, von einem Mantel, der sich irgendwo zwischen Bergbau, Krankenschwesterntracht und Bodenpflegetüchern einordnen lässt.

Die nächste Dame, im besten Alter wohlgemerkt, trägt eine Auswahl an Strickware, die einem nassen Sack ähnlich, den Körper ziert.

Ballonrock in schwarz, trifft Strumpf in giftigem Grün. Gefolgt von Schuhwerk der Gattung Militär. Gekrönt wird dies von einem Oberteil, dessen Fetischfaktor schon fast die Optik so manches Mannes sprengt. Die gewollt aufsilikonisierte Oberweite drängt sich gen Himmel und entfaltet sich in herausquellenden Wülsten.

Mit Minirock am Fahrrad, mit High-Heels am Tretroller, mit Flattermantel am Motorroller. Anblicke, Einsichten und Aussichten, die es immer und überall gibt. Bei Mancher oder Manchem, hat man das Gefühl, die Auswahl der Kleidung, würde eine Kleidungsmischmaschine oder ein Klamottenshaker übernehmen.

Aber in solchen Zentren prallt dies Alles eben ganz besonders zusammen.

Sehen Sie, schauen Sie, staunen Sie!

… aber vielleicht bin ich auch einfach nur unmodern….

14 Kommentare zu „Kleidungsmischmaschine oder Klamottenshaker“

  1. Ich muß schmunzeln 🙂
    So ungefähr den selben oder ähnlichen Eindruck hatten mein Mann und ich auch jetzt am Wochenende in einer Landeshauptstadt Deutschlands.
    Man sieht Dinge, die WILL man garnicht sehen und oft frage ich mich, weshalb so unsagbar junge Mädels glauben, ein BH sei eine Oberbekleidung.
    Frauen, mit derart schräg abgelatschten Absätzen, dass sie der Schuhe wegen mit O-Beinen durch die Gegend eiern.
    Oder gruselig auch, wenn sich *bauchfrei* ungefähr auf Höhe der beginnenden Oberschenkel befindet.

    Ich muß zugeben, es war – mit meiner Geschichte – fast schon wieder heilsam.
    Da verstecke ich mich ständig Zuhause, weil ich glaube, Grund zur Scham zu haben – und dann geht man raus und sieht DAS.
    Da keimt die Erkenntnis, durchaus mehr (Lebens-)Mut haben zu dürfen, im Eiltempo.
    Dir weiterhin viel Spaß im großen Zoo der Menschheit.

    Gefällt 1 Person

    1. Scham, braucht man angesichts so mancher Aus- oder Einsicht eigentlich nicht zu haben! Wie man teilweise sehen kann, gibts nichts, was es nicht gibt. Man fällt selbst dabei fast nicht mehr auf.
      Ausser natürlich, man würde nackt rumlaufen 😉
      Ich liebe es, durch Zoos zu laufen 🙂

      Gefällt 1 Person

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