Headplugs – wie man sich die Birne verkorkt

Ist es wirklich schon so schlimm? Ist die Welt so schlecht? Muss man das wirklich machen? Kann man nicht (mehr) ohne? Braucht man das inzwischen immer?

Die Frage, die sich mir teilweise stellt, ist die Frage nach dem Sinn, dem Nutzen, dem Warum?
Grundlegend fällt es mir schon einige Zeit auf, dass man immer weniger Leute von meiner Sorte trifft. Irgendwie scheine ich schon zur Minderheit zu gehören.

Ich höre natürlich auch gerne Musik. Verschiedenste Sachen. Ich hab durchaus den Radio an, hab Playlists etc.

Aber muss man sich echt dauerbeschallen lassen? Muss man immer und überall die Kopfhörer auf haben, die Stopel in den Ohren haben?

Was bitte, ballert man sich den lieben langen Tag ins Gehör, wenn ohnehin schon immer und überall Krawall, sprich Dauerbeschallung läuft?

Oder soll das eine Schutzmaßnahme eben gegen diese Dauerbeschallung sein?

Ich hab keine Ahnung.
Ich bin ein ohrstoppelfreier Mensch!

Als Kind, als die ersten Walkman auf den Markt kamen, da war ich auch an vorderster Front! Da hatte man noch die kleinen Kopfhörer mit dem dünnen Metallbügel an der Rübe. Jetzt muss es entweder aussehen, als hätte man einen Akustik-Tampon samt Rückholdödel im Ohr, oder man hätte ein Megaorchester an der Ohrmuschel kleben.

Miniklein mit ich-erwisch-es-geradenoch Ömmeln dran, oder riesen Geräte mit dicken, gepolsterten Bügeln. So nach dem Motto: Akustischer Überrollbügel und Helmersatz.

Weggedröhnt, endlosbeschallt und akustisch weggeblendet. Teilnahmslos an Allem. Gerade in Städten und anderen Ballungsräumen, fällt es auf.
Jeder drückt sich vor Kommunikation, schaltet seine Playlist auf „ausblenden“ und wippt stumm und teilnahmslos mit irgend einem Körperteil.

Hä, als dauerfrage, wenn mal jemand etwas deutet, sagt, oder auch nur hinsieht. Man hört ja nichts mehr.

Irgendwie kommts mir zwar nett vor, wenn sich jemand alleine seine eigene Musikrichtung reinzieht, mich und andere damit nicht quält, aber etwas einsam und verloren kommen mir diese zugestoppelten Herrschaften schon vor.

Persönlich würd ich diese Stoppel ja sicherlich dauernd verlieren oder sie absichtlich in die Tonne treten. Alleine die Vorstellung, ich müsste mir früh morgens schon die Birne vollgröhlen und zurappen lassen.

Aber! jedem das Seine!

Ist nur schade. Man könnte so schön Smaltalk machen, übers Wetter schimpfen, sich über die Tussi da drüben, den Vollhonk da rechts auslassen.

Aber nein, Stoppel rein, den Rückholbügel ausgefahren, ein Druck aufs Handy und schon ist die Welt weg. Auf Endlosschleife gestellt.

10 Kommentare zu „Headplugs – wie man sich die Birne verkorkt“

  1. Ich gehöre auch zu diesen „verkorksten Verkorkern“ 😄.
    Besonders abends nach der Arbeit, in der Bahn! Nein, da will ich das Leben anderer nicht ungefragt ins Ohr gedrückt bekommen, durch lautes telefonieren oder lautstarker Unterhaltungen. Ich will da nur meine Ruhe und relaxen. Tja, und das geht am besten mit der Lieblingsmucke, je nach Laune. Und seine eigenen Gedanken kann man auch besser hören oder eben übertönen.
    Sicher, man könnte sich unterhalten. Aber mit wem bitte? Lehrerin Trude aus dem Gymnasium, die sich über die Plagen, und/oder unverschämte Eltern aufregt? Oder Bauarbeiter Manfred, der gut riechend sein Feierabendbier killt? Der ewige Student Kai-Uwe-Sören, der mit mir über Covid diskutieren will? Oder Oma Erna – früher war alles Besser? Jo, war es. Oder Mutter Jaquceline, die mit ihrer Tochter Andalusia-Greta überfordert ist?
    NEIN! Nicht nur mit wem, auch über was? Es wird doch immer nur noch geschimpft und gesudert.
    Wenn der Tag eh schon bescheiden war, die Seele eh angeknackst, die arbeitslosen Studenten einem am Bahnhof eh auch schon ein Ohr abquatschen wollten und ein Autogramm für was weiß ich für wieviel Geld haben wollten, dann will ich meine Ruhe.
    Und ich könnte mir vorstellen, dass es anderen auch so geht ….
    Oder einfach nur abgestumpft und ignorant sind.

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    1. Da kanns natürlich helfen, sich die „Birne zu verkorken“! Mein Fall ist es nicht. Darum fällt es mir vielleicht so stark auf.
      Ich drehe alles ab. Radio, TV, einfach alles, schalte regelrecht ab. Auf Stille.
      Der Lärm rundherum, wenn ich ihn denn so um mich habe, bringt mich meist eher dazu, mir die Leute anzusehen, die verschieden Typen etc.
      Das „Gedudle“ im Ohr, würde mich persönlich, da sicherlich eher zum überlaufen bringen! Das würden die meisten dann nicht aushalten 😉
      Ich setze meist eine leicht grimmige Maske auf, blicke etwas streng, schon hab ich meine Ruhe 😉

      Gefällt 2 Personen

      1. Och die Leute beobachten mach ich auch gerne, und grimmig gucken erst, ach, da bin ich Meister.
        Aber da sieht man mal wieder, wie verschieden die Menschen sind.
        Komplette Stille liebe ich nur in der Natur, ohne Verkehrslärm. Das ist herrlich.

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      2. Ich hör mir gelegentlich auch mal gerne den völligen Schwachsinn an, den so manch Zeitgenosse, und Genossin natürlich, so von sich gibt. Ist so manchen Lacher wert! Da würde der optische Eindruck manchmal nicht zur völligen Erheiterung reichen 😉

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  2. Ich höre ab und zu Musik oder Hörbuch, aber wie du schon schreibst, es ist eine Frage der Menge und Dauer. Und die kleinen weißen Stöpsel ohne Kabel sehen echt doof aus, da müssen die Produkt-Designer wohl noch mal ran

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    1. Mir fallen (hauptsächlich natürlich) diese Dauerträger auf, bei denen man schon das Gefühl hat, die Ohrtampons wären schon eingewachsen.. 😉 Die Optik ist mir nicht so wichtig. Nett finde ich es, dass man die Dinger sieht. Man könnte sonst den Verlust von geistiger Funktion vermuten 😉

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  3. Sprechen ist doch überbewertet – das machen nur die Oldies. Ich habe gelernt, beim Besuch der adoptierten Nachzuchtbrut, dass man sich mit mitte 20, nebeneinandersitzend auch via Whatsdings unterhält – hier herrscht für die Generation jetzt übrigens Technikfreie-Zone. Musik muss dann direkt das Fideoooooo sein, weil is eben so…

    Ich mag es still und komme schnell an die Grenzen, wenn zuviel Beschallung um mich rum ist – Musik in geringer Dosis, außer mein Umfeld nervt, dann kommen die Dinger auf den Kopf und ich tauche ab. Wenn der Ganter wirklich singt und klampft, dann darf es auch mal ne Stunde zwei sein…

    Der Eheganter, seines Zeichens Musiker, kann gar nicht genug Beschallung um sich rum haben und die dann bitte auch so, dass ich sie mithöre. Also tagsüber, beim Arbeiten im Garten, eigentlich immer, ganz besonders „nett“: man schaut einen spannenden Thriller, eine Reportage oder was auch immer und schwupps greift da jemand neben dir zur Klampfe und zupft sich was zurecht oder muss sich ein Musikstück anhören – klar ohne Stöpsel…

    Die Überrollbügelträger finde ich lustig, bei den Stöpslern, besonders denen auf dem Fahrrad, frag ich mich zwischendurch ob da nicht „links, rechts, links, rechts – rollen…“ gespielt wird…

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    1. Ich wurde offenbar zum Beschallungsmuffel 😉 Auch wenn ich 5 Std im Auto sitze, vermiss ich den Schallmüll nur selten.
      Ich hab dann Zeit zum denken (für mich zumindest).
      Die Bügelboys und Girls, habens voll drauf! Entweder ist das wirklich ein Überrollbügel, oder wärmt die Ohren! Hab ich noch nicht eruiert 😉
      Die Fraktion der Stöpsler, die sind angeblich total in oder out! Je nachdem, wen man begfragt.
      Beides nichts für den P! Aber, jedem das Seine! 🙂

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