Rückblicke: Vom großen, alten Mann und dem Energiedrink. Vom vermeintlichen ausbrechen.

Viele, viele Jahre hatte sich der große (dann alte) Mann ganz flott die Kante gegeben, gab Gas, gönnte sich viele Dinge. Irgendwann bremste ihn die Vernunft, die Gesundheit und auch die kleine, aber starke Ehefrau ein.
Als Pensionist bzw Rentner wurde es dann ruhiger. Ausflüge zu Kumpels und Freunden wurde unspektakulärer, gelegentliche Ausrutscher seltener. Passierten irgendwann überhaupt nicht mehr. Krankheiten kamen dazu.

Irgendwann schlich sich der Tod ins Haus, nahm ihm die kleine, aber sehr starke Frau innerhalb kurzer Zeit weg! Der Krebs nahm sie ihm.

Da stand er nun. Alleine. Der große, alte Mann stand alleine da.

Er entdeckte die vermeintliche Freiheit für sich. Er glaubte eingesperrt gewesen zu sein, wollte ausbrechen. Er schob alles weg, wollte die vielen, vielen Jahre einfach in die Tonne schmeissen. Er schmiss ganze Schachteln an Dingen weg. Karrte Säcke voll Dinge zur Entsorgung und präsentierte sich als armer, starker, einsamer, wilder Mann.
Der er nicht war. Der er nicht mehr war. Er war ein großer, alter Mann, dem man seine zweite und auch beste Hälfte genommen hatte.

Ausbrüche in die vermeintliche Freiheit!
Er unternahm sie! Er kaufte sich seine geliebten Energiedrinks, verspeiste seine Lieblingsspeisen, tat dies, tat jenes. All dies nur, um seine vermeintliche Freiheit zu feiern.

Er musste es büßen! All diese Dinge, Getränke, Speisen etc. All dies, hatte ihm nicht die kleine, starke Frau verboten, nein, es war sein eigener Körper und sein Alter.
Sein Kopf wollte solange, bis der Verstand siegte.

Er war nicht der Verlierer. Er musste nicht ausbrechen. Er war einfach nur alleine.

Irgendwann, einige Jahre nach all diesen Dingen, diesen Aktionen, diesen Ausflügen in die angeblich so freie Welt, ging auch er. Alleine.
Viele seiner Freunde, viele seiner besten Freunde von damals, viele seiner ehemaligen Arbeitskollegen waren schon gegangen, oder folgten ihm bald.

Dies Alles, ist auch schon viele Jahre her….

Erinnerungen

Gedanken an meinen Schwiegervater, der nach dem Tod seiner Frau, seine vermeintliche Freiheit entdeckte.

Aktuell beobachte ich mich selbst. Ich schaue mir selbst über die Schulter. Ich muss nicht ausbrechen, muss keine Freiheit suchen. Ich bzw wir hatten sie gemeinsam. Ich und wir, waren nie eingesperrt, haben uns auch nie so gefühlt.

2 Kommentare zu „Rückblicke: Vom großen, alten Mann und dem Energiedrink. Vom vermeintlichen ausbrechen.“

  1. Fühl dich feste umarmt. Eure Gemeinsamkeit war eure Freiheit und du machst das schon ganz richtig, deine Schritte langsam in deinem Tempo zu gehen. Schau dir über die Schulter aber sei nicht so streng mit dir :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Ich brauch meine Zeit. Die muss ich mir auch nehmen! In Löcher zu fallen, mich zu vergraben oder gar unter zu gehen, kann und soll nicht geschehen. Das hätte meine mir Anvertraute auch nicht gewollt.
      Stimmt, wir beide hatten unsere Freiheit miteinander!

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