651+/ Ein Tag der Trauer und Erinnerung. Ein schwarzer Jahrestag

Heute vor genau einem Jahr, am 1.4.2020 um 15:15 war es.
Meine mir Anvertraute hat den Kampf mit und gegen den Krebs und seine Auswirkungen beendet.

Es gibt Formulierungen, Texte, die verfasst wurden. Gedichte wurden geschrieben, Lieder, ganze Arien zum Thema Tod getextet. Vom Trauerredner bis zum Psychologen, versuchen Viele, den Tod und das Sterben zu erklären, die Hinterbleibenen zu trösten und Alles erträglich zu machen.

Aber all das hilft nichts bis nur sehr wenig.

Es ist gerade die Trauer um einen geliebten Menschen, die einem auch nachhinein noch so einiges erklärt und zeigt.

All die Dinge, die einem in vielen Jahren des Zusammenseins so passieren, egal ob positiv oder negativ, sind die Teile der Geschichte, die einem schlagartig bewußt werden. Es kommen Momente, Augenblicke, Geschehnisse, Erinnerungen zum Vorschein, bei denen man geglaubt hat, sie wären unwichtig gewesen.
Zum jeweiligen Zeitpunkt des Geschehens waren sie es vielleicht. Danach nicht mehr…

Du bist gegangen, hast den letzten Kampf der Schlacht um und mit dem Krebs beendet. Heute, vor genau einem Jahr, vor genau 365 Tagen, am 1.4.2020 um 15:15 war es.
In Ruhe, ohne Schmerzen, ohne die befürchtete Quälerei. Einfach, still und leise.

Wir haben dich verloren, vermissen dich, trauern um dich.
Ich spreche immer noch oft mit dir, decke dich zu, schaue nach, habe dich bei mir…. alles in Gedanken! In der Realität ist es Ähnlich. Ich sehe dich jeden Tag, kann dich und dein Grab sehen und besuchen, an dich denken, dich vermissen so und so.

Aber eines ist mir auch sehr schnell klar geworden!
Wir haben dich verloren. Eine Mutter, Ehefrau, Schwägerin, Schwester, Tante, Schwiegertochter, Cousine, und vieles mehr.

Wir haben dich verloren! Das stimmt!
Um vieles trauriger, teilweise erschreckender, ist jedoch der Gedanke, dass wir „nur“ dich verloren haben, du hast jedoch „Alles“ verloren. Das Leben.

Die Trauer, die Verzweiflung, mit der man zurückbleibt, treibt teilweise bunte bis schwarze Spiele mit einem. Positive Erinnerungen wechseln sich mit Angst, Trauer und teilweise sogar Zorn auf den Tod ab. Es mischt sich Lustiges mit Traurigem, es schieben sich dicke Trauerwolken vor die schönen Momente, Minuten später dreht sich alles um.
Wechselbäder der Gefühle, keine Ahnung, wie mans sonst nennen soll.

Ich hing im letzten jahr bei vielen Dingen sprichwörtlich in der Luft. Wie viele Andere, die jemanden verloren haben, natürlich auch. Die Welt, die es mit einem Schlag aus den Angeln hebt, beginnt sich sehr schnell danach wieder holprig zu drehen. Man kann es nicht stoppen.
Viele Dinge prasseln auf einen ein, Vieles ist zu entscheiden, zu ändern, zu machen zu tun.
Irgendwann, irgendwann,…. Irgendwann wird es dann ruhiger. Die Welt dreht sich immer noch, muss man wieder aufspringen, sich mitdrehen, sich mitdrehen lassen. Die Gefahr, runter zu fallen, nicht mehr aus diesem Loch zu kommen, in das man gefallen ist, ist da!

Du selbst warst es, die mich lange vorher, indirekt auch darauf schon hingewiesen hat! Du wusstest es, dass du irgendwann von einer der vielen Kämpfe, die du gegen den Krebs ausgefochten hast, nicht mehr als Sieger hervorgehen würdest.
Du warst es, die sich indirekt und teilweise auch sehr direkt, damit auseinandergesetzt hat.
Du warst es selbst, die sich, mich und uns in eine positive Richtung gelenkt hat.
Unsere vielen Gespräche über so Vieles, waren wertvoll.

Und am Schluss war es die Ruhe.

Dir ist viel erspart geblieben! Der Virus, von dem du nur wenige Tage vor deinem Tod gehört hast, ist dir ebenso erspart geblieben wie die vielen Auswirkungen, die dieser gebracht hat. Du hast sicher mitbekommen, was alles so abgelaufen ist, in den letzten 365 Tagen. In den 365 Tagen, seit denen du nicht mehr hier bei uns bist.
Du hast aber auch davon profitiert. Du hast von den ersten Einschränkungen die damals eingeführt wurden, profitiert. Dein Profit, den du dir immer gewünscht hast, war, im Krankenhaus auf der Palliativstation in Ruhe von dieser Welt gehen zu dürfen. Dieser Wunsch ging in Erfüllung.
Weitere Dinge, wie die Verabschiedung im kleinsten familiären Kreis, die Beisetzung der Urne an „deinem Platz“. All dies wurde durch die Sache mit dem Virus sogar erleichtert!

Vieles hat sich getan, sich verändert, seit dem du nicht mehr da bist.
Vieles hat sich auf den Kopf gestellt, Ämter wollten Dies, forderten Jenes, Behörden schlugen hier zu, schlugen dort zu. Briefe, Formulare, Schreiben.

Irgendwann wurde auch das weniger, lief seine Bahnen, wurde amtlich abgeschlossen.

Und am Schluss war es die Ruhe.

Die Ruhe ist es, die mich hält. Auch heute noch. Die Ruhe, die ich am 1.4.2020 gegen 15:15 fühlen,sehen und mit dir erleben durfte. Du hast mir die Möglichkeit gegeben, dich bis zum Schluss, bis zum letzen Moment, bis zum letzten Augenblick begleiten zu dürfen.
Dies war und ist eines der schönsten Geschenke, die ich jemals erhalten habe.

Es war und ist für mich ein Moment, an dem ich mich immer festhalten kann, wenn und wann ich es brauche.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ich habe ihn oft verwendet, geschrieben, gesagt. Diesen einen, eigenartigen Satz. Eigenartig, da er eigentlich nicht stimmt. Die Hoffnung stirbt nie. Wie ich schon mal geschrieben habe, verändert sich die Hoffnung. Sie verändert sich in die Hoffnung, dass es dir jetzt gut geht, du Ruhe hast, und dich nicht mehr mit so mancher „Sache“ herumschlagen musst.

Und am Schluss war es die Ruhe.

Gedanken, Erinnerung, Vermissen, Liebe, Trauer und die Art damit umzugehen…….


10 Kommentare zu „651+/ Ein Tag der Trauer und Erinnerung. Ein schwarzer Jahrestag“

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