Tag 88 – Hol mich hier raus!

Freitag. Tag 3 vom 4ten Chemoblock.
Am Vormittag lassen die Infusionen auf sich warten. Die Visite auch. Die Stimmung meiner Frau wackelt. Sie möchte nach Hause.

Mittags.
Die Stimmung sinkt weiter. Das Essen im Krankenhaus ist grottenschlecht. Der Magen ist aufgrund der Medikamente auch nicht gerade gut drauf.

Früher Nachmittag.
Irgendwann hingen dann die Flaschen doch noch am Infusionsständer. Die Stimmung hob sich irgendwann, dank des nahenden Checkouts doch noch.

„Hol mich hier raus!“ mit diesen Worten wurde ich von meiner mir Anvertrauten beim Betreten des Krankenzimmers begrüßt.

Abflug, Heim. Raus hier!

Der Rest des Tages verlief dann ruhig und entspannt. Schwung holen für den langen Weg, der noch vor ihr (uns) liegt!

Auch heute gilt:

Die Hoffnung stribt zuletzt!

Tag 87 – Toll! Sie leben noch!

Genau so, wie oben beschrieben, war die Aussage de Arztes zwar nicht, aber die Übersetzung bzw Kurzfassung stimmt.

Meine Frau und ich sind beide Freunde der klaren Aussage. Speziell wenn es um Themen wie es aktuell der Krebs ist. Das Ärzteteam, das meine Frau in verschiedenen Fachbereichen behandelt, ist auch der Meinung, dass das klassische Schönreden nichts wert ist. Das ist gut so!

Dass sich der Arzt heute mehr als gefreut hat, dass es meiner mir Anvertrauten (aktuell) den Umständen entsprechend so gut geht, ist sehr positiv für den Kopf und die Stimmung! Dass es vor 3 Monaten ganz und gar nicht gut ausgesehen hätte, die Ärzte die Chancen als schlecht eingestuft haben, war uns beiden bewusst und bekannt.

Als sehr zäher und willensstarker Mensch bezeichnet zu werden, kennen wir beide schon aus vielen anderen Situationen im medizinischen und auch sonstigen Bereich.

Es macht mich stolz, solche Dinge über meine Frau zu hören. Das hilft auch mir!

Die Chemo läuft gut, es schlägt zwar die Übelkeit wieder zu, aber nun ja.

Der Plan für weitere Behandlungen sieht vor, in drei Wochen den nächsten Chemoblock (Nr 5) zu starten. Zeitgleich soll dann auch ein CT und/oder ein MR gemacht werden. Damit soll dann der aktuelle Status der Krebstumore in der Lunge abgeklärt werden. Was dann kommt, wie es weitergeht etc. wird sich zeigen!

Aber:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 86 – Chemo, Block 4

Mittwoch morgens, die Wecker klingeln.
Gut, aber wenig geschlafen. Die halbe Nacht nur Blödsinn geträumt. Die Gedanken kreisen um die Chemowelle, die heute wieder über meine Frau hereinschlägt.
Gedanken….

Anfahrt ins Krankenhaus, kein Bett frei, warten, das übliche Aufnahmegespräch, warten,…  Warten auf die Blutwerte. Stimmt alles?

Jetzt, am Abend kann man sagen, es läuft.
Die Blutwerte sind soweit es der Krebs zulässt, durchaus ok.

Die Chemo läuft!

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 84 – 85

Montag, der 84ste Tag nach der Diagnose.
Das Zittern ist da und wird es auch bleiben. Sonst geht alles seine Dinge.

Dienstag.
Dieser Tag ist wieder so einer, an dem gegrübelt wird. Morgen, Mittwoch geht der Block 4 der Chemo los. Hoffentlich stimmen die Blutwerte, hoffentlich passt alles, hoffentlich klappt alles, hoffentlich ……

Hoffentlich verträgt meine Frau die Chemo, hoffentlich geht es ihr gut, hoffentlich taucht nichts noch Schlimmeres auf, hoffentlich…

 

Wie gesagt:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 82 – Woraus besteht Zorn?

Woraus entsteht er?
Woraus wird er gemacht?
Woher kommt der Zorn?

Blöde Frage oder?

Irgendwann, ich war mal wieder allein im Auto unterwegs (wie so oft), habe ich das Stichwort Zorn vernommen. Aus dem Radio, in einem Song, keine Ahnung. Aufgeschnappt. Einfach so.

Meine Gehirnwindungen fressen gelegentlich Begriffe regelrecht auf, winden und drehen sich dann eine gewisse Zeit um einen solchen und kotzen dann Antworten oder noch mehr fragen aus. Daher die Frage: Woraus besteht Zorn!

Weltpolitisch, philosophisch, weltverbesserisch, etc wirds hier jetzt nicht, Sie brauchen sich nicht ins Beinkleid zu urinieren! Aber versuchen Sie mal, darüber nachzudenken!

Ich habs gemacht! Mann oh mann, da kamen Dinge raus!

Zorn besteht aus:
Dummen, verblödeten, abgrundtief sinnfreien, beleidigenden, gedankenlosen, egoistischen, unverantwortbaren, gemeinen, herablassenden, überheblichen, gierigen, überfressenen, unnötigen Aussagen und Handlungen von Menschen, denen es anscheinend völlig egal ist, wie sich andere fühlen, was sie machen, tun und ausgelöst wird.

Das ist aber nur ein geringer Teil der Inhaltsstoffe von Zorn.

Ein weiterer Inhaltsstoff von Zorn, ist auch Verzweiflung im Anfangs- oder im fortgeschrittenen Stadium. Je nachdem, wie man es sieht.

Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit. All das sind Begriffe und Dinge, die Zorn auslösen. Nicht nur können, sie tun es! Überlegen Sie ruhig mal kurz!

Hilflos, machtlos und irgendwann verzweifelt dazustehen, nichts machen zu können, nicht die Welt retten zu können, nicht mal dem Menschen neben Ihnen helfen zu können, all das treibt Ihnen irgendwann den Zorn in die Rübe!

Glauben Sie nicht? Dann waren Sie entweder noch nie in einer solchen Situation, oder Sie sind einer der Menschen, die ich teilweise bewundere!
Sie sind dann (für mich persönlich) einer der Menschen, denen alles sowas von am Arsch vorbeigeht, dem nichts und niemand an die Karre fahren kann, der egoistisch über Leichen geht, sich an deren Überresten auch noch erfreut und lacht. Sie habens gut! Sie denken niemals nach. Muss schön sein…..

Ich kanns nicht! Ich bin ein Mensch, der Zorn kennt. Nicht immer zur besten Zeit, nicht immer am besten Ort, nicht immer passend, aber ich habe sie noch, diese Fahigkeit zornig werden zu können.

Warum schreibt dieser Typ diesen Mist?

Ganz einfach! Ich bin aktuell des Zorns kleiner Bruder! Wir sind momentan eng verbunden. Der Zorn und ich!

Ich stehe da, sehe, fühle und spüre, dass meine Frau gegen den Krebs kämpft. Sie kämpft gegen das Zittern in den Händen, kämpft gegen die Auswirkungen der Chemotherapie, kämpft gegen die Auswirkungen der Krebserkrankung, kämpft gegen Schmerzen, kämpft gegen das Nicht-mehr-so-wie-vorher-können, kämpft gegen die bleibenden Veränderungen, gegen die kommenden Veränderungen.

Und ich? Ich stehe daneben und schaue blöd aus der Wäsche. Denn ich kann nichts machen.

Ich bin zornig!

Denn: Zorn wird ja auch aus Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit gemacht.

Das ist ein Scheißgefühl.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

… der Satz bleibt! Jawohl!

Tage 77 / 78 / 79 / 80 / 81

Montag (Tag77) gings bei mir ab zum Kunden  – Außendienst, Firma, etc. – Mittwoch Abend wieder heim.
In den heimischen Gefilden lief es laut meiner mir Anvertrauten gut, nichts passiert. Alles OK!
Das beruhigt!

Donnerstag stand bei mir dann ein Homeofficetag an.
Morgens mal kurz Verbandwechsel bei meiner Frau. Der Zugang der zur leichteren Verabreichung der Chemo gelegt wurde, heilt irgendwie schlecht ein… bzw. die letzten Millimeter müssen noch zuheilen.

Sonst verlief in dieser Hinsicht der Donnerstag normal.

Freitags (Tag 81) war dann Nachmittag Schönheits- und Seelenpflege angesagt:
Maniküre und Pediküre ist dran. Sollten Sie jetzt glauben, dass das ja nichts ist, haben Sie sich getäuscht! Das ist ein Schritt näher ans normale Leben heran! Das ist ein „Wieder zurück in die Normalität-Kommen“. Ein „Ich komme wieder unter die Leute-Tag“ oder auch ein „Ich bin wieder da-Tag!“ für meine Frau!
Und das ist gut so!

Rauskommen, mal was anderes sehen, mit Leuten plaudern, wieder zurück ins normale Leben kommen! Das ist sehr wichtig! Das hilft der Psyche. Das hilft dem Menschen.

Der eine Satz, der diese Sache von Anfang an verfolgt, der kommt natürlich auch noch!
Am Ziel sind wir trotz allen diesen positiven Dingen und Tagen, noch lange nicht angekommen. Der Krebs ist noch da. Leider! Aber…..

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 76 – Das Leben kehrt zurück

Die Schreibübungen der letzten 2 Wochen haben Erfolg gezeigt. Bis auf eine etwas eckige Schrift, klappts bei meiner mir Anvertrauten schon wieder ganz gut mit dem Schreiben!

Beim geliebten Kochen siehts gleich gut aus.
Bis auf kleine Einschränkungen klappts wieder fast so wie vorher mit dem Kochen. Die Kraft in den Händen fehlt noch etwas, die Rezepte flutschen auch noch nicht so gut raus wie früher, aber es wird!

Die Leistungsfähigkeit – ich spreche von der von ihr gewünschten und von sich selbst geforderten – ist natürlich noch nicht so da, wie es war, aber das es gibt ja auch kein Muss! Zumindest nicht für mich.

Dann gab/gibt es noch die Sache mit dem konzentriert Lesen. Das ist noch ein kleines Thema. Aber eben nur eine kleines ..

Autofahren, bzw die Mobilität! Das war bis heute ein Riesenthema! Einen Kilometer zufuß rumzulaufen geht nicht. Das lassen die Kräfte nicht zu. Daher musste heute der ultimative Test her!

Autofahren! Im Ort, kurze Strecken wohlgemerkt!

Es klappt! Ein selbstständiger Besuch im Lebensmittelladen, ein Besuch beim Arzt, ein Besuch der Tochter, etc. ist damit wieder möglich. Auch ohne mich als Fahrer und Begleiter.
(Öffentliche Verkehrsmittel sind bei uns definitiv Mangelware..)

Man sieht! Es geht bergauf!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!