Tag 15 – Chemo und Bestrahlung

Auch an diesem Tag muss ich mich geschlagen geben. Besuch nicht mehr möglich.

Die Chemotherapie und die Bestrahlung wurde am Nachmittag durchgeführt bzw verabreicht.

Morgen dann! Ja morgen gehts wieder ab zu meiner Frau! Es fehlt mir einfach, wenn ich sie nicht besuchen kann…. (Auch wenn ich die Familie um sie kümmert….)

Danke an alle, die die Daumen drücken, Glückwünsche schicken und und und!
Es wird jeder Daumen gebraucht!

Ach ja! Heute im Postkasten: Die erste Rechnung eines Krankenhauses! Selbstbehalt!
Die Summe ist nicht hoch. Es ist mir gelinde gesagt „scheixxegal, aber die Geschwindigkeit der Rechnungslegung finde ich grandios. Wenn da niemand nachsieht, liegt man im Krankenhaus, kämpft ums Überleben und bekommt dann eine Mahnung auch noch…. Bürokratie pur!

Angst bereitet mir der Gedanke, dass die Chemo und die Bestrahlungen nichts bringen, eventuell sogar mehr ruinieren als nützen…

aber:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 14 – abgelenkt aber gut informiert

Abgelenkt durch wirklich viel Arbeit, vergeht der Tag sehr schnell. Abends jedoch, ist das dringende Bedürfnis, bei meiner Frau zu sein wieder sehr groß.

Es ist mir bewusst, dass ich nicht helfen kann, aber trotzdem. Es ist schwer. Ich hoffe für sie nicht so sehr.

Die Behandlung hat begonnen. Ich möchte sie unterstützen, so wie sie es schon so oft für mich getan hat. Aber es geht noch nicht.

Die Familie hält mich auf dem Laufenden. Dafür bin ich allen sehr dankbar. Sie können auch nur unterstützen, in diesem unwichtigen Bereich, eben mich.

Ich habe Angst. Aber das liest man sicher schon zwischen den Zeilen.

Hoffnung hab ich noch.

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 13 – Infos aus dem Krankenhaus

Der erste Arbeitstag nach meiner Zwangsarbeitspause beruhigt mich nicht wirklich.
Ich sitze dienstlich ca 300km weit von meiner Frau entfernt bei einem Kunden fest. Es muss sein. Unangenehmes Gefühl kann ich nur sagen.
Ändern, beschleunigen, verbessern etc, kann ich nichts, aber es ist trotzdem ein ungütes Gefühl, nicht in Ihrer Nähe sein zu können.

Aber!
Die Familie (zumindest die meisten davon) helfen wo sie nur können. Die Besuche sind so geplant, dass sie keinen Tag alleine und ohne familiäre Unterstützung im Krankenhaus festhängt. Ich fände es schrecklich, wenn ich wüsste, dass sich keiner kümmert! Auch wenns nur eine halbe Stunde am Tag ist, die sie momentan durchhält.

Da sein! Ich finde es einfach wichtig und richtig…..

Stabil und „gut drauf“, sind heute die Kurzform der Nachrichten, die ich erhalten habe.
(Ich möchte ja wissen was los ist)

Morgen dann die erste Bestrahlung, vielleicht auch die erste Chemo. Das hängt alles davon ab, wie gut sie das alles verträgt und verkraftet. Angst! Ich hab Angst um sie!

Ich hänge hier herum, ärgere mich über Kunden, sinnlose Verzögerungen, ausgeschaltete Server und lahme Internetanbindungen…. Nicht gut….
Aber eigentlich im Gegensatz dazu, was bei meiner Frau (und vielen Anderen) so alles abläuft, eigentlich völlig unwichtig.

Ich hoffe! Ich hoffe! Ich hoffe!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 12 – es beginnt

Über die Angst brauch ich ja vermutlich nicht mehr so viel sagen.

Heute konnte gestartet werden, worauf gehofft wurde, und wovor meine Frau sich auch gefürchtet hat.

Die Untersuchung, wie, womit und vor allem ob man den Krebs bekämpfen kann. Ein besiegen ist schon so gut wie ausgeschlossen.

Die Angst, es könnte noch mehr zu Tage kommen, war unbegründet. Diese Form von Krebs ist nur mehr schlecht zu toppen.

Morgen, Dienstag, kann die Maske erstellt werden, die den Kopf bei der Bestrahlung, die ab Mittwoch beginnt, fixiert und die Strahlung gezielt auf die Metastasen gerichtet werden kann.

Der Gedanke an das Ganze, lässt mich irgendwie zittern, aber es ist ein Weg, der gangbar ist. Ob es ein Versuch ist, eine Hoffnung gibt, oder die einzige Chance, möchte ich im Moment wissen, aber auch nicht!

Ich möchte, dass es meiner Frau gut geht! Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Ich liebe sie!

Chancen! Ich werde momentan oft nach den Chancen gefragt.

Ich habe keine Ahnung! Die Ärzte auch noch nicht, da sie ja nicht wissen können, wie gut die Metastasen zu behandeln sind und wie gut, meine mir Anvertraute die Behandlung verträgt.

Wobei wir wieder bei der Hoffnung angelangt wären…

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 11

Die Angst ist immer noch groß.
Jetzt beginnt offenbar die Verzweiflung und die Angst vor immer schlechteren Nachrichten bei meiner Frau zu wachsen.
Morgen, die langen Tage der zwangsweisen Ruhepause ist vorbei, sollen die ersten Untersuchungen zum Thema Krebsbehandlung starten, besser gesagt, weitergehen.

Was kommt, was ist bereits bekannt? Kommt noch mehr, Wird es noch schlimmer als es jetzt schon ist?

Aufgeben?

Mir gegenüber ist sie (fast) die Starke. Ich habe sogar seit 2-3 Tagen das Gefühl, dass sie mich beruhigen und sogar in dieser Situation noch unterstützen möchte. Unglaublich.
Ich habs gefühlt, nicht gefragt, und doch gewusst.
Heute hat sich meine Vermutung bestätigt. Meiner Schwägerin hat sie dann offen gebeichtet, was ich eben schon vermutet habe: Sie denkt ans aufgeben!

Einfach heimgehen, die Zelte im Krankenhaus abbrechen, einfach heimgehen….
…. und keine Krebsbehandlung mit Chemo und/oder Bestrahlung machen…
Aufhören, heimgehen und daheim auf das Unvermeidliche warten…

Aufhören, abbrechen, aufgeben, heimgehen um zu sterben?
Kampflos? Es nicht mal versuchen?

Ich wusste nicht, dass man in der schlechtbeleuchteten Tiefgarage eines Krankenhauses so ungestört heulen kann! Jetzt schon!

Die kommenden Tage werden für mich zur Doppelbelastung. Einerseits möchte, will und kann ich meine Frau einfach nicht alleine im Krankenhaus liegen lassen – in diesem Moment schon garnicht – andererseits muss ich für 3 Tage ca. 300km weit weg bei einem Kunden arbeiten. Es geht nicht anders.
Hier greift mir – seih es allen jetzt schon gedankt – der engste Kreis der Familie unter die Arme. Brüder, Schwägerin, Mum, Schwager, alle helfen mit, ihr die langen Tage im Krankenhaus zu erleichtern (und mich auf dem Laufenden zu halten).

Ein Hoch wird von einem Tief gejagt, das wiederum wird von einem Hoch gejagt…. usw.

Ich hoffe nur, dass der Krebs nicht gewinnt.

Aber! Noch hänge ich an dieser Aussage:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 10

Weiterhin Stillstand…

Warten…

Mitansehen, wie sich meine mir Anvertraute bemühen muss, sich zu konzentrieren…
Mitansehen, wie schwer es ist, eine halbe Stunde fit genug zu bleiben, um sich etwas zu unterhalten…

Einen kleinen Wunsch erfüllen zu können, war für mich heute ein gutes Gefühl! Ein Stück Kuchen… Sie möchte so gerne ein Stück Fruchtkuchen, Nur ein kleines Stück.
Schnell ab ins Buffet, das gewünschte Teilchen ge…….
Moment!!! Da stimmt doch etwas nicht!!!!!
Meine Frau hat es doch tatsächlich geschafft, mir die notwendige Zwangspause, die sie in den letzten Tagen immer bei Besuchen machen musste, als „hol mir bitte ein Stück Kuchen-Pause“ zu verkaufen. Ich habs verstanden, mir etwas mehr Zeit gelassen, noch einen Kaffee mitgenommen und dann erst zurück ins Zimmer.

Der Moment, jemandem mit einer Kleinigkeit wie dieser, einen Wunsch erfüllen zu können, erscheint Vielen vielleicht jetzt als lächerlich, mir im Moment allerdings nicht!
Man kann sonst Nichts machen. Genau Nichts!

Auch die Tatsache, dass sie das Stück Kuchen nicht alleine essen konnte, war anfangs für mich erschreckend! (die Hände zittern zu stark) Als ich aber bemerkt habe, dass es das Einzige ist, mit dem ich ihr im Moment helfen und sie unterstützen kann, musste ich stark gegen den Drang loszuheulen ankämpfen.
(Soviel zur Frage vom Tag 9: Stärke)

Angst davor, den Partner eventuell zu verlieren, tut weh! Richtig weh.

Aber, wie schon mehrfach erwähnt! Der Satz, der jetzt kommen muss:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 8

Stillstand.

Elendiger Stillstand.

Warten…..

Man sitzt am Krankenbett, bemerkt Veränderungen.
Veränderungen, die vor einigen Jahren bei meinem Vater auch so begannen.
Damals konnten wir/ich diese Vorzeichen noch nicht deuten. Heute weiß ich leider viel mehr über diese Art der Dinge.  Sie machen mir Angst!

Warum Stillstand?
„Die Patientin ist aktuell nicht stabil genug um weitere Schritte einleiten zu können“ erfuhr ich. Ich danke immer wieder für eine geradlinige Art und Ausdrucksweise von Ärzten. Ich finde es besser und leichter begreifbar, als sinnlos dahingewürgte Wortfetzen. Auch wenn dieser Geradlinigkeit weh tut.

Was kommt jetzt?
Diese Frage wurde mir beantwortet mit: „Warten auf die Stabilität und das Sinken einiger Werte, die noch zu hoch sind.

Noch hat meine mir Anvertraute die mentale Kraft, warten zu können.
Ich bewundere das!

Warten….. hoffen…. bangen…. die Angst verdrängen …. hoffen, hoffen, hoffen…

Aber:
Die Hoffnung stirbt zuletzt