Tag 11

Die Angst ist immer noch groß.
Jetzt beginnt offenbar die Verzweiflung und die Angst vor immer schlechteren Nachrichten bei meiner Frau zu wachsen.
Morgen, die langen Tage der zwangsweisen Ruhepause ist vorbei, sollen die ersten Untersuchungen zum Thema Krebsbehandlung starten, besser gesagt, weitergehen.

Was kommt, was ist bereits bekannt? Kommt noch mehr, Wird es noch schlimmer als es jetzt schon ist?

Aufgeben?

Mir gegenüber ist sie (fast) die Starke. Ich habe sogar seit 2-3 Tagen das Gefühl, dass sie mich beruhigen und sogar in dieser Situation noch unterstützen möchte. Unglaublich.
Ich habs gefühlt, nicht gefragt, und doch gewusst.
Heute hat sich meine Vermutung bestätigt. Meiner Schwägerin hat sie dann offen gebeichtet, was ich eben schon vermutet habe: Sie denkt ans aufgeben!

Einfach heimgehen, die Zelte im Krankenhaus abbrechen, einfach heimgehen….
…. und keine Krebsbehandlung mit Chemo und/oder Bestrahlung machen…
Aufhören, heimgehen und daheim auf das Unvermeidliche warten…

Aufhören, abbrechen, aufgeben, heimgehen um zu sterben?
Kampflos? Es nicht mal versuchen?

Ich wusste nicht, dass man in der schlechtbeleuchteten Tiefgarage eines Krankenhauses so ungestört heulen kann! Jetzt schon!

Die kommenden Tage werden für mich zur Doppelbelastung. Einerseits möchte, will und kann ich meine Frau einfach nicht alleine im Krankenhaus liegen lassen – in diesem Moment schon garnicht – andererseits muss ich für 3 Tage ca. 300km weit weg bei einem Kunden arbeiten. Es geht nicht anders.
Hier greift mir – seih es allen jetzt schon gedankt – der engste Kreis der Familie unter die Arme. Brüder, Schwägerin, Mum, Schwager, alle helfen mit, ihr die langen Tage im Krankenhaus zu erleichtern (und mich auf dem Laufenden zu halten).

Ein Hoch wird von einem Tief gejagt, das wiederum wird von einem Hoch gejagt…. usw.

Ich hoffe nur, dass der Krebs nicht gewinnt.

Aber! Noch hänge ich an dieser Aussage:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!