Tag 82 – Woraus besteht Zorn?

Woraus entsteht er?
Woraus wird er gemacht?
Woher kommt der Zorn?

Blöde Frage oder?

Irgendwann, ich war mal wieder allein im Auto unterwegs (wie so oft), habe ich das Stichwort Zorn vernommen. Aus dem Radio, in einem Song, keine Ahnung. Aufgeschnappt. Einfach so.

Meine Gehirnwindungen fressen gelegentlich Begriffe regelrecht auf, winden und drehen sich dann eine gewisse Zeit um einen solchen und kotzen dann Antworten oder noch mehr fragen aus. Daher die Frage: Woraus besteht Zorn!

Weltpolitisch, philosophisch, weltverbesserisch, etc wirds hier jetzt nicht, Sie brauchen sich nicht ins Beinkleid zu urinieren! Aber versuchen Sie mal, darüber nachzudenken!

Ich habs gemacht! Mann oh mann, da kamen Dinge raus!

Zorn besteht aus:
Dummen, verblödeten, abgrundtief sinnfreien, beleidigenden, gedankenlosen, egoistischen, unverantwortbaren, gemeinen, herablassenden, überheblichen, gierigen, überfressenen, unnötigen Aussagen und Handlungen von Menschen, denen es anscheinend völlig egal ist, wie sich andere fühlen, was sie machen, tun und ausgelöst wird.

Das ist aber nur ein geringer Teil der Inhaltsstoffe von Zorn.

Ein weiterer Inhaltsstoff von Zorn, ist auch Verzweiflung im Anfangs- oder im fortgeschrittenen Stadium. Je nachdem, wie man es sieht.

Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit. All das sind Begriffe und Dinge, die Zorn auslösen. Nicht nur können, sie tun es! Überlegen Sie ruhig mal kurz!

Hilflos, machtlos und irgendwann verzweifelt dazustehen, nichts machen zu können, nicht die Welt retten zu können, nicht mal dem Menschen neben Ihnen helfen zu können, all das treibt Ihnen irgendwann den Zorn in die Rübe!

Glauben Sie nicht? Dann waren Sie entweder noch nie in einer solchen Situation, oder Sie sind einer der Menschen, die ich teilweise bewundere!
Sie sind dann (für mich persönlich) einer der Menschen, denen alles sowas von am Arsch vorbeigeht, dem nichts und niemand an die Karre fahren kann, der egoistisch über Leichen geht, sich an deren Überresten auch noch erfreut und lacht. Sie habens gut! Sie denken niemals nach. Muss schön sein…..

Ich kanns nicht! Ich bin ein Mensch, der Zorn kennt. Nicht immer zur besten Zeit, nicht immer am besten Ort, nicht immer passend, aber ich habe sie noch, diese Fahigkeit zornig werden zu können.

Warum schreibt dieser Typ diesen Mist?

Ganz einfach! Ich bin aktuell des Zorns kleiner Bruder! Wir sind momentan eng verbunden. Der Zorn und ich!

Ich stehe da, sehe, fühle und spüre, dass meine Frau gegen den Krebs kämpft. Sie kämpft gegen das Zittern in den Händen, kämpft gegen die Auswirkungen der Chemotherapie, kämpft gegen die Auswirkungen der Krebserkrankung, kämpft gegen Schmerzen, kämpft gegen das Nicht-mehr-so-wie-vorher-können, kämpft gegen die bleibenden Veränderungen, gegen die kommenden Veränderungen.

Und ich? Ich stehe daneben und schaue blöd aus der Wäsche. Denn ich kann nichts machen.

Ich bin zornig!

Denn: Zorn wird ja auch aus Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit gemacht.

Das ist ein Scheißgefühl.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

… der Satz bleibt! Jawohl!

Tage 77 / 78 / 79 / 80 / 81

Montag (Tag77) gings bei mir ab zum Kunden  – Außendienst, Firma, etc. – Mittwoch Abend wieder heim.
In den heimischen Gefilden lief es laut meiner mir Anvertrauten gut, nichts passiert. Alles OK!
Das beruhigt!

Donnerstag stand bei mir dann ein Homeofficetag an.
Morgens mal kurz Verbandwechsel bei meiner Frau. Der Zugang der zur leichteren Verabreichung der Chemo gelegt wurde, heilt irgendwie schlecht ein… bzw. die letzten Millimeter müssen noch zuheilen.

Sonst verlief in dieser Hinsicht der Donnerstag normal.

Freitags (Tag 81) war dann Nachmittag Schönheits- und Seelenpflege angesagt:
Maniküre und Pediküre ist dran. Sollten Sie jetzt glauben, dass das ja nichts ist, haben Sie sich getäuscht! Das ist ein Schritt näher ans normale Leben heran! Das ist ein „Wieder zurück in die Normalität-Kommen“. Ein „Ich komme wieder unter die Leute-Tag“ oder auch ein „Ich bin wieder da-Tag!“ für meine Frau!
Und das ist gut so!

Rauskommen, mal was anderes sehen, mit Leuten plaudern, wieder zurück ins normale Leben kommen! Das ist sehr wichtig! Das hilft der Psyche. Das hilft dem Menschen.

Der eine Satz, der diese Sache von Anfang an verfolgt, der kommt natürlich auch noch!
Am Ziel sind wir trotz allen diesen positiven Dingen und Tagen, noch lange nicht angekommen. Der Krebs ist noch da. Leider! Aber…..

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 76 – Das Leben kehrt zurück

Die Schreibübungen der letzten 2 Wochen haben Erfolg gezeigt. Bis auf eine etwas eckige Schrift, klappts bei meiner mir Anvertrauten schon wieder ganz gut mit dem Schreiben!

Beim geliebten Kochen siehts gleich gut aus.
Bis auf kleine Einschränkungen klappts wieder fast so wie vorher mit dem Kochen. Die Kraft in den Händen fehlt noch etwas, die Rezepte flutschen auch noch nicht so gut raus wie früher, aber es wird!

Die Leistungsfähigkeit – ich spreche von der von ihr gewünschten und von sich selbst geforderten – ist natürlich noch nicht so da, wie es war, aber das es gibt ja auch kein Muss! Zumindest nicht für mich.

Dann gab/gibt es noch die Sache mit dem konzentriert Lesen. Das ist noch ein kleines Thema. Aber eben nur eine kleines ..

Autofahren, bzw die Mobilität! Das war bis heute ein Riesenthema! Einen Kilometer zufuß rumzulaufen geht nicht. Das lassen die Kräfte nicht zu. Daher musste heute der ultimative Test her!

Autofahren! Im Ort, kurze Strecken wohlgemerkt!

Es klappt! Ein selbstständiger Besuch im Lebensmittelladen, ein Besuch beim Arzt, ein Besuch der Tochter, etc. ist damit wieder möglich. Auch ohne mich als Fahrer und Begleiter.
(Öffentliche Verkehrsmittel sind bei uns definitiv Mangelware..)

Man sieht! Es geht bergauf!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 75 – Softshopping & Cooking

Den Tag mit der mir Anvertrauten beim „Softshopping“ verbracht.

Langsam und gemütlich ein Bisschen einkaufen gehen war das erreichbare Ziel. Aufgrund des durchaus beachtlichen Gewichtsverlustes mussten einige Klamotten her. Nichts dramatische. Ebenso unspektakulär haben wir die Shoppingtour auch gestaltet.
Mit mehr Schwung können wir es aber auch nicht angehen. Das wird sonst schnell zu Viel. Macht aber nix – brauche auch keinen Streß 😉

Gegen Abend schwang Frau mit großem Erfolg dann wieder den Kochlöffel! Ich sag nur: Mahlzeit! Kürbisrisotto mit Filet vom Schwein!

Nebenbei noch etwas Haushalt, mehr nicht!

Langsam, aber sicher gehts bergauf! Ich hoffe, dass das so bleibt!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 74 – Büro, ein nettes Danke, Normalität,…

Nach dem Abschluss der wöchentlichen Bürotätigkeiten, wurden Frau und ich von ihren zu bekochenden zu einem kleinen Besuch eingeladen. Für meine mir Anvertraute gabs ein kleines Geschenk mit einem ganz großen „Gute Besserung!“ und einem dicken „Danke!“.  War sehr nett und kam sehr gut an. Tut der Seele gut 😉

Pause machen war dann notwendig.

Die, wochenlang vernachlässigten Fingernägel der Gattin, wurden auch wieder frisch designt.
Einkauf fürs Wochenende erledigt, gekocht und gegessen, Amazonien für eine kleine Shoppingrunde besucht, fertig war der Tag.

Jetzt kommt noch der stinkfaule Fernsehabend mit Frau, dann lassen wir das Wochenden kommen.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Dieser Satz bleibt! Das ist so!

Tag 73 – Arbeit, Arbeit, ab nach Hause

Der dritte, lange Tag beim Kunden ging irgendwann auch zu Ende.

Ab ins Auto, noch schnell tanken, noch schnell einen kleinen Snack auf den Beifahrersitz geschossen, und ab auf die Autobahn.

Nach einigen Stunden Fahrt, dem erfolgreichen Umschiffen von Münchens Stauparade, hab ichs dann bei eintretenden Starkregen noch bis nach Hause geschafft.

Meine mir Anvertraute wartete sogar noch mit warmen auf  mich.

Ende, aus fertig. Schluss

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 72,5 – Die Welt steht noch

Die Blutwerte meiner mir Anvertrauten sind laut Arzt ganz gut.

Alles Bestens! Besuch hatte sie auch, war versorgt, ist gut drauf, aber müde.

Ein Tag der für sie anstrengend war, geht zu Ende.

Alles ist ok – soweit zumindest!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!