Tag 17 – Es ist Ruhe eingekehrt!

Samstag. Meine, mir anvertraute Ehefrau ist daheim. Ich habe den Einkauf fürs Wochenende erledigt. Die verschriebenen Pillen aus der Apotheke geholt, die notwendige Spritze verabreicht (man hat ja inzwischen Erfahrung in solchen Dingen),
geschaut drauf, dass die Medikation eingehalten wird.

Mittags haben wir dann etwas Essbares auf den Tisch gezaubert.
Ablauf: Ich hab gekocht, meine Frau hat die Kommandos gegeben 😉

Das Mittagsschläfchen war dann für beide dringend notwendig. Ich, weil ich endlich mal wieder zur Ruhe kam, meine Frau, weils einfach dringend notwendig ist, gelegentlich Pausen einzulegen. Anstrengungen und Aufregung ist verboten.

Es ist gut, wieder gemeinsam am Tisch sitzen zu können, ein privates Gespräch mit ihr führen zu können, sich gegenseitig in den Arm nehmen zu können, einfach wieder ein Miteinander zu haben! Es ist wirklich gut!

Der weitere medizinische Weg ist geklärt. Es gibt einen Weg. Einen langen Weg, aber es gibt einen! Am Montag gehts weiter…

Wir hoffen!
Denn – jetzt kommt dieser eine Satz, den Sie hier schön öfters lesen mussten/konnten!:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 16 – der Anruf

In Summe hab ich meine Frau 3 lange Tage nicht gesehen, wurde nur per Whatsapp oder Telefon über den aktuellen Stand informiert.

Heute dann, zuerst ein Termin auf der Bank, dann noch Homeoffice, dann….

Rrrrring!

Das Telefon läutet! Eine typische Krankenhausnummer..
Mir ist vor Schreck das Mobiltelefon fast runtergefallen.

Am anderen Ende das Krankenhaus, in dem meine mir Anvertraute behandelt wird.

Mir Rutscht das Herz in die Hose, und fängt sich erst kurz, als mir der nette Pfleger lapidar erklärt, dass meine Frau morgen, Samstag, entlassen wird!

Am Montag sah die Welt noch sehr grau aus – heute Freitag – komm ich zu ihr ins Krankenzimmer, sie hängt an der Chemotherapie – und sehe meine Frau aufgeregt fuchteln und höre sie fröhlich über die Ärzte lästern.

Mir hat’s fast die letzten Haare vom Kopf gezuckt!

Ja, es stimmt! Eine notwendige Behandlungspause steht an!
3 Tage erstmal Ruhe, dann wieder einen Tag Behandlung, dann 3 Tage Ruhe, den Montag später gehts dann wieder für 3 Tage zur Behandlung ins Krankenhaus. So der Plan!

Tasche zusammengepackt, Frau zusammengepackt und auf einen Rollstuhl verfrachtet, gings ab! Zuhause dann erstmal wieder ein Päuschen, dann erstmal einen Kaffee und ein kleines Gespräch unter 4 Augen. So beruhigend wars schon seit 5 Wochen nicht mehr!

Ich vermute, dass jetzt mal Pflegeurlaub angesagt ist. Mehr sagt uns dann der Hausarzt am Montag. Diesen haben wir bereits für die tägliche Kontrolle und als Berater engagiert

Wie Sie sehen, besteht Hoffnung!
Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

Tag 15 – Chemo und Bestrahlung

Auch an diesem Tag muss ich mich geschlagen geben. Besuch nicht mehr möglich.

Die Chemotherapie und die Bestrahlung wurde am Nachmittag durchgeführt bzw verabreicht.

Morgen dann! Ja morgen gehts wieder ab zu meiner Frau! Es fehlt mir einfach, wenn ich sie nicht besuchen kann…. (Auch wenn ich die Familie um sie kümmert….)

Danke an alle, die die Daumen drücken, Glückwünsche schicken und und und!
Es wird jeder Daumen gebraucht!

Ach ja! Heute im Postkasten: Die erste Rechnung eines Krankenhauses! Selbstbehalt!
Die Summe ist nicht hoch. Es ist mir gelinde gesagt „scheixxegal, aber die Geschwindigkeit der Rechnungslegung finde ich grandios. Wenn da niemand nachsieht, liegt man im Krankenhaus, kämpft ums Überleben und bekommt dann eine Mahnung auch noch…. Bürokratie pur!

Angst bereitet mir der Gedanke, dass die Chemo und die Bestrahlungen nichts bringen, eventuell sogar mehr ruinieren als nützen…

aber:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 14 – abgelenkt aber gut informiert

Abgelenkt durch wirklich viel Arbeit, vergeht der Tag sehr schnell. Abends jedoch, ist das dringende Bedürfnis, bei meiner Frau zu sein wieder sehr groß.

Es ist mir bewusst, dass ich nicht helfen kann, aber trotzdem. Es ist schwer. Ich hoffe für sie nicht so sehr.

Die Behandlung hat begonnen. Ich möchte sie unterstützen, so wie sie es schon so oft für mich getan hat. Aber es geht noch nicht.

Die Familie hält mich auf dem Laufenden. Dafür bin ich allen sehr dankbar. Sie können auch nur unterstützen, in diesem unwichtigen Bereich, eben mich.

Ich habe Angst. Aber das liest man sicher schon zwischen den Zeilen.

Hoffnung hab ich noch.

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 12 – es beginnt

Über die Angst brauch ich ja vermutlich nicht mehr so viel sagen.

Heute konnte gestartet werden, worauf gehofft wurde, und wovor meine Frau sich auch gefürchtet hat.

Die Untersuchung, wie, womit und vor allem ob man den Krebs bekämpfen kann. Ein besiegen ist schon so gut wie ausgeschlossen.

Die Angst, es könnte noch mehr zu Tage kommen, war unbegründet. Diese Form von Krebs ist nur mehr schlecht zu toppen.

Morgen, Dienstag, kann die Maske erstellt werden, die den Kopf bei der Bestrahlung, die ab Mittwoch beginnt, fixiert und die Strahlung gezielt auf die Metastasen gerichtet werden kann.

Der Gedanke an das Ganze, lässt mich irgendwie zittern, aber es ist ein Weg, der gangbar ist. Ob es ein Versuch ist, eine Hoffnung gibt, oder die einzige Chance, möchte ich im Moment wissen, aber auch nicht!

Ich möchte, dass es meiner Frau gut geht! Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Ich liebe sie!

Chancen! Ich werde momentan oft nach den Chancen gefragt.

Ich habe keine Ahnung! Die Ärzte auch noch nicht, da sie ja nicht wissen können, wie gut die Metastasen zu behandeln sind und wie gut, meine mir Anvertraute die Behandlung verträgt.

Wobei wir wieder bei der Hoffnung angelangt wären…

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 11

Die Angst ist immer noch groß.
Jetzt beginnt offenbar die Verzweiflung und die Angst vor immer schlechteren Nachrichten bei meiner Frau zu wachsen.
Morgen, die langen Tage der zwangsweisen Ruhepause ist vorbei, sollen die ersten Untersuchungen zum Thema Krebsbehandlung starten, besser gesagt, weitergehen.

Was kommt, was ist bereits bekannt? Kommt noch mehr, Wird es noch schlimmer als es jetzt schon ist?

Aufgeben?

Mir gegenüber ist sie (fast) die Starke. Ich habe sogar seit 2-3 Tagen das Gefühl, dass sie mich beruhigen und sogar in dieser Situation noch unterstützen möchte. Unglaublich.
Ich habs gefühlt, nicht gefragt, und doch gewusst.
Heute hat sich meine Vermutung bestätigt. Meiner Schwägerin hat sie dann offen gebeichtet, was ich eben schon vermutet habe: Sie denkt ans aufgeben!

Einfach heimgehen, die Zelte im Krankenhaus abbrechen, einfach heimgehen….
…. und keine Krebsbehandlung mit Chemo und/oder Bestrahlung machen…
Aufhören, heimgehen und daheim auf das Unvermeidliche warten…

Aufhören, abbrechen, aufgeben, heimgehen um zu sterben?
Kampflos? Es nicht mal versuchen?

Ich wusste nicht, dass man in der schlechtbeleuchteten Tiefgarage eines Krankenhauses so ungestört heulen kann! Jetzt schon!

Die kommenden Tage werden für mich zur Doppelbelastung. Einerseits möchte, will und kann ich meine Frau einfach nicht alleine im Krankenhaus liegen lassen – in diesem Moment schon garnicht – andererseits muss ich für 3 Tage ca. 300km weit weg bei einem Kunden arbeiten. Es geht nicht anders.
Hier greift mir – seih es allen jetzt schon gedankt – der engste Kreis der Familie unter die Arme. Brüder, Schwägerin, Mum, Schwager, alle helfen mit, ihr die langen Tage im Krankenhaus zu erleichtern (und mich auf dem Laufenden zu halten).

Ein Hoch wird von einem Tief gejagt, das wiederum wird von einem Hoch gejagt…. usw.

Ich hoffe nur, dass der Krebs nicht gewinnt.

Aber! Noch hänge ich an dieser Aussage:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 10

Weiterhin Stillstand…

Warten…

Mitansehen, wie sich meine mir Anvertraute bemühen muss, sich zu konzentrieren…
Mitansehen, wie schwer es ist, eine halbe Stunde fit genug zu bleiben, um sich etwas zu unterhalten…

Einen kleinen Wunsch erfüllen zu können, war für mich heute ein gutes Gefühl! Ein Stück Kuchen… Sie möchte so gerne ein Stück Fruchtkuchen, Nur ein kleines Stück.
Schnell ab ins Buffet, das gewünschte Teilchen ge…….
Moment!!! Da stimmt doch etwas nicht!!!!!
Meine Frau hat es doch tatsächlich geschafft, mir die notwendige Zwangspause, die sie in den letzten Tagen immer bei Besuchen machen musste, als „hol mir bitte ein Stück Kuchen-Pause“ zu verkaufen. Ich habs verstanden, mir etwas mehr Zeit gelassen, noch einen Kaffee mitgenommen und dann erst zurück ins Zimmer.

Der Moment, jemandem mit einer Kleinigkeit wie dieser, einen Wunsch erfüllen zu können, erscheint Vielen vielleicht jetzt als lächerlich, mir im Moment allerdings nicht!
Man kann sonst Nichts machen. Genau Nichts!

Auch die Tatsache, dass sie das Stück Kuchen nicht alleine essen konnte, war anfangs für mich erschreckend! (die Hände zittern zu stark) Als ich aber bemerkt habe, dass es das Einzige ist, mit dem ich ihr im Moment helfen und sie unterstützen kann, musste ich stark gegen den Drang loszuheulen ankämpfen.
(Soviel zur Frage vom Tag 9: Stärke)

Angst davor, den Partner eventuell zu verlieren, tut weh! Richtig weh.

Aber, wie schon mehrfach erwähnt! Der Satz, der jetzt kommen muss:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!