Tag 39 – Der erste „normale“ Tag!

Der heutige Tag war der erste Tag seit Vielen, die man fast als „normal“ bezeichnen kann.

Begonnen mit einem Besuch in der Apotheke, dem verpassen einer Spritze und der Verabreichung von vielen neuen und altbekannten Pillen, konnten wir das erste Mal wieder das Haus ohne ein Krankenhaus als Ziel verlassen.

Ein Kurzbesuch beim Bruder meiner Frau, ein dringend notwendiger Einkaufsbummel, dann merkte man, dass die Energie wieder zu Ende ging.

Wir gingen es langsam an, machten uns keinen Streß, besuchten wirklich nur 2 Läden, die umbedingt ein mussten, suchten Parkplätze nahe der Läden um möglichst wenig herumlaufen zu müssen.

Es klappte gut! Einige Kleinigkeiten waren es, bei denen man etwas bemerkte, aber das ist wohl bei einem solchen Verlauf normal.

Jetzt? Ruhe!

Das Motto bleibt!:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Tag 38 – Vieles verdreht..

Meine mir Anvertraute wurde nach der zweiten Chemo-Welle aus dem Krankenhaus entlassen. Körperlich gehts so halbwegs gut. Sie ist fit und eigentlich gut drauf.

Eigentlich stimmt mich das Alles sehr positiv. Ich freue mich wie ein Schneekönig, dass ich sie wieder zuhause habe,…

Aber:
Was mich etwas bedrückt, sind die vielen kleinen Dreher, die sie so hinlegt.
Angaben, Vorgänge, Dinge, … Vieles verdreht sie mit einer solchen Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht.
Vor 2 Tagen zweimal und auch gestern hat sie mir erzählt, es wurde ein Röntgenbild des Kopfes samt der Metastasen gemacht….. Falsch, es war ein Röntgen der Lunge!
Die Krebsgeschwüre in der Lunge wurden kleiner. Die Metastasen im Kopf wurden nicht kontrolliert!

Ich habe sie auf diesen Dreher bzw auf ihre mehrfache Falschaussage hat sie deutlich genervt mit einem “ hab ich nie gesagt“ reagiert, und abgeriegelt.

War das ein Fehler? Hab ich das mehrfach falsch verstanden? Hat sie das verdreht?

Keine Ahnung! Es sind viele kleine Dinge, viele kleine Wörter, viele kleine Ausdrücke die sie verdreht, anders nennt, anders ……

Hab Angst!

Hoffe aber immer noch! Denn

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tage zählen? Wozu?

Sollten Sie sich fragen, warum in letzter Zeit meine Blogeinträge nummeriert sind bzw mit „Tag xx“ betitelt sind, hier nun ein Erklärungsversuch:

Es beginnt übrigens an dem Tag, als für meine Frau, mich und unsere Familie, das ganze Thema ihrer Krebserkrankung bekannt wurde bzw. ihr so richtig eine auf die Breitseite donnerte.

Die Tagezählerei ist eigentlich, ganz egoistisch gesehen, der Versuch, für mich direkt und für meine mir Anvertraute eine Linie zu schaffen, an der man sich orientieren kann.

Ich für meinen Teil, versuche das Geschehene, die Gedanken, die Ängste etc. so zu notieren, daß ich es mir wieder und wieder hervorholen kann. Als Tagebuch!

Für meine Frau hingegen, versuche ich die einzelnen Dinge so zu notieren, daß es für sie irgendwann mal eine Zusammenfassung eines richtig beschissenen Filmes wird, der hier gerade abläuft. Ein Weg, der steinig, schwer, mit Angst und Hoffnung gepflastert ist und hoffentlich ein Happy-End nehmen wird. Ein Tagebuch, das auch sie lesen kann.
Ihr fehlen leider einige/viele Tage…

Fragen Sie mich bitte nicht, ob das Sinn ergibt! Ich mache es einfach!
Kann sein, daß ich es irgendwann zusammenfasse und nochmals lese, es lösche, es vergesse, es vergessen will, oder was auch immer. Ich mache es einfach!
Dieser Krebs, diese Krankheit etc. ergibt auch keinen Sinn!

(Fast) alle anderen Einträge handeln von Diesem und Jenen – einfach lesen!

Tag 36 – Die nächste Welle rollt an

Die nächste Chemo-Welle wird gestartet! 7:30 einchecken im Krankenhaus!
Das Nervenkostüm ist etwas unrund. Die Nacht war kurz, eher schlaflos.
Zuerst das Bürokratische, die Aufnahmerituale, alles nochmals erklären, achten auf die Intoleranzen,….
Blutabnahme! Das wird immer schwieriger. Die Venen verabchieden ich langsam aber sicher. Ein Dauerzugang ist im Gespräch. Für „Stammgäste“ fast schon üblich – angeblich!

Der Kopf spielt die Hauptrolle!

Wie verträgt sie die Chemo? Wie sieht es aus mit den bereits eingetretenen Nebenwirkungen? Kann man diese lindern? Gibts was gegen das „Nicht-schlafen-können“?

Sagen die diesmal etwas????

Sagt überhaupt jemand etwas?

Kann man einen Arzt dazu bringen, sich über die Chancen auszulassen?

Müssen wir wirklich noch 4-5 Wochen warten, um zu erfahren, dass irgendwas geholfen hat? Oder dass nichts geholfen hat?

Warten – keine Aussagen – hoffen – warten – wenig Aussagen – Unklarheiten – Angst – warten – hoffen – warten – Angst – warten – hoffen – …….

Kurzfassung: Der Kopf platzt gleich!
Es hilft: NICHTS ausser hoffen!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 35 – Es tut weh! Angst! Pure Angst!

21:00 zurück vom Kunden, meine mir Anvertraute hängt verzweifelt in der Ecke…
Den Tag hat sie gut überstanden. Keine Pannen, keine Probleme, angeblich alles ok…

Das Kopfkino ist das Problem!
„Alleine ist es schlimm. Mir fällt die Decke auf den Kopf. Die Narbe am Kopf schmerzt. Schlafen klappt nicht mehr. Ab 2:00 war ich munter. Alles dreht sich nur ums Überleben! Die müssen mir etwas geben, damit ich wenigstens schlafen kann!“

Alles dreht sich!
Alles dreht sich ums Leben, die Angst, die ……

Ich kanns sschon fast nicht mehr sagen: Hoffnung!

Es tut weh….  Angst…. pure Angst …..

Noch kann ich, noch können wir es sagen:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 34 – Abgelenkt und Stress im Kopf

Meine Frau: kurze Ablenkung durch den Besuch ihres Bruders..

Thema: Krebs, Zukunft, Hoffnung, Angst, das Leben..

Der Kopf rebelliert! Das Denken nimmt kein Ende!

Es dreht sich Alles um das Eine! Leben!

Ich: Ablenkung durch Arbeit und den Besuch ihres Bruders

Thema: Krebs, Zukunft, Angst, Hoffnung, Angst, das Leben….. nebenbei die Arbeit, der Kunde von Morgen, EDV, ….

Anfahrt zum Kunden: Zeit zu denken, denken, denken….

Es dreht sich Alles um das Eine! Leben!

Wir beide: Hoffnung, Angst,…

Es dreht sich Alles um das Eine!

Leben!

Scheißtag…. Es fällt sogar das Schreiben schwer!

Aber:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 33 – Kopf und Co

Am Donnerstag gings los, am Freitag haben wir davon gesprochen, gestern auch….
Verdrängt, verschoben,….
Heute, Sonntag, war es dann soweit: „Hol deine Haarschneidemaschine und schneid diese Fransen bitte ab, ganz ab, weg!“

Ich habe mich eigenartig gefühlt, meiner mir Anvertrauten, die Haare bis auf 2 mm abzurasieren. Für Sie war es klar, dass es so kommt. Für mich auch.
Eigenartig ist es trotzdem.

Ich finde es weder häßlich noch abstoßend, noch irgendwas. Es ist meine Frau.
Es bleibt meine Frau! Ich liebe sie auch ohne Haare! … hab ja selbst keine mehr!

Der Kopf spielt heute generell ein wichtiges Thema:
Nachdenken, grübeln, denken…. Es dreht sich alles im Kreis!

„Was ist? Was kommt? Überleb ich das Ganze? Was ist in 4-5 Wochen, wenn die CT-Kontrolle ein „negatives“ Ergebnis liefert?
Es dreht ich alles im Kreis, den ganzen Tag, die Nächte durch,….“

„Gibt es Hoffnung?“

Ja! Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!