Tage zählen? Wozu?

Sollten Sie sich fragen, warum in letzter Zeit meine Blogeinträge nummeriert sind bzw mit „Tag xx“ betitelt sind, hier nun ein Erklärungsversuch:

Es beginnt übrigens an dem Tag, als für meine Frau, mich und unsere Familie, das ganze Thema ihrer Krebserkrankung bekannt wurde bzw. ihr so richtig eine auf die Breitseite donnerte.

Die Tagezählerei ist eigentlich, ganz egoistisch gesehen, der Versuch, für mich direkt und für meine mir Anvertraute eine Linie zu schaffen, an der man sich orientieren kann.

Ich für meinen Teil, versuche das Geschehene, die Gedanken, die Ängste etc. so zu notieren, daß ich es mir wieder und wieder hervorholen kann. Als Tagebuch!

Für meine Frau hingegen, versuche ich die einzelnen Dinge so zu notieren, daß es für sie irgendwann mal eine Zusammenfassung eines richtig beschissenen Filmes wird, der hier gerade abläuft. Ein Weg, der steinig, schwer, mit Angst und Hoffnung gepflastert ist und hoffentlich ein Happy-End nehmen wird. Ein Tagebuch, das auch sie lesen kann.
Ihr fehlen leider einige/viele Tage…

Fragen Sie mich bitte nicht, ob das Sinn ergibt! Ich mache es einfach!
Kann sein, daß ich es irgendwann zusammenfasse und nochmals lese, es lösche, es vergesse, es vergessen will, oder was auch immer. Ich mache es einfach!
Dieser Krebs, diese Krankheit etc. ergibt auch keinen Sinn!

(Fast) alle anderen Einträge handeln von Diesem und Jenen – einfach lesen!

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Tag 34 – Abgelenkt und Stress im Kopf

Meine Frau: kurze Ablenkung durch den Besuch ihres Bruders..

Thema: Krebs, Zukunft, Hoffnung, Angst, das Leben..

Der Kopf rebelliert! Das Denken nimmt kein Ende!

Es dreht sich Alles um das Eine! Leben!

Ich: Ablenkung durch Arbeit und den Besuch ihres Bruders

Thema: Krebs, Zukunft, Angst, Hoffnung, Angst, das Leben….. nebenbei die Arbeit, der Kunde von Morgen, EDV, ….

Anfahrt zum Kunden: Zeit zu denken, denken, denken….

Es dreht sich Alles um das Eine! Leben!

Wir beide: Hoffnung, Angst,…

Es dreht sich Alles um das Eine!

Leben!

Scheißtag…. Es fällt sogar das Schreiben schwer!

Aber:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 18 – Runter vom Gas!

Sonntag. Der zweite Tag zuhause.
Langsamkeit ist angesagt. Zweisamkeit. Entspannung. Erholung. Ruhe.

Alles geht etwas langsamer, gemächlicher ab. Die ersten Auswirkungen der Chemo und der Bestrahlung stellen sich ein. Leichte motorische Einschränkungen, der Rest fährt auch etwas langsamer durchs Leben. Wir machen uns beide keinen Streß.
Wäre auch nicht zielführend. Wir brauchens beide.

Auch ich habs bemerkt. Heute hats mich erwischt. Die letzten Wochen waren schlaftechnisch eine Katastrophe. Heute hat der Körper sein Recht gefordert.
Ich musste heute einfach mal schlafen. Hab schamlos die Schlafpausen meiner Frau ausgenutzt und mich ebenfalls mal hingelegt.

Morgen, Montag gehts dann wieder los! Zuerst ab zum Hausarzt – ich brauch Bestätigungen, hab Fragen, brauche Infos. – Dann ab zur Bestrahlung! Die laufen ab jetzt ja täglich weiter.

Frühstück machen, Wäsche, Einkaufen, Kochen, Kontrolle der Medikamente,… all das läuft gut, aber da ich das jetzt mache, eben etwas langsamer. Ich will und kann keinen Streß rein bringen. Hilft keinem!

Wie bereits erwähnt, rollt die nächste Bestrahlungswelle auf meine Frau zu. Wir hoffen auf Erfolg! Was sonst???

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!