Tag 32 – Haare ab? Was sagt die Psyche?

Heute kamen die Haare ins Gespräch.

Es würde kommen. Wir wussten es beide. Wann? Jetzt? Weg damit bevor sie von selbst ausfallen? Ja? Nein? Jetzt? Später?

Für viele Männer ist es schon ein massives Problem, wenn sich das Haupthaar lichtet. Für Frauen ist es viel schlimmer!!! Krankheitsbedingt die Haare zu verlieren, setzt dann nochmals eins drauf.

„Schau, die hat keine Haare! Die muss krank sein!“ – „Jeder sieht es dir aus 3km Entfernung an!“…

„Kannst du mir die Haare abschneiden?“, war die Frage, die am heutigen Vormittag für mich etwas unvorbereitet kam. Obwohl! Vorbereitet ist man nie! Weder auf das, noch auf die Krankheit, die Probleme, die beschissenen Dinge, die einen einfach so einholen und sich mit einem diabolischen Grinsen vor dich stellen und laut „Jetzt ist es soweit!“ brüllen.

Wir habens noch nicht getan!
Wir haben diesen Schritt noch nicht getan!
Wir haben die Haare noch nicht abgeschnitten!
Wir haben noch keine Glatze rasiert!
Wir haben noch nicht!

Hierbei gibt es keine Hoffnung. Die Chemie, die Bestrahlung und deren Auswirkung ist und kommt. Die Haare meiner Frau werden sich verabchieden.

Was sagt der Kopf dazu…..

Ich kann damit leben! Ich schäme mich nicht wegen und schon garnicht für meine Frau!
Ich liebe sie mit und ohne ihre Haare! Eine Perücke wird es nicht geben! Nein danke!
Ich stehe zu meiner Frau! Ich sehe momentan viele Frauen und Männer ohne Haare! All diese Menschen haben Probleme und Themen, die wirklich wichtiger sind als Haare.
Die Haare sind es sicher nicht!

Die Haare kommen wieder. Irgendwann. Bis dahin hoffen alle.

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Tag 31 – Kopfsachen und Hirnfolter zum Geburtstag!

Der Tag 30 ging zwar beruhigt – es kam ja zumindest keine schlechtere Nachricht – zu Ende, löste aber das nächste, logische Thema aus.

Zeit? Warten? 4-5 Wochen?

Ungewissheit! Nervosiät! Angst! Warten! Warten? Warten!

„Wie gehts weiter? Soll ich jetzt wirklich 4-5 Wochen rumsitzen, damit mir am Ende dieser Zeit ein Arzt sagt, dass das Alles nichts gebracht hat, dass ich doch sterben muss?
Soll ich mir jetzt den ganzen Tag die Birne zermartern, obs hilft oder nicht? Warum kann mir keiner sagen, ob die Bestrahlungen diese blöden Metastasen zerbraten haben? Kann mir keiner JETZT sagen, ob das was bringt?“

Ich, als Danebensstehender habe keine Antwort auf diese Fragen!!!! Nichts!!!

Dinge wie, du musst Geduld haben, die Ärzte müssen auch auf deinen Körper und die Reaktion auf die Bestrahlung und die Chemo warten, sind vermutlich alles Ausreden dafür, dass ich absolut keine Ahnung habe. Hilflosigkeit pur….

So sieht sie also aus, die Hilflosigkeit! Danke für diese Erkenntnis! Hätte ich nicht gebraucht!

Schon garnicht am heuten Tag! Dem Geburtstag meiner Frau

Wenn einem schon kein Arzt oder Mediziner sagen kann, was ist, kommt und wird, was soll man dann als Ehemann und/oder Anverwandter sagen und machen?

Daumendrücken? Beten? Mit dem Arsch wackeln? Klatschen? Die Finger in die Ohren stecken? Alles wird gut brüllen? KEINE AHNUNG!

Ich hab für mich festgestellt, dass es aktuell das Beste ist, Klartext zu reden, zu versuchen, ihr Mut zu machen und….  sie einfach zu halten! Ich liebe sie!

Wir haben noch Hoffnung! Ja, die haben wir noch!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 29 – Ein Satz macht nervös!!!

Wie man mit einem einzigen Satz Nervosität auslösen kann, war mir schon klar, aber im aktuellen Fall war es heute schon nicht mehr ganz einfach.

Der aktuelle Ablauf ist ja (wie bereits bekannt) täglich um ca 12:30 die Bestrahlung + Anfahrt + Rückfahrt….

Heute wurde uns, respektive meiner Frau, so ganz nebenbei nach Beendigung der Bestrahlung mitgeteilt:

„Morgen bitte um 8:00 hier sein! Großes Arztgespräch! Danke sehr.“

Diese bescheidene, einfache, kurze Satz, hat gesessen. Einerseits bemühen wir uns natürlich schon einige Tage, eine Aussage über den Erfolg der Behandlung zu erhalten, andererseits hatten wir bislang keinen Erfolg dabei. Die Behandlung müsse ja erst vollständig abgeschlossen bzw weitergeführt werden.

Jetzt, zum aktuellen Zeitpunkt stehen wir 2 völlig neben den Dingen.
Hats was gebracht? Ist das ein normales Arzt-Patient-Gespräch für diese eine Abteilung? Klappts? Hilfts? Hats geholfen? Bringts was? Was ist los? Wird eine Kontrolle per CT gemacht? Ja, Nein, wann? Was kommt dabei raus?

Mehr Fragen als Antworten!

Die Spannung und eine gewisse Dosis Verunsicherung muss bis morgen verkraftet werden. Angst auch, auch wenn das zwischen uns beiden momentan nicht ausgesprochen wird. Sie ist da! Man kann sie nicht verstecken. Angst ist und bleibt!

Angst mischt sich mit Hoffnung!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

Tag 27 – wieder ein bestrahlender Tag

So wie die ganze letzte Woche, gehts auch diese Woche weiter.

Der Kampf gegen die Metastasen geht weiter. Täglich eine Bestrahlung. Die Anfahrt zum Nuklearmedizinischen Zentrum war auch heute wieder sehr ruhig.
Wie wird es sein? So wie letzten Donnerstag? Wieder so schlimm? Oder wie am Freitag, wo es ganz locker wegzustecken war….
Gedanken über Gedanken!

Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass gerade das Denken an und über den Krebs, seine Auswirkungen und seine Macht, eines der schlimmsten Dinge überhaupt sind.

Wie lange habe ich noch? Habe ich eine Chance? Wie hoch ist diese Chance, wenn sie denn da ist. Ist das alles Schönrederei, ist die Behandlung eine echte Behandlung, oder nur ein Verzögern? – All das sind Fragen, die irgendwo herumkriechen und das Hirn zusätzlich belasten.
Kein Arzt, kein noch so guter Medizinmann wird sich darauf festnageln lassen, dass es 50:50 oder 70:30, 80:20 oder eventuell auch nur 10% Chancen sind, es zu überleben oder auch nur ein normales Leben führen zu können.
Normales Leben? Ja! Ein normales Leben ohne Schädigungen, Beeinträchtigungen, Einschränkungen,…. Leben!

Als Angehöriger, in desem Fall Ehemann, kann ich nur sagen, daß es nicht gerade einfach ist, die richtigen Worte zu finden. Belügen, ist der falsche Weg! Zu direkt zu sein, auch! Ich liebe diese Frau, besitze den Egoismus, sagen zu können, daß ich meine Frau behalten möchte! So wie sie ist! Mit oder ohne Krebs! Verdammt nochmal, ich will, dass Alles nur ein Traum ist, wir erwachen und alles wieder „gut“ ist.

Viele Fragen mich inzwischen, wie es mir denn geht!
Ich habe fast keine Antwort mehr parat! Ich funktioniere, ünterstütze, wo es nur geht, helfe, wo es schon fast zu viel für meine Frau ist, stehe besorgt im Vorraum, wenn sie im Bad länger als die gewohnte Zeit braucht, befürchte Dinge, die nicht da sind, kämpfe mit mir, dem Krebs meiner Frau, meinem Hirn, den Ängsten und dem Leben.

Nebenbei habe ich inzwischen Angst, wie es überhaupt  weitergehen soll.
Mein Pflegeurlaub ist aufgebraucht für dieses Kalenderjahr, mein kaputer Rücken hat mich diese Woche in den Krankenstand befördert, dann, dann, dann, dann…..

Ich kann nicht ewig Urlaub nehmen, der Arbeitgeber bezahlt mich ja fürs arbeiten, nicht fürs Herumsitzen und blöd aus der Wäsche zu schauen. Einen Job im Aussendienst zu haben, erleichtert die Sache hier gerade ganz und garnicht.  Noch ein Problem! – Danke, davon hab ich gerade genug.

Meine Frau kann den Alltag momentan einfach nicht alleine schaukeln! Es geht nicht! Zu schwach, zu unsicher auf den Beinen, zu wackelig, zu zittrig, zu krank….
Aber „fit und gesund“ genug, nicht im Krankenhaus liegen zu müssen! – Zmindest nicht diese Woche! Dann gehts ja wieder weiter mit der Chemo…. Ich hab noch keinen blassen Schimmer, wie es dann aussieht!
Erahnen kann ich es – Erahnen können wir es beide schon!

Stark sein ist schwer! Es ist wirklich schwer..

Aber wir hoffen! Wir hoffen verdammt nochmal!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tag 26 -Zeit zum Nachdenken

Alles läuft auf Sparflamme…
Der Blutdruck (meiner wohlgemerkt) ist etwas gesunken..
Der Körper fordert sein Recht ein, bedankt sich mit flotten Kreuzschmerzen, Müdigkeit, zeigt mir die Auswirkungen von Schlafmangel an.
Pause, Ruhe, ein 2 Schläfchen tagsüber….. Die Ringe unter den Augen sollen ja schliesslich nicht permanent bleiben.

Meine mir anvertraute Ehefrau braucht die Pause offenbar auch. Tiefe, entspannte Schlafpausen, sanfte Träume von allem Möglichen.
Gestern, gegen Abend z.B hat sie im Tiefschlaf etwas von „das wäre jetzt gut“ gemurmelt. OK, dachte ich mir, bin mal gespannt! Als sie 10 Minuten später wirklich wach wurde, hat sie mir von Zitroneneis und Erdbeeren erzählt.
Na ja, was macht man(n)? Ab ins Auto und zum Eisdealer des Vertrauens! Eis holen.

Gelinde gesagt, ist es mir und den Ärzten völlig egal, Was sie isst, Hauptsache sie isst!
Das Eis wurde verdrückt, als gäbe es nie mehr Eis!
Solche Dinge entlocken einem dann schon mal wieder ein Lächeln! Das hilft!!!!

Heute, Tag 26. Titel „Zeit zum Nachdenken“ war dann auch die Zeit für uns beide, über gewisse Dinge nachzudenken, zu reden und zu sinnieren.

„Wie war das bei deinem Vater? Da warens doch auch die Metastasen im Kopf, die dann endgültig das….?“
„Ja, aber da wurde das leider erst sehr spät erkannt!“
„Ach ja, kann mich da jetzt nicht so genau erinnern…  Hoffentlich ists bei mir nicht auch….“

Viele Sätze mit … am Schluss! Ja, diese Sätze haben ein Ende. Es ist nur kein Ende, das ausgesprochen wurde und wird. Man kennt das Ende leider nur zu gut.

„Was ist wenn? Wie hoch sind die Chancen? Prozente?“ Auch alles Fragen, die kommen, gestellt werden, aber nicht beantwortet werden können.

Auch nicht einfach!

Morgen gehts dann ab zum Ärztemaraton. Zuerst ich (mein Kreuz), dann meine Frau wieder zur Bestrahlung.

Die Angst steigt weider. „Hoffentlich wirds nicht wieder so schlimm wie am Donnerstag! Das schaff ich in der Art nicht lange!“

Ich hoffe, dass es das nicht wird!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 22 – Ein ganz harter Tag

Der Kreislauf rotiert, die Hände zittern, die Beine schwach, so startet der Tag.

Ein kleines Frühstück, eine kleine Pause auf der Couch, schon geht’s besser.Duschen, anziehen, ab ins Strahlenzentrum. Das ist der Plan. Der jedoch wieder durch eine Pause unterbrochen werden muss.

Warten auf die Bestrahlung, plaudern mit anderen Patienten, warten, plaudern mit den Schwestern… Kurzbesprechung mit dem Arzt…

Warten, nachdenken über Alles und Jeden… Denken, denken, denken! Ob da etwas Vernünftiges herauskommt?

Was wird mit den „Kleinigkeiten “ die sich aktuell bemerkbar machen? Die verdrehten Worte, die vergessenen Worte, die Begriffe die ihr nicht einfallen, die Dinge, die Sie vergessen hat.

Es sind nicht die großen Dinge, die mir zu denken geben, es sind die vielen kleinen Dinge, die so im Alltag passieren. Es sind die Dinge, die man mit einem Partner erlebt, den man den ganzen Tag um sich hat.

Denken, denken, denken….

Denken über die aktuelle Situation, denken über die Zukunft, denken über das Werden, denken über ….

Nach der Bestrahlung ging heut nichts mehr! Heut hats voll zugeschlagen. Fix und fertig! Im Auto klagte sie über Schwindelgefühle, Magenprobleme, Sehstörungen und alles Mögliche… Schlaf war angesagt. Viel schlafen.

Irgendwann dann ging es wieder so halbwegs. Weils sein muss, hat sie eine Kleinigkeit gegessen… Schlafen..

Ich sitz hier und hab Zeit nachzudenken.

Denken über Angst, Liebe und Hoffnung!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 8

Stillstand.

Elendiger Stillstand.

Warten…..

Man sitzt am Krankenbett, bemerkt Veränderungen.
Veränderungen, die vor einigen Jahren bei meinem Vater auch so begannen.
Damals konnten wir/ich diese Vorzeichen noch nicht deuten. Heute weiß ich leider viel mehr über diese Art der Dinge.  Sie machen mir Angst!

Warum Stillstand?
„Die Patientin ist aktuell nicht stabil genug um weitere Schritte einleiten zu können“ erfuhr ich. Ich danke immer wieder für eine geradlinige Art und Ausdrucksweise von Ärzten. Ich finde es besser und leichter begreifbar, als sinnlos dahingewürgte Wortfetzen. Auch wenn dieser Geradlinigkeit weh tut.

Was kommt jetzt?
Diese Frage wurde mir beantwortet mit: „Warten auf die Stabilität und das Sinken einiger Werte, die noch zu hoch sind.

Noch hat meine mir Anvertraute die mentale Kraft, warten zu können.
Ich bewundere das!

Warten….. hoffen…. bangen…. die Angst verdrängen …. hoffen, hoffen, hoffen…

Aber:
Die Hoffnung stirbt zuletzt