Tag 103,5: Abend. Gedanken über das Ende

Es ist wieder da! Das Nachdenken über das Ende.

Wann? Wie? Was ist noch zu regeln? Was…? Wie… ???

Fragen, Gedanken, Tränen….

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 82 – Woraus besteht Zorn?

Woraus entsteht er?
Woraus wird er gemacht?
Woher kommt der Zorn?

Blöde Frage oder?

Irgendwann, ich war mal wieder allein im Auto unterwegs (wie so oft), habe ich das Stichwort Zorn vernommen. Aus dem Radio, in einem Song, keine Ahnung. Aufgeschnappt. Einfach so.

Meine Gehirnwindungen fressen gelegentlich Begriffe regelrecht auf, winden und drehen sich dann eine gewisse Zeit um einen solchen und kotzen dann Antworten oder noch mehr fragen aus. Daher die Frage: Woraus besteht Zorn!

Weltpolitisch, philosophisch, weltverbesserisch, etc wirds hier jetzt nicht, Sie brauchen sich nicht ins Beinkleid zu urinieren! Aber versuchen Sie mal, darüber nachzudenken!

Ich habs gemacht! Mann oh mann, da kamen Dinge raus!

Zorn besteht aus:
Dummen, verblödeten, abgrundtief sinnfreien, beleidigenden, gedankenlosen, egoistischen, unverantwortbaren, gemeinen, herablassenden, überheblichen, gierigen, überfressenen, unnötigen Aussagen und Handlungen von Menschen, denen es anscheinend völlig egal ist, wie sich andere fühlen, was sie machen, tun und ausgelöst wird.

Das ist aber nur ein geringer Teil der Inhaltsstoffe von Zorn.

Ein weiterer Inhaltsstoff von Zorn, ist auch Verzweiflung im Anfangs- oder im fortgeschrittenen Stadium. Je nachdem, wie man es sieht.

Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit. All das sind Begriffe und Dinge, die Zorn auslösen. Nicht nur können, sie tun es! Überlegen Sie ruhig mal kurz!

Hilflos, machtlos und irgendwann verzweifelt dazustehen, nichts machen zu können, nicht die Welt retten zu können, nicht mal dem Menschen neben Ihnen helfen zu können, all das treibt Ihnen irgendwann den Zorn in die Rübe!

Glauben Sie nicht? Dann waren Sie entweder noch nie in einer solchen Situation, oder Sie sind einer der Menschen, die ich teilweise bewundere!
Sie sind dann (für mich persönlich) einer der Menschen, denen alles sowas von am Arsch vorbeigeht, dem nichts und niemand an die Karre fahren kann, der egoistisch über Leichen geht, sich an deren Überresten auch noch erfreut und lacht. Sie habens gut! Sie denken niemals nach. Muss schön sein…..

Ich kanns nicht! Ich bin ein Mensch, der Zorn kennt. Nicht immer zur besten Zeit, nicht immer am besten Ort, nicht immer passend, aber ich habe sie noch, diese Fahigkeit zornig werden zu können.

Warum schreibt dieser Typ diesen Mist?

Ganz einfach! Ich bin aktuell des Zorns kleiner Bruder! Wir sind momentan eng verbunden. Der Zorn und ich!

Ich stehe da, sehe, fühle und spüre, dass meine Frau gegen den Krebs kämpft. Sie kämpft gegen das Zittern in den Händen, kämpft gegen die Auswirkungen der Chemotherapie, kämpft gegen die Auswirkungen der Krebserkrankung, kämpft gegen Schmerzen, kämpft gegen das Nicht-mehr-so-wie-vorher-können, kämpft gegen die bleibenden Veränderungen, gegen die kommenden Veränderungen.

Und ich? Ich stehe daneben und schaue blöd aus der Wäsche. Denn ich kann nichts machen.

Ich bin zornig!

Denn: Zorn wird ja auch aus Verzweifung, Hilflosigikeit oder auch Machtlosigkeit gemacht.

Das ist ein Scheißgefühl.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

… der Satz bleibt! Jawohl!

Tag 66 – Kopfsachen und andere Exkremente

Der Aussendiensteinsatz ist für diese Woche beendet! Bin in den eigenen 4 Wänden angelangt. Sitze alleine da. Meine mir Anvertraute ist im Krankenhaus. Habe zwar mit ihr telefoniert, ein Besuch ging sich aber nicht mehr aus….

Vom Gespräch her, hab ich zwar das Gefühl, dass sie gut versorgt an der Chemo hängt, der Kopf produziert aber (wie in den letzten Wochen leider sehr oft) so seine Gedankenparaden – um nicht zu sagen, Schei…e!

Wie gehts ihr nach dieser Chemo? Gehts bergauf, gehts bergab, wie bekommen wir die Versorgung hin, klappts auch kommende Woche, wie wird dies, wie wird jenes???

Auf jedem einzelnen verblödeten Kilometer, den ich mit dem Auto von oder zu einem Kunden unterwegs bin, jede Stunde, die ich zum Denken habe, kommt mir diese Schei…e unter.

Warum kann ich nicht einfach – wie viele Andere – einfach nur das Gute und Einfache im Leben sehen? Warum mache ich mir ständig Sorgen um „unser“ Leben, um ihr Leben, um Alles.

Bin ich nicht der Mensch, der einfach auf alles schei…t und sich nicht denkt, oder ist es doch die Tatsache, dass ich diese Frau liebe?

Ich glaube inzwischen, daß beide Antworten richtig sind!

Mir ist es nicht egal was ist und was kommt UND ich liebe diese Frau!

Sollten Sie diesen Text bis hierher gelesen haben, danke ich für Ihre Mühe und Ihr Interesse an meinen Gefühlslagen….

Mein Motto bleibt übrigens:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 63 – Organisieren, planen, machen, tun,…

Montag, mein letzter Urlaubstag.
Ab zum Arzt, Medikamente besorgen, Transport ins Krankenhaus planen, Apotheke, kochen, die kommende Arbeitswoche planen und vorbereiten, helfen, rasten, essen, ….

Der Kopf ist voll. Wieder.
Klappt der morgige Tag? Klappt der Transport am Mittwoch ins Krankenhaus? Ich bin bis Donnerstag Abend nicht da. Kommt der geplante Besuch morgen Nachmittag?
Vielleich sind die Gedanken und Sorgen völlig übertrieben, aber sie sind da.

Was ist, wenn es wieder so ein Tag wie letzten Donnerstag wird? Da wars nicht gut.

Wird alles klappen? Ja, es wird, es muss!

Denn:

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

…ich muss ja auch wieder arbeiten. Der „normale“ Alltag bzw der Arbeitsalltag muss sich ja auch wieder irgendwie einpendeln. Es hängen auch Exitenz und Co davon ab….

Tag 62 – Müdigkeit, Ruhe Faulheit,..

Die Herbststimmung, die letzten Tage, was auch immer.
Was auch immer es ist, die Müdigkeit hat heute zugeschlagen. Bei uns beiden!

Schlafen, gut essen, fernsehen, faulenzen,… Mehr nicht.

Das Zittern ist immer noch da. Mal mehr, mal weniger, aber es ist da.
Die Müfigkeit auch.
Sind es die Blutwerte, der Stress im Kopf? Keine Ahnung….

Der Alltag? Die nächsten Tage sind gesichert! Morgen hab ich noch Urlaub, Dienstag kommt Besuch aus der Familie, Mittwoch gehts ab ins Krankenhaus (per Krankentransport) Kein Tag alleine! Kein Tag ohne mögliche Hilfe! Wichtig
(auch für mich) Ich muss ab Dienstag (im Aussendienst) wieder bis mindestens Donnerstag Abend wieder arbeiten.

Aber, bei Allem was kommt und ist:

Die Hoffung stirbt zuletzt!

Tag 61 – Rollercoaster – wir holen dann mal Luft

Life is like a Rollercoaster.
Der Satz der letzten Tage! Ein Ab, ein Auf, es hebt einen aus, knallt einen runter, man spannt sich an, einen Moment später entspannt man sich…. rauf und runter! Anstrengend und belastend!

Wir holen mal wieder einen Tag Luft! Haben uns was Gutes gekocht, ein Mittagsschläfchen gemacht, Verbandwechsel durchgeführt, und erfolgreich geatmet.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 60 – Auf- und Umschwung! Positives!

Auf einen miesen Start folgte eine dezent positive Veränderung!

Das Ergebnis der MRT- Untersuchung ist da! Die Metastasen sind deutlich erkennbar geschrumft, wurden zusammengegrillt, zerbruzzelt oder wie man das auch immer nennen mag.
Das Zittern allerdings, ist immer noch gegenwärtig! Dazu wurden dann weitere Unteruchungen angestellt, deren Ergebnis von einem Spezialisten einer Uniklinik bestätigt wurde: Es hat nichts mit Krebs, Metastasen und Co zu tun! „Nur“ mit völliger, geistiger Überlastung.
Ein Weg, das zu bekämpfen, wurde bereit gefunden!

Es läuft! Der Kopf kann sich erholen! Sich beruhigen! Die Zukunft sieht wieder rosiger aus! Es kommt noch genug, aber es sieht mal etwas besser aus!

Was wurde mit der Überleitungspflege?
Die haben ganze Arbeit geleistet! Viele Tipps, viele Ideen, viele Möglichkeiten wurden aufgezeigt. Den Weg muss jetzt meine mir Anvertraute einschlagen! Wenn Sie den Alltag meistern kann, sich das Zittern wirklich beruhigen lässt, sieht es wirklich gut aus!

Der Weg geht weiter! Kommene Woche z.B. mit der nächsten Chemo. Bis dahin müssten sich die Blutwerte erholt haben!

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Dieser Satz bleibt!