651+ / Von der „Verlassenschaftsangelegenheit“ und dem Notar

„Von der Wiege bis zur Bahre. Formulare, Formulare!“ Es ist definitiv so. Schon am Sterbebett, kam die Bürokratie daher. Jetzt, knapp einen Monat nach dem Tod meiner mir Anvertrauten, schlug das zuständige Gericht mit einem Termin beim Notar zu. Dieser wurde vom Verlassenschaftsgericht, oder wie sich das auch immer nennen mag, beauftragt, die „Abwicklung der Verlassenschaft“ durchzuführen.

Ein Datenstriptease, eine Offenlegung der Besitzverhältnisse, der Finanzverhältnisse, ein Jonglieren mit Bestätigungen, Urkunden, Belegen, Rechnungen etc.

Ein Graus! Ein echter Graus!
Man wird, sobald man das Zeitliche gesegnet hat, zu einem Akt. Eher einem Aktenberg, der juristisch, formell und sachlich abgehandelt wird, als ginge es um einen Gebrauchtwagenkauf.

Wenn ich jetzt alles nehme, in einen Topf schmeisse, Rechnungen abziehe, den Wasserstand der Isar im Juli um 15:00 als Faktor nehme, bleibt nicht mehr viel übrig. Werte lösen sich auf, werden von Bürokratie und Gebühren weggefressen. Ich kann überleben, kann „meine“ Wohnung erhalten, muss das alte  Auto nicht verkaufen, aber mehr wird nicht übrig bleiben. Kosten hier, Kosten da, alles wird berrechnet, mit Formeln ermittelt, etc. Ansprüche mit Bezügen gegengerechnet, abgesegnet, vergebührt und besiegelt.

Irgendwann wird auch da Ruhe einkehren. Ich hoffe es. Irgendwann erfahre ich dann, ob und wie meine Zukunft ohne meine mir Anvertraute in notarieller, rechtlicher und auch finanzieller Sicht aussehen wird.

Auch wenn es sich komisch, eigenartig oder vielleicht auch abartig anhören muss, aber es muss alles anders berechnet, umgeschrieben, neu kalkuliert und ermittelt werden. Für Ämter, Notare, Gerichte, etc. ist die Trauerphase beendet, sobald feststeht, dass es einen Steuerzahler weniger gibt. Sobald es „amtlich“ feststeht wohlgemerkt.

Der heutige Daten- und Zahlenstriptease ist vorüber. Auf das Ergebnis darf ich warten…

Bitte warten….

11 Kommentare zu „651+ / Von der „Verlassenschaftsangelegenheit“ und dem Notar“

    1. Es ist leider so! Die Bürokratie, die Dinge die zu verwalten zu erledigen, „abzuwickeln“ sind, sind wirklich nicht ohne!
      Wenn man sich selbst aber mal aus der ganzen Situation rausnimmt, kann man vielleicht auch verstehen! Man lebt ein Leben, hinterlässt immer und überall seine Spuren, hat sich etwas geschaffen. Egal ob Werte, Familie, Schulden, Freunde oder Feinde. Die digitale Welt hängt auch dran. Dies Alles, muss irgendwie „beendet“ werden.
      Klingt so kühl und locker, ist es aber nicht!
      Es hilft nicht gegen die Trauer un den Verlust. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Erinnerungen…..

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      1. Ja, für einen selbst ist es vermutlich tröstlich zu wissen, dass man Spuren hinterlässt, wobei die – wie du geschrieben hast – in Erinnerungen stecken. Aber als Angehöriger ist es… Ja, unvorstellbar. Ich hoffe du hast bald Zeit für dich und deine Trauer!

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      2. Ich selbst, versuche gerade Liegengebliebenes aufzuarbeiten, zu erledigen, mich damit abzulenken. Die Zeit wird kommen, ist oft auch schon da. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich versuche ein Mittelding und einen Weg für mich zu finden.
        Danke sehr!

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  1. Oh man … das ist furchtbar. Es gibt da so ein Brettspiel …. nennt sich das „Spiel des Lebens“. Die Kids mögen es, ich hasse es. Man springt da, gesteuert von einem Würfel, von Feld zu Feld. Am Ende wird abgerechnet, dann kommt man ins Heim. Einpacken. Schluss. Ende.
    Gruselig.

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