Vom Arsch, von Blasen, von Muskelkater, von Krampf und mehr als 3 Gängen

Laufen, marathonmäßig natürlich. Triatlon. Bergsteigen. Wandern. Wintersport. Fitness.
Yoga. Thai-Chi. Eislaufen. Fussball. Handball. Tennis. Rennradfahren. Mountainbiken.

Ich kenne alle diese Sportarten! Ich kenne sie gut! Ich kenne sie sehr gut sogar!

Ich habe bei all diesen Sportarten schon mal intensiv…..   zugesehen! Mehr nicht!

Na ja. Irgendwann hab ich mal dies, mal jenes gemacht. Kurz. Ein kleines Bisschen. Kurz.

Irgendwann…. So vor einigen Tagen dann, wurde in mir die glorreiche Idee geboren, ich könnte doch das verstaubte Fahrrad, das seit Jahren an der Decke im Schuppen hängt, reinigen, die Reifen aufpumpen und eine Runde damit drehen.

Idee: super
Umsetzung: na ja

Blitzeblank, sauber, mit prall gefüllten Reifen, stand es gestern dann nach gefühlten zwöfunddreissig Stunden da. Das Fahrrad! Eins zum selber treten. NIx mit E-Gedöns oder Pensionistenmotor! Nix da! Oldscool mit zwei Pedalen und achthundertsiebenundachzig Gängen. So wie mans halt mal hatte! Sportlich eben!

Ich schwang mich in sportliche Klamotten. Jeans, T-Shirt, Schuhe, etc.
Nix mit Ultrasporthautengdingens und so. Will ja nicht aussehen, wie Presswurst mit Logos drauf.

Also ab aufs Rad. Die erste Ausfahrt seit 1887 kann starten. So der Plan.

Die Realität war, dass ich gleich nach den ersten Metern verzweifelt einen Gang suchen musste, bei dem ich meine unterirdisch sportlichen Beinmuskeln nicht sofort abtöten würde. Bei diesem Versuch blieb es dann fast auch schon!
Bis ich einen passenden Gang aus den vorhandenen achthundertsiebenundachzig gefunden hatte, hätte mich Tante Schwerkraft fast schon bald in Ihre Arme genommen und zu Boden gezogen.

Zweiter Versuch: Erfolgreich!

An der ersten, brutalen Steigung, eine kleine Rampe zu einer Brücke, hing ich schon in den Seilen… Schwer atmend, einen Gang suchend, schleppte ich das Rad, mich und meinen Luxuskörper über die Steigung. Nebenbei wurde ich von 3 älteren Damen mit E-Bikes überholt. Lächelnd wohlgemekt.

Als ich dann mein Ego wieder aus dem Keller locken konnte, gings schnaufend weiter.

Unter meinem Luxuskörper, dort wo sich Mensch und Maschine treffen, begannen sich Dramen abzuspielen! Wahre Dramen!

Der Arsch ist nicht mit dem Sattel kompatibel!
Eine Erkenntnis, die ich schmerzhaft machen musste!

Weiters, stellte sich heraus, dass die Oberschenkelmuskulatur ebenfalls eine gewisse Inkompatibilität zum Rest des Vorhabens aufwies.
Eine Erkenntnis, die ich schmerzhaft machen musste!

Geradezu krampfhaft, versuchten die Oberschenkel – meine natürlich – sich an dei Sache heranzutasten. Die wenigen Muskeln umklammerten sich gegenseitig, krallten sich offenbar aneinender fest, verursachten eine sicherlich unnormale Körperhaltung und ein mitleidiges Lächeln einer vorbeikommenden Rentnertruppe.
Auf E-Bikes wohlgemerkt!

Als sich sämtliche, bisher aufgetretenen Defizite genügend bemerkbar gemacht haben, zeigte mir mein ultraunsportlicher Astralkörper einen weiteren Punkt auf, den ich mir ins Sporttagebuch schreiben sollte.

Auch beim Radfahren kann es zu Problemen mit dem Schuhwerk kommen!

Als abgehalfteter Bürohengst besitze ich kein wirklich sporttaugliches Schuhwerk!
Die von mir auserkorenen Sneakers, sind sicher nett, verursachen jedoch, dank ausgeprägter Produktion von Schweiß, Blasen an den Zehen und der Ferse.
Eine Version hat nicht gereicht, nein, es müssen pro Fuß, zwei sein!

Als Resümee ist also festzuhalten:
Lunge: defizitär trainiert bzw dezent übernikotinisiert
Arsch: inkompatibel zu Sattel
Muskulatur: inkompatibel zu nicht motorisierten Fortbewegungsmitteln
Sportausrüstung: inkompatibel, da nicht vorhanden
Schweißproduktion: überdurchschnittliche Leistung der entsprechenden Drüsen!

Fazit:
Beim nächsten Versuch, die Sache vom Ansatz her anders angehen.
Langsamer….
Deutlich langsamer!
Optimierung der Ausrüstung: Dringend notwendig!

Zusatz:
Dauer der Ausfahrt: ca 60 Minuten
zurückgelegte Strecke: ca. 10 Km
bewältigte Höhendifferenz: auf  5m ab 5m

12 Kommentare zu „Vom Arsch, von Blasen, von Muskelkater, von Krampf und mehr als 3 Gängen“

  1. Woran erinnert mich das blos nur?

    Ach ja, richtig. Da schwang sich im letzten Sommer ein adipöser Mitfünfziger aufs Rad. Im Kopf geistige 25 Lenze jung. Um dann? Ja, genau. Ordentlich abzukacken…

    Heute nach gutem Training (im Winter halt auf dem Ergometer) sind auf dem Bio-Bike gute Runden möglich und auf dem kürzlich angeschafften, sportiven E-Bike könnte er die Welt umrunden…

    Mach weiter so und bleib dran. Fahrradfahren ist richtig geiles Zeug!!! 🙂

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    1. Als ebenfalls eher rund gebauter, rauchendes Endvierziger sieht das momentan irgendwie eher nach sportlichen Wiederbelebungsversuchen aus. Aber! Was nicht ist, kann ja noch werden! Wie gesagt, an Material, Kondition, Überwindung und 1000 anderen Dingen, muss ich noch etwas arbeiten 😉

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  2. So wie du es beschreibst, geht es mir jedes Jahr im Frühling.
    Ich liebe mein Rad. Es heißt übrigens Betty, Betty raDel. Aber jeden Frühling aufs Neue, quält sie mich bei der ersten Ausfahrt. Sie drückt den Hintern platt, lässt die Schenkel schmerzen, die Lunge brennen. Nach dem ersten Mal im Frühling schwöre ich Betty beleidigt, sie auf ewig in den Radkeller zu verbannen oder zumindest ihren Sattel gegen ein bequemes Teil auszutauschen und ihr einen Motor zu verpassen.
    Wie gesagt, jedes Jahr nach der ersten Ausfahrt. Betty nimmt mir diese Drohungen nicht übel. Sie weiß, ich kann nicht ohne sie.
    Bleib dran. Radeln ist echt spitze!
    PS: und es ist echt bescheiden von fröhlich quatschenden Senioren am E-Bike überholt zu werden, während man selbst kurz vorm abkacken ist.

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      1. Ja, und rotzfrech. Wie sie überheblich grinsen und freundlich, gut verständlich grüßen, während man selbst mit viel Mühe gerade noch einen Grunzlaut von sich geben kann

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      2. Grunzlaute??? Röcheln nenn ich das! Purer Überlebenskampf! Die Brücke gegen mich! Aber sie haben Recht! E-Biker gegen reale Pedalritter! Eine Sauerei 😉

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