Tag 619: Sonne und Regen zur gleichen Zeit! Wenn Strohhalme wachsen

Irgendwie Regnet es.
Die Stimmung ist im Keller, die Schmerzen sind trotz starker Medikamente da. Das Gehen fällt trotz Gehhilfe schwer, das Aufsitzen aus dem Liegen klappt nicht immer.
Essen fällt fast komplett aus.
Die Palliativ-Betreuung spricht ganz offen davon, dass der Körper beginnt bzw. am besten Wege ist, abzuschalten bzw aufzuhören. Auch manche Ärzte! Aber eben nicht alle!

Andererseits scheint die Sonne.
Die Blutkontrolle von vorgestern lieferte laut dem zuständigen Arzt Werte, die kommenden Freitag „eventuell“ eine weitere Chemotherapie ermöglichen „könnten“!

Der Strohhalm, an dem sich meine mir Anvertraute festhält, wurde damit wieder gestärkt und verlängert.

Was kommt wirklich? Ist das Alles nur ein kleiner, kurzer Sonnenstrahl, der durch die Regenwolken scheint, verschwindet er sofort wieder, oder ist es wirklich die Lösung, mit der Chemo weiter zu machen?
Ist die Chemo nicht die dicke Keule, die dann endgültig draufhaut?

Ich habe keine Ahnung mehr. Ich die eine Seite sehen und die andere. Welche ist besser?
Aufhören? Nicht aufhören?

Sogar die Ärztin, die ich gestern am Telefon hatte, bestätigte mir die Aussage der Palliativ-Betreuung. Ich sehe es auch.

Das Ende und die mögliche Sinnlosigkeit einer weiteren Chemokeule zu prophezeien, steht mir gegenüber meiner mir Anvertrauten jedoch nicht zu.
Ich kann nicht.

Ich habe immer gesagt, dass ich Ihre Entscheidung akzeptieren werde. Egal welche!
Aber das wird immer schwieriger und schwieriger.

Der Wille ist (noch) da, die Kraft auch?

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

3 Kommentare zu „Tag 619: Sonne und Regen zur gleichen Zeit! Wenn Strohhalme wachsen“

  1. Puh, ich habe bisher für dich gehofft, dass genau diese Situation nicht kommt. Fühl dich umarmt.

    Es ist schwer und keiner kann dir raten was du tun sollst. Aber vielleicht hilft dir ein Blick von außen? Ich habe damals versucht mich neben mich zu stellen als „Berater“ und mich gefragt, was würdest du deiner besten Freundin sagen, wenn sie in deiner Situation ist? Sie war zu dieser Zeit auch „nur“ Zuhörerin, hatte „Angst“ die falschen Worte zu treffen. Mit diesen meinen Gedanken bin ich dann zu ihr und hab losgeplappert. Mit ihr zusammen Szenarien gewälzt und dann war es für mich klar, wie ich handeln kann und was nicht geht.

    Ich habe mir damals auch die Frage gestellt
    Ist es der wirkliche Wille am Leben oder ist es ein „ich darf nicht loslassen, weil ich gebraucht werde“, eine Mischung oder eben die sch…Angst vor dem Sterben?

    Hast du eventuell doch die Möglichkeit auch für dich Beratungshilfe für den Umgang mit der aktuellen Situation irgendwie in Anspruch zu nehmen? Vielleicht auch telefonisch?

    Gefällt 1 Person

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